Entsendung oder lokale Anstellung im Ausland?

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Entsendung oder lokaler Vertrag

Grundsätzlich gibt es 2 Varianten, wie man im Ausland angestellt sein kann. Entweder man unterzeichnet einen Vertrag mit einem Arbeitgeber im Ausland. Oder man wird von einem deutschen Arbeitgeber ins Ausland entsandt. Die Frage, ob man per Entsendung oder lokaler Anstellung im Ausland arbeitet, hat gravierenden Einfluss auf Leistungen des Arbeitgebers, Sozialversicherungen und Steuern.

Entsendung

Entsendungen sind insbesondere von deutschen Konzern-Hauptquartieren in deren Tochtergesellschaften im Ausland üblich. Bei einer Entsendung bleibt der Vertrag mit dem deutschen Arbeitgeber bestehen. Je nach Arbeitgeber erhält man einen Entsendungsvertrag und der deutsche Vertrag ruht oder der Vertrag bleibt in Kraft und wird ergänzt. Die Betriebsstätte wird ins Ausland verlegt, das Gehalt angepasst und mögliche Gehaltszusatzleistungen festgelegt. Diese können zum Beispiel folgende Punkte enthalten:

  • Zusätzliche Vergütung.
  • Ausgleichszahlungen vor dem Hintergrund unterschiedlicher Steuersysteme.
  • Heimflüge für den Arbeitnehmer und dessen Familie.
  • Übernahme von Mietkosten durch die Firma oder alternativ Zahlung einer Wohnungspauschale.
  • Regelungen zu einem Firmenfahrzeug im Ausland, je nach Land ggf. auch inklusive Fahrer.
  • Fortführung von Sozialversicherungen und Einzahlungen ins deutsche Rentensystem auf Firmenkosten.
  • Internationale Krankenversicherung während der Zeit im Ausland.
  • Weiterbildungsbudget für Ehepartner.

Da der eigentliche Vertrag fortbesteht ändert sich nichts an Aspekten wie:

  • Firmenzugehörigkeit.
  • Urlaubstagen (obwohl das in der Zusatzvereinbarung auch anders geregelt werden kann.)
  • Kündigungsfristen.

Meistens ist die Entsendung auf einen festen Zeitraum wie 3 Jahre begrenzt. Manchmal gibt es die Option auf eine Verlängerung. Danach kehrt man an seine ursprüngliche Betriebsstätte zurück und läuft der Vertrag ganz normal weiter. Doch Vorsicht: dann ist eventuell keine passende Stelle frei (siehe auch; Karriere-Turbo oder Karriere-Killer?)

Lokale Anstellung im Ausland

Im Gegensatz zur Entsendung kündigt man bei einer lokalen Anstellung seinen deutschen Vertrag und unterschreibt einen neuen im Ausland. Dabei kann man durchaus im gleichen Konzern bleiben. Zum Beispiel dann, wenn man von der deutschen Tochtergesellschaft eines ausländischen Konzerns in eine andere Landesniederlassung oder die Konzernzentrale wechselt. Eine Entsendung von einem Satelliten zum anderen ist meistens schlicht nicht vorgesehen.

Vertragsinhalte richten sich beim lokalen Vertrag danach, was im Zielland üblich ist. Insbesondere beim Jahresurlaub gibt es hier große Unterschiede. Mit durchschnittlich 28 Urlaubstagen pro Jahr sind wir in Deutschland ja verhältnismäßig gut ausgestattet. In anderen Ländern sind weniger als 20 Tage keine Seltenheit. Gehaltszusatzleistungen, wie oben beschrieben, sind eher eine Seltenheit. Es sei denn, dass sie marktüblich sind. Beispielsweise steht in den Vereinigten Arabischen Emiraten jedem Expat ein Heimflug pro Jahr auf Kosten des Arbeitgebers zu.

Wesentliche Unterschiede

Mit lokalem Vertrag gibt es kein Rückkehrrecht zu seinem Arbeitgeber in Deutschland – außer man regelt das in einem separaten Vertrag. Genauso gibt es keine begrenzte Vertragslaufzeit, sofern man das nicht als Klausel im Vertrag festlegt oder die Aufenthaltsgenehmigung irgendwann abläuft. Natürlich sind Vertragsinhalte auch im Ausland Verhandlungssache.

Ein wesentlicher Unterschied zur Entsendung ist die Tatsache, dass man die deutschen Sozialsysteme verlässt. Während der Zeit im Ausland zahlt der Arbeitgeber nichts in die deutsche Arbeitslosengeld-, Renten-, Pflege- oder gesetzliche Krankenversicherung ein. Die Beiträge komplett selbst zu zahlen, ist nur teilweise möglich bzw. sehr teuer. Je nach Sozialsystem im Land, in dem man arbeitet, baut man Ansprüche dort auf. Auch wenn wir über unsere Sozialversicherungen gerne schimpfen – in vielen Ländern sind die entsprechenden Systeme wesentlich schwächer bzw. nicht existent. Man sollte sich also vorher genau informieren, worauf man sich einlässt und gegebenenfalls privat vorsorgen.

Je nach Doppelbesteuerungsabkommen wird man durch den lokalen Vertrag für den deutschen Fiskus zum Steuerausländer sofern eine Reihe von Bedingungen erfüllt sind:

  • kein regelmäßiger Aufenthalt in Deutschland
  • kein weiteres Einkommen in Deutschland (zB durch Mieteinnahmen)
  • kein Wohneigentum in Deutschland.

Details sollte man unbedingt mit einem Steuerberater abklären.

Expat in Los Angeles, Dubai und Kopenhagen.

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