Frauenrechte in Dubai und Abu Dhabi

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Frauenrechte in Dubai und Abu Dhabi

Eine der wichtigsten Fragen, die angehende VAE Expats stellen lautet: „Wie sieht es mit den Frauenrechten in Dubai? Unterscheiden sich Frauenrechte in Dubai und in Abu Dhabi?“ Zunächst denkt man dabei an das alltägliche Leben der Frau. Darf ich Autofahren? Muss ich Burka, Nikab, Tschador, Hijab oder sonst irgendeinen Schleier tragen? Darf ich mich alleine frei bewegen? Darf ich als Frau in Dubai arbeiten? Wer sich mit dem Thema etwas tiefergehend befasst, denkt auch an nicht alltägliche Situationen wie eine Scheidung oder ein Todesfall.

Absolutistischer Staat

Zunächst ist es – für Frauen und Männer – wichtig zu verstehen, dass das Rechtssystem der Vereinigten Arabischen Emirate nicht mit europäischen Rechtssystemen zu vergleichen ist. Die Basis ist schlicht eine andere: auf der einen Seite muslimische Traditionen und die Sharia auf der anderen Seite christlich-abendländischen Tradition. Hinzu kommt, dass der Scheich an der Spitze des Staates ein absolutistischer Herrscher ist. Einer der Titel, die er trägt ist „Ruler“. Er ist also derjenige, der die Regeln macht – und zwar weitestgehend nach Gutdünken und gelegentlich auch rückwirkend. Die VAE sind keine Demokratie.

Jedes Emirat hat seinen eigenen Scheich bzw. Emir. Dadurch gibt es auch rechtliche Unterschiede zwischen den Emiraten. Hinzu kommt, dass Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern unterschiedlich behandelt werden. Vor dem Gesetz sind nicht alle gleich. Diese Ungleichbehandlung geht leider oft zu Lasten von Frauen aus Ländern, die wirtschaftlich weniger entwickelt sind. Die folgenden Beobachtungen zu Frauenrechten in Dubai und Abu Dhabi gelten dementsprechend leider nur für Europäerinnen und Amerikanerinnen.

Frauenrechte im Alltag

Im Alltag gibt es für Expat-Frauen kaum Einschränkungen der Frauenrechte in Dubai und Abu Dhabi. Man muss keinen Schleier tragen. Frauen dürfen Auto fahren, sofern ihr Sponsor zustimmt. Und ihre Bewegungsfreiheit ist auch in keiner Weise eingeschränkt. Insofern wirken Dubai und Abu Dhabi wie westliche Städte – insbesondere in den Wohnvierteln, in denen man vorwiegend auf Expats trifft. Wobei Dubai etwas liberaler ist als Abu Dhabi. Manche Expats sagen sogar, dass Dubai das bessere London sei.

In Geschäften und Behörden werden Frauen sehr freundliche behandelt. Oft gibt es eigene Schalter und Schlangen für Frauen. Die Wartezeit dort ist in der Regel kürzer als für Männer.

Allerdings ist es nicht so, dass es gar keine Einschränkungen gibt – und zwar für Frauen und Männern. Jeder öffentliche Ausdruck von Zuneigung ist verboten. Küssen in der Öffentlichkeit ist also nicht gestattet.Theoretisch gilt das auch für Händchenhalten. Allerdings wird das aktuell gedultet.

Auch eine angemessene Kleidung wird erwartet. Schultern und Knie sollten bedeckt sein. Allerdings sieht man immer wieder Touristen, die sich nicht an diese Regel halten und mit äußerst knapper Badebekleidung nur das nötigste verdecken. So bekleidet würde ein vernünftiger Mensch aber auch nicht durch Berlin oder London laufen.

Sponsorensystem

Viele Freiheiten hängen in den VAE von der Zustimmung des Sponsors ab – das gilt sowohl für Frauen als auch für Männer. Egal ob Führerschein oder Alkohollizenz – ohne schriftliche Einverständniserklärung des Sponsors läuft nichts. Das  „Familienoberhaupt“ wird vom Arbeitgeber bzw. der Free Zone gesponsert. Das Familienoberhaupt wiederum sponsort dann weitere Familienmitglieder. Voraussetzung ist eine beglaubigte Eheurkunde bzw. Geburtsurkunden für die Kinder. Statistisch gesehen ist der Normalfall, dass der Mann zum Arbeiten in Dubai bei einem Unternehmen angestellt ist. Und dann Frau und Kinder auf sein Visum laufen. Es gibt aber auch eine signifikante Anzahl von Familien, in denen die Ehefrau  angestellt ist und den Ehemann und die Kinder dann selbst sponsort.

Die Einverständniserklärungen sind natürlich eine reine Formalität. Kaum ein Mitteleuropäer würde ernsthaft in Erwägung ziehen, seiner Frau das Autofahren zu verbieten. Aber die Tatsache, dass er es theoretisch könnte, ist schon eine ziemliche Zumutung. Umgekehrt sind zahlreiche Männer bekannt, bei bei denen es ordentlich am Ego nagt, weil die Gattin als Sponsor fungiert. Wenn sie vor dem Unterschreiben einer Erlaubnis dann noch kurz nachfragt, was der Herr denn gewillt ist, dafür zu tun, sitzt der Stachel wirklich tief.

Scheidung oder Todesfall

Die bisherigen Punkte betrafen Frauen und Männer gleichermaßen. Doch wenn es hart auf hart kommt, ist es um die Frauenrechte in Dubai respektive den gesamten VAE schlecht bestellt. Bei Scheidungen und Erbschaften hat ein Mann nach wie vor die besseren Karten. Beispielsweise fällt das Erbe eines verstorbenen Mannes an den nächsten volljährigen, männlichen Verwandten. Das kann ein älterer Bruder des Verstorbenen sein. Die Ehefrau wird dann zur Bittstellerin bei ihrem Schwager, den sie möglicherweise noch nie leiden konnte.

Frauenrechte in Dubai und Abu Dhabi – ganz OK

Alles in allem fühlen sich die meisten Expat-Frauen aus Europa in den VAE sehr wohl und nehmen im Alltag keine Einschränkung ihrer Rechte wahr. Leider kann man das nicht von allen Ländern im mittleren Osten sagen.

Wichtiger Hinweis: wir sind keine Rechtsanwälte. Der Inhalt diese Artikels beruht auf eigener Erfahrung.

9 Responses

  1. „Alles in allem fühlen sich die meisten Expat-Frauen aus Europa in den VAE sehr wohl und nehmen im Alltag keine Einschränkung ihrer Rechte wahr.“

    Während es in Europa einen #Aufschrei gibt wenn ein alter weißer Mann das Kleid einer jungen Frau lobt 😉

  2. „Die Einverständniserklärungen sind natürlich eine reine Formalität. Kaum ein Mitteleuropäer würde ernsthaft in Erwägung ziehen, seiner Frau das Autofahren zu verbieten. Aber die Tatsache, dass er es theoretisch könnte, reicht bei vielen Frauen schon aus, um am Ego zu nagen.“

    Ego? Man kann sich ja vorstellen, ob Verfasser*in männlich war…. Grundrechte, die man sich jahrhundertelang erarbeiten musste, haben nichts mit „Ego“ zu tun. So ein Artikel sollte umgeschrieben werden. Pfui.

    • Herzlichen Dank für das Feedback. Diese Stelle im Artikel war in der Tat nicht optimal formuliert. Möglicherweise trifft das ja auch auf den Kommentar zu, zumindest wenn er als konstruktive Kritik gedacht war.

      Wir haben den Artikel an der genannten Stelle umformuliert respektive verbessert. „Wir“ deshalb, weil er von uns gemeinsamt verfasst wurde und die Erfahrung sowohl der weiblichen als auch der männlichen Seite beinhaltet. Es mag überraschen, aber in unserem Fall war es so, dass sich die Autorin des Artikels in Dubai wohler gefühlt hat als der Autor.

  3. Hallo! Danke für den Artikel. Wie läuft das Ganze ab, wenn es keinen Sponsor gibt – weil man alleine reist, nicht verheiratet ist etc.?

    • Hallo, einen Sponsor braucht man nur, wenn man länger bleibt. Auf Touristen trifft das Ganze also nicht zu.
      Ein Arbeitsvisum gibt es nur, wenn man einen Job hat. Dann fungiert der Arbeitgeber als Sponsor für seine/n Angestellte/n. Wenn man weitere Familienmitglieder hat, dann sponsort das Familienmitglied, das vom Arbeitgeber gesponsort wird, den Rest der Familie. Als Single ist das natürlich nicht nötig.

  4. „So bekleidet würde ein vernünftiger Mensch aber auch nicht durch Berlin oder London laufen“

    gibt es in Berlin oder London ein Meer, an dem man Urlaub machen kann und deswegen kurze Badebekleidung anzieht??

  5. Wenn ich schon lese, dass einer der Eheleute den anderen um Erlaubnis bitten muss um z.b Auto fahren zu dürfen! Das Frauen bei einem Todesfall keinen Anspruch auf das Vermögen haben. Das selbst Händchen halten nicht erlaubt ist. Da kommt ja noch jede Menge hinzu, was NICHT erwähnt wurde. Frauen aus fremden Ländern, die als z.b Nanny arbeiten, werden bei der Ankunft der Pass abgenommen! Den sehen die nicht so leicht wieder! Sie werden sehr oft Unmenschlich behandelt und schlecht bezahlt. In den VAE haben nur die Super Reichen Rechte und was zu sagen. Ich verstehe auch nicht wie man nach Dubai auswandern kann! Frauen erleben im alltäglichen Leben keine Einschränkung… Ja ne is klar Und die Scharia herrscht da bestimmt nicht! Dann hätten die Frauen z.b im Sterbefall das Recht auf das Vermögen! Und um ERLAUBNIS fragen ob man raus darf oder Auto fahren oder verreisen? Das ist so würdelos! Einfach abartig!!!!

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