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Jumeirah Jane – die Expat-Woche in Dubai

Jumeirah Jane

Als Jumeirah Jane bezeichnet man eine (meist britische) Ehefrau eines gut verdienenden Dubai-Expats. Einerseits genießt sie dank Maid, Gärtner und Pool Boy ein sorgenfreies Leben in einer teuren Villa. Andererseits hat sie dadurch auch keinerlei Aufgabe und ist ständig gelangweilt. Die typische Woche einer Jumeirah Jane verläuft ungefähr so:

Samstag.

For fuck’s sake. Diese Kopfschmerzen sind kaum auszuhalten. Dabei war der Friday Brunch gestern doch relativ zivilisiert. Es waren höchstens zwei Flaschen Moet. Naja, ok, vielleicht auch drei. Bubbles sind im Preis enthalten und zum Friday Brunch geht man ja schließlich nicht wegen des Essens. Was poltert die doofe Maid eigentlich  so laut rum. Um diese Zeit. Es ist noch nicht mal halb vier. Kein Wunder, dass der Schädel brummt. Wieder einschlafen wird auch nix. Dafür ist es zu hell. Was muss diese Scheiß-Sonne auch so bescheuert durch die Fenster scheinen. Kann nicht mal jemand einen Sonnenschirm über ganz Emirates Hills aufspannen? Kann doch nicht so schwer sein. Aspirin ist auch leer. Am besten die Maid geht gleich zur Apotheke. Dann kann sie auch nicht mehr rumpoltern.

Sonntag.

Harry, der Mann von Jumeirah Jane, ist früh zu einer Geschäftreise nach Jordanien aufgebrochen. Schon wieder. Arbeiten in Dubai heißt für Harry mindestens zweimal pro Monat im Flieger nach Riad, Maskat oder Amman sitzen. Die Maid muss deshalb heute auf jeden Fall das Bett frisch überziehen. Hat sie bestimmt schon 5 Tage nicht mehr gemacht. Muss man die denn an alles erinnern? Und wo sind denn schon wieder die Autoschlüssel? Am Schlüsselbrett hängen nur die vom BMW. Aber diese Blöße gibt sich eine Jumeirah Jane nur, wenn es nicht anders geht. Es könnte ja sein, dass Gwendolyn – diese Zicke – auch dort ist. Ah, da. In der Handtasche von gestern. Jetzt aber schnell mit dem Porsche Cayenne zum Shopping in der Dubai Mall. Eigentlich gehen da ja nur Touristen hin. Aber der Fendi Laden in der Mall of the Emirates wird gerade renoviert. Und das Mirdiff City Center geht schließlich gar nicht. Auf dem Rückweg zum Parkhaus gibts noch schnell einen Detox Weizengras Shot.

Wenigstens hat Wayne am Nachmittag noch einen Termin frei. Gym ohne Personal Trainer ist einfach nix halbes und nix ganzes. Auf das Training könnte sie zwar heute gut verzichten – schon wegen der noch Kopfschmerzen, die immer noch nicht ganz weg sind. Aber Wayne ist halt ein ziemliches Schnuckelchen und der Anblick seines Hinterns entschädigt für die Plackerei.

Montag.

Wie oft muss man dem Poolboy denn noch erklären, dass er nur die verwelkten Frangipaniblüten aus dem Pool fischen soll. Das nervt echt kolossal.

Harry ist zurück. Gott sei dank hat er Wein vom Duty Free mitgebracht. In den Alkoholgeschäften innerhalb von Dubai kann man ja maximal 5% des Einkommens in Alkohol umsetzen. Wer soll denn damit auskommen? For fuck’s sake. Das Leben in Dubai ist echt hart.

Die Maid kocht zwar echt gut, aber eben hauptsächlich asiatische Gerichte. Indisch kann sie nicht. Also wird heute – wie ungefähr 3 Mal die Woche – bestellt. Let me repeat your order, boss lady. One Gobi Manchurian, one Chicken Chettinadu, one Lamb Vindaloo, two piece Naan. 20 minutes. Thank you, lady boss.

Dienstag.

Keine Lust auf Golf. 20 Minuten auf der Driving Range reichen ja auch. Und danach im Club House einen Lemon Mint. Der Fisch von der Tageskarte ist schon wieder aus. Es ist zum Verzweifeln.

Wenigstens hat Jennifer am Nachmittag noch einen Termin frei. Es gibt aber auch ums Verrecken sonst keine Hair Stylistin, die blonde Haare kann. Und heute abend ist Ladies Night. Mal wieder zum Barasti Beach. Undenkbar dort aufzutauchen, ohne vorher beim Friseur gewesen zu sein. Hoffentlich ist Gwendolyn krank.

Mittwoch.

Ausschlafen. Eine Runde Golf im Montgomerie. Gwendolyn – diese Zicke – hat schon wieder eine neue Prada Tasche. Die ist mit Sicherheit aus Karama. Sieht sowas von Fake aus. Passt zu ihr.

Oh, fast vergessen: auf dem Rückweg unbedingt noch zum African Eastern. Das Heinecken ist fast alle. Und diese Woche kosten 24 Dosen nur 187 Dirham. Außerdem ist ja bald Ramadan. Besser vorher die Vorräte aufstocken.

Am Abend geht es mit dem Premium Entertainer Gutscheinbuch zum Nobu im Atlantis. Das Atlantis ist bekanntlich das Hotel in Dubai, das noch künstlicher wirkt als die aufgespritzten Lippen von Gwendolyn. Schlimm sowas.

Donnerstag.

Der Porsche sieht aus wie Sau. Getankt werden muss auch. Also gehts zur Tankstelle. Fenster runter. Ja, volltanken bitte. Fenster rauf. Fenster runter. 137 Dirham, Maam. Stimmt so. An der Waschanlage ist schon wieder eine Schlange von 3 Autos. Eine Jumeirah Jane lässt sich sowas nicht bieten. Eigentlich muss man sich mal beschweren. Soll Harry nächstes Mal machen, wenn er das Auto waschen lässt.  Die Jungs, die das Auto abtrocknen und innen reinigen, sollen sich mal beeilen. Schließlich muss man in dieser Zeit ja aussteigen und die Hitze ist heute echt unerträglich.

Wenigstens hat Naomi am Nachmittag noch einen Termin frei. Eine Woche ohne Nail Spa geht ja gar nicht. Und morgen ist ja auch schon wieder Wochenende. Gwendolyn ist auch da. Gemeinsam wird über Zoe gelästert. Wofür hat man denn sonst eine beste Freundin, wenn nicht fürs Lästern.

Freitag.

Thank god it’s Friday. For fuck’s sake. Die Typen vom Valet Parking stellen sich heute aber wieder an, wie französische Zöllner beim Bummelstreik. Kann ja wohl nicht sein. Gwendolyn hat bestimmt schon die erste Flasche Moet halb geleert. Die säuft ja wie ein Loch. Wenigstens ist der reservierte Tisch nicht weit vom Austernbuffet. Wo bleibt denn der Champagner? Glaubt ihr vielleicht, dass irgendwer wegen des Essens zum Friday Brunch ins Madinat kommt?

Das Leben als Jumeirah Jane ist schon hart. Aber wenigstens ist man keine Mirdiff Molly. Die muss sich ja um ihren Haushalt selbst kümmern.

Ein ernstes Problem

Auch wenn sich das alles vergnüglich anhört, gibt es doch einen sehr ernsten Kern. In der Regel ist in Dubai nur eine Ehepartner berufstätig. Service Personal nimmt dem nicht berufstätigen Partner nahezu alle Arbeit ab. Das führt zu Langeweile und Depressionen. Ein oft unterschätztes Problem.

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Die Expat Rückkehr – ein umgekehrter Kulturschock

Expat Rückkehr - Umgekehrter Kulturschock

Heimat. Nach Jahren im Ausland ist es ein ganz besonderes Gefühl für Expats, wieder nach Hause zu ziehen. Man hatte zwar nie wirklich Heimweh. Aber es gab vieles was man vermisst hat. Brot. Kneipentouren mit den Kumpels. Die Lieblingsserie mit der besten Freundin anschauen. Jetzt kann man das alles nachholen. Doch so einfach ist das nicht. Die Expat Rückkehr nach Deutschland wird von einem umgekehrten Kulturschock geprägt. Je länger man weg war, desto stärker ist dieser Effekt. Aber keine Sorge. Der umgekehrte Kulturschock ist eine ganz normale Phase des Expat Lebens.

Das Land hat sich verändert

Das Deutschland, das man verlassen hat, war ein offenes Land. Wenige Jahre vorher war die Welt zu Gast bei Freunden und hat das Selbstbewusstsein des Landes beinahe schon therapiert. Jetzt nach der Rückkehr ist das Land deutlich von Rechtsnationalen geprägt. Das Deutschland, das man verlassen hat, konnte stolz auf seine Ingenieurskunst und Verlässlichkeit sein. Jetzt schafft es das Land nicht mal einen Bahnhof zu bauen oder einen Flughafen zu eröffnen. Von Autos, die selbst gesetzte Abgasnormen erfüllen, ganz zu schweigen. Präszision und Verlässlichkeit schätzt man selbst inzwischen ohnehin eher bei Kollegen aus Indien. (Siehe auch: Kultursimulation Barnga)

Die alten Freunde haben sich verändert

Was war das damals geil. Mit den Jungs um die Häuser ziehen und am Ende doch immer in der gleichen coolen Bar landen. Aber die Jungs sind irgendwie nicht mehr zu gebrauchen. Frank erzählt jetzt ständig was vom DAX. Michi trinkt nur noch Craft-Bier. Und Olli hat diese Zicke geheiratet. Nur Kante ist der gleiche geblieben. Aber die alten, immer gleichen Sprüche von damals kann man sich echt nicht mehr anhören. Bei den Mädels sieht es ähnlich aus. Hanna ist zur Glucke mutiert. Die weltoffene Tara ist bei genauerer Betrachtung irgendwie ziemlich beschränkt. Und Ina hat sich doch glatt in den 7 Jahren, die man im Ausland war, einen neue beste Freundin gesucht. Und alle hören sie jetzt Helene Fischer. Die alten Freunde machen die Expat Rückkehr nicht gerade einfacher. Übrigens, die coole Bar gibt es auch nicht mehr. Hat vor 6 Jahren schon zugemacht. Vermutlich lags am Umsatz. Gibt es hier eigentlich eine Expat Community in der man neue Freunde finden kann?

Man selbst hat sich verändert

Am Anfang wollen alle die Storys aus dem Ausland hören. Irgendwann sind sie genervt, wenn man nur noch vom Ausland erzählt. Aber man kann einfach nicht anders. Die Zeit im Ausland hat einen selbst eben auch geprägt. Dass es weit und breit keinen gutes libanesisches Restaurant gibt, war früher kein Problem. Man wäre je sowieso nicht hingegangen. Jetzt aber. Dann halt doch wieder zum Fußball. Aber die alte Rivalität mit dem Nachbarverein kann man irgendwie nicht mehr entwickeln – geschweige denn verstehen. Selbst darüber, dass Italien und die Niederlande nicht für die WM qualifiziert sind, kann man sich nicht freuen. Im Gegenteil. Wenn sie dabei wären, hätte man so schön mit den Expat Kollegen Luigi und Kees feiern können.

Die Heimat ist fremd geworden. Und man ist der Heimat fremd geworden. Ist man hier eigentlich noch zuhause? Und wenn ja, für wie lange?

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Smørrebrød – das Sushi des Nordens

Smørrebrød - das Sushi des Nordens

Nein, ein banales Butterbrot ist Smørrebrød wirklich nicht. Zu Unrecht verwendet man den Begriff in Deutschland eher belustigt – römm, pömm. pömm, pömm, In Dänemark ist Smørrebrød nicht nur Nationalgericht, sondern eine regelrechte Kunstform. Und der Tat braucht Smørrebrød den Vergleich mit dem japanischen Sushi weder im Bezug auf die Vielfalt, noch auf die kunstvolle Präsentation zu scheuen. Basierend auf einer langen Tradition gibt es für die Kunst des dänischen Sandwich ein festes Regelwerk, das sich dem Expat, der zum Arbeiten in Dänemark weilt, oft erst nach Jahren erschließt.

Die Vielfalt der Eintönigkeit

 

In den vergangenen Jahren hat Dänemark kulinarisches Weltniveau erreicht. Die Ny Nordisk Küche ist nicht nur im noma, das seit Jahren als bestes Restaurant der Welt gilt, ein echtes Erlebnis. Traditionell hat die dänische Küche aber nicht viel zu bieten. Das läßt sich auch daran ablesen, dass Frikadellen – abhängig vom Schweine-/Rindfleisch-Mischverhältnis und von möglichen Panaden allerlei verschiedene Namen haben.

Der Smørrebrød Baukasten

Auch für die verschiedene belegte Brotkreationen gibt es Namen. Teilweise sind diese ähnlich phantasievoll wie die Gestaltung der Brote. Dabei sind die Grundzutaten immer die gleichen.

  • Roggenbrot
  • Butter
  • Wurst, Käse, Fleisch oder Fisch
  • frisches, eingewecktes oder geröstetes Gemüse
  • Eier
  • Pilze
  • Kräuter

Soweit so einfach. Um zweifelsfrei zu wissen, welche Kombination davon als Hofdame, Feuerwehrmann oder tierärztliches Abendmahl bezeichnet wird, muss man als Expat sicherlich einige Jahre in Dänemark leben.

Die wichtigsten Regeln

Ähnlich sieht es mit den zahlreichen, ungeschriebenen Regeln aus. Die wichtigsten kann (und muss) man sich allerdings schnell merken. Smørrebrød ist ein Mittagessen! Keinesfalls kommt eine zweite Brotscheibe als Deckel oben drauf! Smørrebrød wird immer mit Messer und Gabel gegessen – wer die Finger nimmt hat keine Kultur! Noch schlimmer ist es, Salami mit Majo statt mit Remoulade zu kombinieren! Warum? Ist halt so. Ein Bayer würde ja auch Weisswurst weder mit Dijonsenf noch nach 12 Uhr essen. Und ein Japaner würde niemals den Reis, sondern nur den Fisch in die Sojasoße tauchen.

Smørrebrød ist ein fester Bestandteil der dänischen Kultur. Und dementsprechend auch ein fester Bestandteil des Kulturschocks von Expats.

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Welcher Expat Typ bist du?

Expat Typen

Nach ein paar Stationen im Ausland erkennt man immer wieder die gleichen Expat Typen. Viele Expats passen irgendwie in dieses Raster. Das gilt auch für die Freunde und Bekannte, die man im Ausland kennenlernt. Der Jochen ist übrigens der klassische … . Und die Patrizia ist ganz klar ein … .

Der Glücksritter

Die Börsen im Sultanat Kometistan kennen nur eine Richtung: aufwärts. Kein Wunder, seine Bodenschätze sind begehrt, die Petro-Dollars sprudeln und der Bürgerkrieg ist auch seit fast 4 Monaten beendet. In der Hauptstadt gibt es jede Menge neureiche Oligarchensprösslinge. Der Glücksritter wittert seine Chance auf das große Geschäft, das schnelle Geld, den dicken Sportwagen. Seinen Job zuhause hat er sowieso gerade verloren. Zwölf Jahre später steht er immer noch kurz vor dem großen Durchbruch.

Der Feuerwehrmann

Wo immer es brennt, wird dieser Expat Typus von seinem Arbeitgeber eingesetzt. Die Umsätze in Südamerika brechen ein, die Qualität der Produktion in Asien lässt rapide nach, die neue Niederlassung kommt nicht in Fahrt – schon heißt es: „Koffer packen“. Nervenaufreibende 3 oder 6 Monate später, wenn das Problem behoben ist, geht es wieder zurück. Auf den Feuerwehrmann – respektive die Feuerwehrfrau – ist Verlass.

Der Lebenslauf-Tuner

Ein bisschen Auslandserfahrung im Lebenslauf macht sich immer gut. Besonders dann, wenn der Job-Titel, den man sich im Ausland auf die Visitenkarte schreiben darf, einigermaßen seniorig klingt. In der Zweigniederlassung in einem eher kleinen Markt wird man eben leichter Leiter von irgendwas als im Kernmarkt zuhause. Dort kann der Lebenslauf-Tuner aber behaupten, dass er den Job ja schon mal gemacht hat.

Der Aufseher

Die strategische Investition in das Joint Venture mit dem asiatischen Staatskonzert war eine der wichtigsten Weichenstellungen des vergangenen Jahrzehnts. Aber den geschätzten Vertragspartnern kann man natürlich nicht trauen. Schon gar nicht bei den Finanzen. Diese Schlüsselstelle wird mit untadeligen Europäern oder Amerikanern besetzt. Und ein paar andere noch dazu – nur für den Fall, dass einer der Aufseher den Verlockungen der lokalen Marktwirtschaft verfällt.

Der Exilant

War aber auch blöd gelaufen damals. Der kleine Kunstfehler. Die bescheuerte Szene auf dem alljährlichen Kongress. Die Fehlinvestition, über die sich die ganze Branche das Maul zerreißt. Der Ruf war ruiniert und die Karriere jäh beendet. Obwohl – einige Flugstunden entfernt gilt der Fachmann aus Deutschland als hochkompetent. Ist er ja auch. War halt blöd gelaufen damals.

Der Berufene

In der deutschen Niederlassung des internationalen Konzerns hat er mehrfach seine Ziele übererfüllt und wurde mit Awards überschüttet. Growth Hacking und Kundenfokus waren die Basis für seinen Erfolg. Genau so einen brauchte man in der Konzernzentrale. Dort verwaltet er jetzt seine Nische und liefert sich politische Kämpfe mit anderen Expat Typen, die in ihrem Heimatland auch überragende Leistungen gezeigt haben. Aber das war ja quasi in der Regionalliga und hier ist die Champions League.

Der Gestrandete

Verliebt bis über beide Ohren war er damals. So verliebt, dass er seinen gut bezahlten Job und die schicke Wohnung gekündigt hat und seiner großen Liebe hinterher reiste, als sie nach dem Auslandssemester in ihre Heimat zurückzog. Verrückt fand er das gar nicht. Es folgte ja auch die schönste Zeit seines Lebens. Schnell fand er einen Job in einem Hotel – mangels Sprachkenntnisse war nix anderes zu finden. Blöd halt, dass seine Angebetete nach 8 Monaten einen anderen hatte. Und dass der Job nicht genug für die Heimreise abwirft, ist auch nicht optimal.

 Der digitale Nomade

Seine App verkauft sich 2000 mal im Monat. Und seine 7 Affiliate Webseiten sorgen für ein kontinuierliches passives Einkommen. Für eine Wohnung in Hamburg reicht es zwar nicht. Aber da ist das Wetter eh beschissen. Das Café auf Bali bietet alles, was sein Arbeitsplatz haben muss: WLAN. Und der geniale Grafiker aus Korea ist auch fast jeden Tag da. Den wird er richtig vermissen, wenn es nächsten Monat weitergeht nach Kambodscha.

 

Und? Welcher dieser Expat Typen bist du?

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Startphase als Expat = erster Schritt zur Scheidung?

Boarding House

Ein Umzug ins Ausland hat nicht selten immensen Einfluss auf eine Partnerschaft. In der Regel hat nur ein Teil innerhalb einer Beziehung einen Job im Ausland. Der andere Lebens- oder Ehepartner „kommt mit“. Und das obwohl er oder sie vorher vielleicht selbst eine vielversprechende Karriere vor sich hatte. Recruiter stellen die Möglichkeit, dass auch der andere einen Job in der neuen Umgebung findet, schon mal deutlich zu optimistisch dar. Die Realität schaut aber oft anders aus.

Es ist mal wieder spät geworden im Büro. Wie in jedem neuen Job will Johannes beweisen, dass er den Job zurecht bekommen hat und beginnt schnellstmöglich einen Überblick über die Geschäftssituation zu bekommen. Als er nach 10 oder 11 Stunden voller Meetings und Telefonaten zurück ins Hotelzimmer kommt, in dem die beiden für die ersten paar Wochen wohnen, ist die Sonne schon eine Weile untergegangen. Müde. Genervt. Geschlaucht. Jetzt auf die Couch, die Füße hochlegen, vielleicht noch ein Bier und abschalten. Kyra begrüßt ihn mit den Worten: „Hi, wird aber Zeit, was machen wir jetzt?“ Sie hat sich den ganzen Tag im Hotelzimmer gelangweilt – die Sightseeing Touren hat sie alle schon in der ersten Woche hinter sich gebracht. Und jetzt muss sie noch die 20.000 Worte loswerden, die eine Frau pro Tag spricht. Für sie geht der Tag jetzt erst richtig los.

Gerade in den ersten Wochen baut sich schnell Frust auf. Das große Abenteuer weicht Stress auf der einen und Langeweile auf der anderen Seite. Eine echte Prüfung für so manche Beziehung.

Wie geht man damit um? Dafür gibt es kein Patentrezept. Es hilft jedoch, wenn man sich vorher der Situation bewusst ist. Regelmäßig gemeinsame Zeit einzuplanen, ist wichtig. Für manche Paare ist es eine Lösung, dass sich der freie Partner, erst nach einigen Wochen nachkommt, wenn es zumindest schon eine richtige Wohnung gibt. Allerdings verschiebt das manche Probleme nur und schafft andere Schwierigkeiten, beispielsweise beim Thema Steuern. Andere Paaren finden eine Aufgabe, um die sich der freie Partner kümmert: Wohnungssuche, Schulauswahl für die Kinder, Bankkonten und ähnliches. In manchen Ländern ist das – gerade für Frauen – jedoch gar nicht so einfach, was zu weiterem Frust führen kann.

Eine Aufgabe wird oft unterschätzt: Freunde finden. In Ländern mit vielen Expats gibt es regelrechte Infrastruktur für Neuankommende und solche, deren Freunde wieder in ihr Heimatland zurückgezogen sind: zum Beispiel Expat Clubs oder Coffee Mornings. In anderen Ländern wartet niemand auf die Neuankömmlinge. Bestenfalls gibt es New in Town Treffen oder eine Expat Community auf Facebook. Coffee Morning? Facebook? Klingt nach nettem Kaffeekränzchen und Zeit totschlagen. Tatsächlich ist es eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, ein neues soziales Umfeld aufzubauen. Eine, um die man sich nicht schnell genug kümmern kann. Eine, die große Wertschätzung verdient.

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Yalla Wiesn – Oktoberfest in Dubai

Yalla Wiesn - Oktoberfest in Dubai

16 Tage der Folter. 16 Tage voller Facebook-Posts voller Maßkrüge, Lederhosen und Wiesnhendln. Zum ersten Mal seit seinem Umzug nach Dubai bekommt der ehemalige Münchner so etwas wie Heimweh. Doch kurz nachdem  “Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk” und “Guter Mond” auf der Theresienwiese verklungen sind, sieht die Welt schon wieder besser aus. Die Deutsche Außenhandelskammer lädt zum Oktoberfest in Dubai.

„Ein Volksfest im  Garten des Grand Hyatt kann ja nix Gescheites sein“, denkt sich der Expat, der für einige Jahre zum Arbeiten in Dubai ist. Aber weil es eine Gelegenheit ist, mal wieder die Lederhose rauszuholen, geht er trotzdem hin. Und ist überrascht, dass er schon in der Hotellobby auf zahlreiche andere Gäste in Lederhosn oder Dirndl trifft. Naja – sowas ähnliches zumindest. Im Trend liegen Dirndl aus indischem Sari Stoff, die man sich in Satwa für kleines Geld maßschneidern lassen kann. Geschmackssache. Das klimatisierte Zelt ist jedenfalls besser gefüllt als jede Wiesnmaß. Und die philippinischen Keller kommen ordentlich ins Schwitzen, wenn sie bis zu 4 (!) Masskrüge gleichzeitig an die Tische tragen.

Ozapft is – mit Rückruf

Auf der Bühne ergreift ein Mitfünfziger „Typ: verwirrter Professor“ das Mikrofon und eröffnet das Oktoberfest in Dubai feierlich – mehr oder weniger feierlich. Der Englischlehrer des Vorsitzenden der Außenhandelskammer muss der gleiche sein wie der von Günther Oettinger. Seine englische Erklärung, dass er jetzt einige Worte auf arabisch sagen werde, obwohl wegen des Charakters der Veranstaltung kaum Araber anwesend sind, lässt sich an Skurrilität kaum überbieten. Es ist offensichtlich, dass er sich auf Arabisch wesentlich wohler fühlt.

Dann kündigt er verheißungsvoll an, dass gleich noch ein „Ao zuopfft iß“ folge. Er will damit vermutlich ausdrücken, dass in näherer Zukunft jemand verkünden werde, dass das Bier angezapft sei. Unter Trommelwirbel wird ein Holzfass auf die Bühne gebracht. Der Niederlassungsleiter des Hauptsponsors VW will gerade zum ersten Schlag ansetzen, als man bemerkt, dass eine Gummidichtung am Zapfhahn fehlt. Nach kurzer Zeit wird verlautbart, dass das feierliche Anzapfen „aus technischen Gründen“ abgesagt werden muss. Der VW-Mensch ruft trotzdem „Ozapft is“ und eröffnet das Büffet.

Ein Prosit der Wahnwitzigkeit

Ja, das Büffet. Mit Spanferkel, Semmel(n)knödeln, Schupfnudeln, Käsespätzle, Sauerkraut, Leberkäs, Weisswürsten, frischen Brezen – um nur einige der Schmankerln zu nennen. Obwohl, die Desserts sollte man doch erwähnen: Apfelstrudel mit Vanillesoße, Kaiserschmaren, Schwarzwälder Kirschtorte, und so weiter und so fort. Der Eintrittspreis von 270 Dirham ist also gar nicht so übertrieben. Man wirft die Marketingmaterialien der Voith Gruppe unter den Tisch, um Platz für vollgepackte Teller zu machen.

Inzwischen spielen die Kirchdorfer, also die Kapelle aus dem Hacker-Pschorr Zelt, gediegene Volksmusik. Regine Weisshäuptl wäre begeistert. Doch kurz nachdem die Kellner die leeren Teller abgeräumt haben, zeigt die Band, dass sie nicht ohne Grund eingeflogen wurde. Yakety Sax verwandelt das träge Publikum binnen weniger Takte komplett in einen dampfende Partymeute. Auch das anfängliche Fremdschämen über die rasch einsetzenden Polonaisen verfliegt schnell.  Eine halbe Maß später macht man selbst mit.

Die tönerne Zierflasche mit Doppelaroma-Schnupftabak wird aus der Lederhosn geholt und zirkuliert. Das siebte Prosit der Gemütlichkeit veranlasst die Bestellung einer dritten Maß für 100 Dirham – schlappe 25 Euro. Aber scheiß drauf, Wiesn is nur einmal im Jahr. Und das Leben in Dubai soll ja einigermaßen angenehm sein. Als die Bierbank am Nachbartisch kollabiert gibt es allerdings Ärger. Aber nicht für die Gäste – sondern für die Security. Denn die braucht zu lange, um eine neue zu bringen. Viel zu schnell geht der Abend zu Ende. Die (nüchterne) Ehefrau lässt sich vom Vallet das Auto bringen und ab geht es nach Hause.

Auch wenn es an Blasphemie grenzt: der ehemalige Münchner hat auf dem Oktoberfest in Dubai mehr Spaß als auf der Wiesn daheim. Nur zwei Dinge fehlen ihm: das Teufelsrad und ein Zaubertheater bei dem es alle halbe Stunde heißt: „Yalla beim Schichtl„.

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Jobwechsel ins Ausland – Karriere-Turbo oder Karriere-Killer?

Job im Ausland - Karriere-Turbo oder Karriere-Killer

Viele Expats entscheiden sich für den Weg in ein anderes Land, weil sich hoffen, im Ausland Karriere zu machen bzw. ihre Karriere zu beschleunigen. Auslandserfahrung im Lebenslauf macht sich schließlich immer gut. In kleineren Ländern kann man leichter an Führungspositionen kommen oder Teil des Top Managements des Landes werden. Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht.

Zuhause wartet keiner auf dich

„Viel Erfolg in Dubai. Eins sag ich dir aber: hier wartet keiner auf dich.“  Wie ein Schlag in die Magengrube fühlt sich die Reaktion meines Kollegen in der Personalabteilung an. Gerade habe ich ihn informiert, dass ich innerhalb des Konzerns in eine andere Niederlassung wechseln werde . Inzwischen muss ich allerdings sagen: ein sehr guter Ratschlag. Es ist wichtig, nicht vergessen zu werden. Man muss sein Netzwerk zuhause aktiv pflegen.

Es ist nicht einfach, zuhause wieder einen guten Job zu finden, schon gar nicht bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die eigene Stelle wird neu besetzt. Eine adäquate Führungsposition ist gerade nicht frei, wenn man zurück will. Die Rückkehr muss von langer Hand geplant werden. Doch auch das hilft manchmal nicht. Eine befreundete Personalleiterin hat mir folgendes anvertraut: „Wir wissen bei Entsendungen oft schon von Anfang an, dass wir den Kollegen kündigen, wenn er zurückkommen will.“ Oft hilft dann nur: Unternehmenswechsel oder weiterziehen zur nächsten Expat-Station. Nicht zuletzt deshalb kursiert unter Expats die Einsicht: Im Ausland ein Fürstchen, zuhause ein Würstchen.

Soweit, so pessimistisch. Fakt ist aber, dass die Erfahrung, die man als Expat sammelt, außerordentlich wertvoll sein kann. Das gilt sowohl für die Karriere als auch für andere Bereiche. Man sollte allerdings offen sein für Brüche und nicht-lineare Veränderungen wie:

  • Wechsel in ein anderes Unternehmen
  • Weitere Stationen im Ausland
  • Kompletter Verzicht auf eine Rückkehr ins Heimatland
  • Side Steps oder Rückkehr in eine niedrigere Position und Vertrauen auf eine schnelle Weiterentwicklung durch die gesammelte Erfahrung

Auslandserfahrung wird bei der Besetzung von Führungspositionen in vielen Branchen quasi vorausgesetzt. Sie ist allerdings keine Garantie für einen schnellen Aufstieg in Führungspositionen bzw. die Vorstandsebene.

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Was haben Dubai und Daisytown gemeinsam?

Daisytown Dubai

Polternd rollt der Planwagen durch die staubige Straße. Es ist die einzige Straße in dieser Stadt. An ihrem Ende verschwindet die rote Sonne hinter dem Horizont. Der Fahrer zieht an den Zügeln, springt vom Kutschbock und bindet die Pferde an der Tränke an.  Er ruft eine kurze Anweisung in das Innere des Wagens: „Wartet“. Kurz darauf geht er in den Saloon, fragt nach einer Unterkunft und wo man ein Wagenrad reparieren kann. Für die nächsten Tage ist Daisytown das Zuhause seiner Familie. Im Saloon, der Kirche und beim Barbier finden sie schnell Freunde. Dann geht es weiter westwärts. Am Ende einer Tagesreise wartet einen neue staubige kleine Stadt auf sie.

Expats bleiben zwar länger als ein paar Tage in ihren Metropolen. Im Durchschnitt sind es ca. 3 Jahre. Trotzdem müssen sie sich ständig ein neues soziales Umfeld suchen. Kaum hat man Freunde gefunden, ist deren Entsendung zu Ende und sie ziehen zurück nach Deutschland oder weiter zur nächsten Expat-Station.

Das Gute ist, dass es in Städten mit vielen Expats (wie Singapur oder Dubai) eine regelrechte Infrastruktur für den Aufbau und die Erneuerung eines Freundeskreises gibt: Coffee Mornings der deutschen Community, den German Emirats Club oder deutsche Kirchengemeinden, die auch für weniger Gläubige offen sind.

Ein bisschen offen dafür, Fremde anzusprechen bzw. sich ansprechen zu lassen, muss man trotzdem sein.

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Mit der Lizenz zum Trinken

Alkohol Lizenz

Meine britische Kollegin ist entsetzt. „Wie? Du bist jetzt schon fast eine Woche hier und HR hat den Antrag für die Alkohol Lizenz noch immer nicht unterschrieben? Im Ernst jetzt? Die spinnen doch! Ich geb‘ dir mal die Nummer vom Schwarzmarkt-Johnny“.

Chef, ich brauch ’nen Drink

Ja, richtig gelesen: die Personalabteilung muss unterschreiben, dass man Alkohol trinken darf – zumindest, wenn man als Expat in Dubai lebt. Wie bei vielen Dingen – beispielsweise Führerschein oder Bankkonto – braucht man für die Alkohol Lizenz die Zustimmung seines Visa Sponsors. Und das ist nun mal in den meisten Fällen die Firma, für die man arbeitet. Kaum angekommen geht man also zur Personalabteilung und gibt den Kollegen dort zu verstehen, dass man unbedingt an Alkohol kaufen möchte. Selbstverständlich muss man noch mehrfach nachhaken und klarstellen, dass der Durst langsam unerträglich wird.

Alkohol einkaufen in Dubai

Für Muslime ist Alkohol streng verboten. Das „Einkaufserlebnis“ ist entsprechend abenteuerlich. Es gibt zwei Liquer-Store Ketten: „mmv“ und „african+eastern“. Ihre Geschäfte sind gut versteckt und meist nur über die Parkhäuser von Malls zugänglich. Die Eingangstüren lassen vermuten, dass man dahinter eher die Werkzeuge des Hausmeisters oder Feuerwehrausrüstung befinden. Es gibt keine Fenster, keine Logos, keine Werbung. Die Läden haben etwas Verruchtes, das zuhause eher Etablissements im Rotlichtviertel haben.

Im neonbeleuchteten Inneren gibt es auch ca. 100 Quadratmetern dann allerdings eine ganz ordentliche Auswahl. Vom niederländischen Dosenbier bis zum edlen Champagner gibt es praktisch alles, was geneigte Trinker sich wünscht: Beefeater aus England, Smirnoff aus Russland, Cobra Bier aus Indien, Sherry aus Jerez, Arogoshi aus Japan, Zacapa aus Guatemala, Sauvignon Blanc aus South Africa. Und Weissbier aus München.

Sechs Flaschen Paulaner kosten ungefähr 15 Euro – plus 30% Steuer. Auf der Karte, die man bei jedem Einkauf vorlegen muss, ist ein Spend-Limit hinterlegt. Maximal 5% des eigenen Einkommens darf man pro Monat für Alkohol ausgeben.  Für eine größere Party muss man eventuell schon mal ein bisschen Bunkern.