Arbeiten in Dänemark – Hygge am Arbeitsplatz?

Last modified date

Arbeiten in Dänemark

Wer schon einmal seinen Sommerurlaub in Dänemark verbracht hat, wird den Gedanken nicht los, wie es wäre in Dänemark zu arbeiten. Gut gelaunte Menschen, ein starkes Sozialsystem und familienfreundliche Unternehmen machen das Arbeiten in Dänemark attraktiv. Knapp die Hälfte der Dänen leben und arbeiten in Kopenhagen. Arbeiten in Dänemark ist oft gleichbedeutend mit arbeiten in Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt ist schlicht traumhaft schön. Doch Vorsicht: ein Urlaub in Jütland hat wenig mit dem Arbeitsleben in Kopenhagen zu tun. Und nicht alle Gerüchte über das Arbeitsleben in Dänemark sind wahr.

Voraussetzungen für das Arbeiten in Dänemark

Dänemark ist Mitglied der Europäischen Union und des Schengen-Raums. Dementsprechend greift die Freizügigkeit innerhalb der EU. Deutsche und Österreicher brauchen also keine Arbeitserlaubnis, um in Dänemark zu arbeiten. Dennoch ist eine EU-Aufenthaltsbescheinigung erforderlich, wenn der Aufenthalt in Dänemark mehr als 3 Monate dauert. Diese erhält man ohne größere Probleme in der Verwaltung der Kommune, in der man wohnt.

CPR-Nummer und NemID

Der dänische Staat führt ein zentrales Personen Register (Centrale Person Register, kurz CPR). Jeder Einwohner erhält eine Nummer, ähnlich der Social Security Number in den USA. Die Nummer besteht aus dem sechsstelligen Geburtsdatum (TTMMJJ), einem Bindestrich und einer vierstelligen laufenden Nummer. An der letzten Zahl kann man erkennen, ob die Person männlich oder weiblich ist. Eine gerade Zahl bedeutet Frau, eine ungerade Zahl bedeutet Mann.

Ohne diese CPR Nummer geht gar nichts. Arbeiten in Dänemark, dänisches Bankkonto, Arztbesuche, Pensionskasse – alles erfordert eine CPR Nummer. Auf Basis der CPR Nummer erhält man auch eine NemID. Diese „einfache ID“ wir für nahezu jeden online Login in Dänemark benötigt – von der Steuererklärung, über Formuare bei Behörden, dem universellen online Postfach e-Boks bis zum Online-Banking. Als Username dient die CPR Nummer. Zusätzlich erhält man eine Karte mit TANs. Die NemID wird in der Regel in Verbindung mit einem Bankkonto beantragt.

Einkommen + Steuern

Das Gehaltsniveau in Dänemark liegt mit durchschnittlich ca. 4800 Euro pro Monat bzw 500.000 Kronen pro Jahr brutto deutlich über dem deutschen Gehaltsniveau, das bei vergleichsweise niedrigen 3500 Euro im Monat liegt. In manchen Jobs können Expats in Dänemark also durchaus zum Einkommensmillionär (in dänischen Kronen) werden. Allerdings geht ein großer Teil des Einkommens direkt an die Steuerbehörde SKAT. Die Steuerlast besteht aus nationaler Steuer, Kommunalsteuer und Gesundheitsbeitrag. Bei Mitglieder der evangelisch-lutherischen dänischen Landeskirche wird auch eine Kirchensteuer erhoben. Der Spitzensteuersatz von 55% ist schon ab einem Jahreseinkommen 459.200 Kronen – also unterhalb des dänischen Durchschnittseinkommens – fällig. Hinzu kommen 8% Arbeitsmarktabgabe. Schlimmstenfalls geht also deutlich mehr als 60% des Gehaltsschecks direkt an den Staat. Es ist also nicht verwunderlich, dass in dänischen Familien meist beide Partner einen Vollzeitjob haben.

Um für ausländische Führungskräfte und Wissenschaftler nicht völlig unattraktiv zu sein, gibt es ein für diese Gruppe ein spezielles Steuermodel. Sofern eine Reihe von Bedingunen – wie ein relativ hohes Einkommen – erfüllt werden, zahlt man beim sogenannten „Professoren-Schema“ man nur 27% Steuern + 8% Arbeitsmarktabgabe. Dafür sind keinerlei Abschreibungen möglich.

Unabhängig vom Steuermodel empfiehlt es sich, in eine Pensionskasse einzuzahlen. Vom hohen Bruttoeinkommen bleibt also netto wenig übrig.

Lebenshaltungskosten

Dem verbleibenden Nettoeinkommen stehen hohe Lebenshaltungskosten gegenüber. Arbeiten in Dänemark muss man sich erst einmal leisten können. Dänen kaufen sich ihre Wohnungen oft in jungem Alter. Dadurch ist die Eigentumsquote hoch und der Mietmarkt klein. Das treibt die Mieten in die Höhe. Im Vergleich zu Kopenhagen und Umgebung sind Mietwohnungen in München eher günstig.

Auch Lebensmittel und Produkte des täglichen Gebrauchs sind deutlich teurer als in Deutschland. Das liegt nicht zuletzt an der Mehrwertsteuer von 25%, die auf alle Produkte erhoben wird. Einen vergünstigten Mehrwertsteuersatz gibt es nicht. Alkohol ist wie in allen skandinavischen Ländern fast schon schmerzhaft teuer.

Die Kosten für Dienstleistungen sind oft exorbitant hoch. Ein Haarschnitt für Herren kann leicht umgerechnet 80 Euro kosten – und das nicht bei einem Star-Stylisten sondern bei einem bodenständigen Friseurhandwerker. Wie überall liegen die Preise für Damenhaarschnitte noch einmal deutlich höher.

So mancher Dänemark Expat fährt regelmäßig am Wochenende über die deutsche Grenze, lässt sich günstig die Haare schneiden und packt sich das Auto bis unters Dach voll mit Einkäufen. Auf der Autobahn kann man dann so manches Fahrzeug sehen, das bis zum zulässigen Gesamtgewicht mit Bierdosen beladen ist.

Auto oder Firmenwagen – purer Luxus

Für diese Tyskland-Touren benötigt man natürlich ein Auto. Anders als in Deutschland ist der Besitz eines Autos – insbesondere in Kopenhagen – keineswegs Standard. Kopenhagener fahren lieber Fahrrad – egal bei welchem Wetter. Und wenn man schon ein größeres Fahrzeug anschafft, dann vielleicht eher ein Boot als ein Auto.

Im Zweifel ist ein Boot auch günstiger als ein Auto. Denn bei der Erstanmeldung eines Autos schlägt SKAT wieder erbarmungslos zu. Auf die ersten 82.800 DKK – gerade einmal etwas mehr als 11.000 Euro – des Listenpreises erhebt der Fiskus 105% Steuer. Für jede Krone, die der Listenpreis über dieser Marke liegt, werden 150% Luxussteuer kassiert. Importiert man einen Geprauchtwagen nach Dänemark, fallen diese Steuern auf den Wiederverkaufswert an (Siehe auch: Nehme ich mein Auto mit ins Ausland?). Kauft man einen Gebrauchtwagen in Dänemark, dann ist die bereits bezahlte Registrierungsgebühr Teil des Wertes des Wagens. Entsprechend hoch ist der Preis.

Bei Firmenwagen werden 25% des Listenpreises pro Jahr (bzw. 2,08% pro Monat) als geldwerter Vorteil und damit zu versteuerndes Einkommen gewertet. Darauf wird dann der reguläre Steuersatz angewendet, selbst wenn man das „Professoren-Schema“ nutzt.

Sozialversicherungen

Krankenversicherungsbeiträge werden in Dänemark als Steuer bezahlt. Die Versicherung deckt ärztliche Untersuchungen und Behandlungen ab. Medikamente muss man mit wenigen Ausnahmen selbst zahlen. Es gibt zwar private Zusatzversicherungen. Allerdings sorgen diese in der Regel nur dafür, dass man schneller einen Termin beim Arzt bekommt. Das Leistungsspektrum erweitert sich durch eine Privatversicherung kaum.

Eine weitere Säule des dänischen Sozialversicherungssystems sind Pensionskassen. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer leisten Beiträge. Oft zahlen Firmen 8% des Lohns in eine Pensionskasse, wenn man selbst 4% einzahlt. Die eigenen Beiträge werden aus dem bereits versteuerten Einkommen geleistet. Dafür wird die Rente dann steuerfrei ausgezahlt. Expats haben hier eine Wahlmöglichkeit, wenn davon auszugehen ist, dass man nur vorübergehend in Dänemark lebt und arbeitet. Man zahlt die Beiträge aus dem unversteuerten Einkommen. Das angesparte Geld erhält man dann als Ganzes ausgezahlt, wenn man Dänemark verlässt. Allerdings muss die Gesamtsumme dann versteuert werden. Diese Expat-Variante wird als „nicht genehmigter Plan“ bezeichnet.

Urlaubs- und Feiertage

Arbeitnehmern in Dänemark stehen in der Regel mindestens 25 Urlaubstage zur Verfügung. In dänischen Arbeitsverträgen steht oft lapidar „Der Anspruch auf Urlaubstage wird vom Urlaubsabspruchsgesetz geregelt“. Dahinter verbirgt sich allerdings eine kleine Falle für Expats. Denn die Zahl der Urlaubstage im Vertrag regelt zunächst einmal nur eine Anzahl unbezahlter Urlaubstage. Und die Bezahlung während der Urlaubszeit muss man sich erst erarbeiten.

Das funktioniert folgendermaßen: Arbeitgeber zahlen zusätzlich zum Lohn bzw. Gehalt 12,5% auf ein „Ferienkonto“ ein. Aus diesem Ferienkonto wird die Bezahlung während des Urlaubs im folgenden Jahr finanziert – egal ob beim gleichen oder einem anderen Arbeitgeber. Das Problem dabei: Im ersten Jahr des Arbeitens in Dänemark ist das Ferienkonto leer. Man darf zwar die festgelegte Anzahl von Tagen freinehmen, wird aber in dieser Zeit nicht bezahlt. Angesichts der hohen Lebenshaltungskosten und Steuern, bleibt einem fast nichts übrig, als das erste Jahr ohne Urlaub durchzuarbeiten. Vorteil für Expats: verlässt man Dänemark wieder, erhält man die angesparte Summe vom Ferienkonto ausgezahlt.

Gesetzliche Feiertage sind natürlich im ersten Jahr frei. Die Liste der Feiertage umfasst:

  • Neujahr
  • Gründonnerstag + Karfreitag
  • Ostersonntag + Ostermontag
  • Buß- und Bettag
  • Christi Himmelfahrt
  • Pfingstsonntag + Pfingstmontag
  • 1. + 2. Weihnachtsfeiertag

Arbeitszeit

Dänemarks Reputation als familienfreundliches Land trifft im Bezug auf die Arbeitszeit voll und ganz zu. Die Regelarbeitszeit beträgt durchschnittlich 37 Wochenstunden. In der Praxis ist nahezu jeder ab 8:30 Uhr im Büro. Spätestens um 16:30 Uhr wird der Heimweg angetreten. Zeit für die Familie ist in Dänemark heilig – egal was im Job noch zu tun wäre. Dafür wird während der Arbeitszeit umso konzentrierter gearbeitet.

Arbeitskultur – Hygge am Arbeitsplatz

Kulturschocks können auch bei kleinen Unterschieden zur eigenen Kultur auftreten. Je kleiner die Unterschiede, desto schwieriger kann es sein, den Kulturschock zu überwinden (siehe auch: Kultursimulation Barnga). Am dänischen Arbeitsplatz fällt nimmt der Kulturschock für Deutsche allerdings beträchliche Ausmaße an. Zu deutlich sind die Unterschiede in der Arbeitskultur.

Dänen sind sehr konsensorientiert – böse Zungen sagen: „konfliktscheu“. Beim Arbeiten in Dänemark äußert sich das in Form einer geringen Entscheidungsfreudigkeit der dänischen Führungskräften. Jeder vermeintlich unbedeutende Beteiligte wird zu seiner Meinung befragt. Aus der Menge der Einzelmeinungen bildet sich ein kleinster gemeinsamer Nenner. Das liegt auch am dänischen Konzept der Gleichheit. Jedem wird – unabhängig von Hierarchiestufen – der gleiche Wert beigemessen. „Flache Hierarchien“ werden in Dänemark auf eine ganz eigene Art und Weise gelebt. Positiv ausgedrückt: es wird mehr miteinander statt gegeneinander gearbeitet. (Siehe auch: Hygge im Büro)

Gleichberechtigung

In skandinavischen Ländern gehört die Gleichberechtigung zu den wichtigsten Werten der Gesellschaft – und das nicht nur auf dem Papier. So auch in Dänemark. Weibliche Führungskräfte sind die Norm, keine Ausnahme. Das gilt auch für die oberste Führungsebene. Umgekehrt gilt das auch für die Aufgabenteilung innerhalb von Familien. Während man als Mann in Deutschland schräge Blicke ernten würde, wenn man früher das Büro verlässt, weil man sich um die Kinder kümmern muss, ist das in Dänemark absolut normal. Ein weiterer relevanter Punkt im Bezug auf die Gleichberechtigung ist die Tatsache, dass in der Regel beide Ehepartner berufstätig sind. Wegen der Steuern ist das in den meisten Fällen finanziell auch notwendig.

Internationalität

Als vergleichsweise kleines Land mit hohem Ausbildungsstandard ist Dänemark kaum auf Expats angewiesen. Zumal durch eine starke Umverteilung auch niedrig qualifizierte Jobs für Einheimische attraktiv sind. Der Ausländeranteil liegt mit 8,1% deutlich unter dem deutschen Wert (11,3%). Zwar gibt es Branchen mit starkem internationalen Einfluss. Zwischen den skandinavischen Ländern findet ein gewisser Austausch statt. Und auch aus dem Baltikum gibt es Migrationsbewegungen.  Dennoch ist Dänemark weniger international als andere westeuropäische Länder. Das liegt auch daran, dass sich das relativ kleine Land nicht für jeden Expat mit Karriereambitionen gleichermaßen eignet (siehe auch: Jobwechsel ins Ausland – Karriere Turbo oder Karriere Killer).

Die dänische Sprache ist zwar nicht ganz leicht. Trotzdem stellt die Spache für Expats nur selten ein Hindernis dar. Zum einen hat jeder Ausländer, der in Dänemark lebt, Anspruch auf bis zu 3 Jahre kostenlosen Dänischunterricht. Zum anderen sprechen fast alle Dänen sehr gut englisch. Grund dafür: wegen der kleinen Bevölkerungszahl werden Hollywood Filme und amerikanische Serien nicht synchronisiert und die meisten englischsprachigen Bücher nicht ins Dänische übersetzt. Dänen wachsen also mit Englisch als Zweitsprache auf.

In den vergangenen Jahren hat sich die dänische Politik stark nach rechts bewegt. 2015 wurde die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmitt von einem rechtsgerichteten Bündnis um ihren Nachfolger Lars Løkke Rasmussen abgelöst. Stärkste Partei bei der Wahl wurde die Danske Folkeparti, die nur deshalb nicht den neuen Ministerpräsidenten stellte, weil sie selbst zahlreichen Koalitionären zu weit rechts im politischen Spektrum angesiedelt ist. Dänemark ist bei weitem nicht so weltoffen, wie sein Ruf.

Arbeiten in Dänemark – jenseits der Klischees

Das verbreitete Bild vom weltoffenen, familienfreundlichen Land mit glücklichen, gutaussehenden Menschen und hohem Lebensstandard ist sicherlich etwas verkürzt, respektive naiv, Es ist aber auch nicht komplett falsch. Wie attraktiv es ist, in Dänemark zu leben und zu arbeiten, hängt stark von den eigenen Zielen und der eigenen Persönlichkeit ab.

Expat in Los Angeles, Dubai und Kopenhagen.

Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Post comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.