Expat Leben in Dubai – wie es wirklich ist

Das größte Gebäude der Welt, 7-Sterne-Hotels und Straßen voller Sportwagen – Dubai ist eine Stadt voller Superlative und bei Touristen enorm beliebt. Ganzjährig Sonne, Palmen und Strände locken ebenso wie Luxusvillen und Steuerfreiheit. Das Leben und Arbeiten in Dubai muss schlicht traumhaft sein. Oder etwa nicht? Wie ist das Expat Leben in Dubai wirklich?

Leben in Dubai – wo andere Urlaub machen

Es gibt gute Gründe, warum Dubai vor allem im Winter ein beliebter Urlaubort ist. Die Temperaturen sind mit etwa 25 Grad Celsius angenehm warm. Bevor man ins Büro geht, kann man noch eine Stunde an den Strand gehen und im arabischen Golf schwimmen. Am Wochenende gehen viele Expats auf den Golfplatz oder fahren mit ihren SUVs eine Runde in die Wüste. Restaurants öffnen ihre Terrassen. Die Beach Walks sind prall gefüllt. Und in Strandclubs herrscht eine magische Atmosphäre. Es überrascht nicht, dass man im ersten Jahr ständig Besuch aus der Heimat hat. Doch schon bald kommen nur noch die wahren Freunde regelmäßig.

Ab März steigen die Temperaturen deutlich. Nicht viel später zeigt das Thermometer schon am frühen Morgen über 40 Grad. Und im Hochsommer sind 50 Grad keine Seltenheit. Das Leben spielt sich nur noch in klimatisierten Räumen ab: Wohnung, Auto, Büro, Malls. Früh morgens laufen Jogger nicht mehr durch die Marina, sondern durch die Gänge der Malls. Wer kann verlässt das Land für einige Wochen  – insbesondere wenn im Ramadan Restaurants nur noch abends geöffnet sind, weil man tagsüber weder Essen noch Getränke in der Öffentlichkeit zu sich nehmen darf.

Expats bleiben weitgehend unter sich. Sie leben in typischen Expat Quartieren wie Marina, Arabian Ranches, Greens, Meadows oder Emirates Hills. In Dubai ist man ständig auf der Suche nach neuen Freunden. Denn die meisten Expats bleiben nur für eine begrenzte Zeit und immer wieder ziehen Freunde weg. Mit Einheimischen kommt man so gut wie nie in Kontakt. Dafür kann man Staus, Baukränen und Straßensperrungen kaum entgehen.

Arbeiten in Dubai

Dubai bietet ein spannendes, internationales Arbeitsumfeld. Die Stadt beherbergt Expats aus nahezu allen Ländern der Erde. Sowohl im eigenen Unternehmen als auch bei Geschäftspartnern erlebt man täglich eine vielfältigen Mischung aus Kulturen und Arbeitsweisen. Erfahrungen aus der Heimat müssen an die neue Realität angepasst werden. Das beginnt schon bei vermeintlich banalem, wie der Arbeitswoche, die Sonntags beginnt und Donnerstags endet. Weiter geht es bei Feiertagen, die meistens erst zwei Tage vorher angekündigt werden. Und selbstverständlich erweitert auch die Vielzahl von unterschiedlichen Herangehensweisen der Kollegen den eigenen Horizont.

Das Luxusleben, das man aus dem Urlaub kennt, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Arbeitsleben in Dubai einigermaßen hart ist. Man konkurriert mit gut ausgebildeten Menschen aus der ganzen Welt, die teilweise bereit sind, den gleichen Job für deutlich weniger Gehalt zu erledigen. Und das nicht schlecht. Die bessere Bezahlung muss man durch hervorragende Leistung rechtfertigen. Eine 40-Stunden-Woche kann man also nicht erwarten.

Viele Expats in Dubai arbeiten in regionalen Hauptquartieren. Ihr Territorium umfasst also oft den gesamten mittleren Osten – teilweise auch Afrika. Dadurch ist man viel auf Geschäftsreisen, sitzt viel im Flieger. Deshalb werden Noise-Cancellation-Kopfhörer und die eGate Card, die es bei der Einreise in die Golfstaaten ermöglicht, die langen Schlangen an der Passkontrolle zu umgehen, zu den wichtigsten Utensilien.

Eine weitere Besonderheit des Arbeitens in Dubai ist das System des Sponsors für Visas (siehe auch: Mit der Lizenz zum Trinken). Der Arbeitgeber bzw. die Free Zone, in der man arbeitet, ist der Visa-Sponsor des Arbeitnehmers. Verliert man den Job, so verliert man den Sponsor und damit das Visum. Und man wird quasi zum Touristen, der innerhalb von 30 Tagen ausreisen muss.

Gutes Einkommen, hohe Lebenshaltungskosten

Die harte Arbeit wird – trotz der Niedriglohn-Konkurrenz – gut bezahlt, solange die Leistung stimmt. Zum Gehalt kommen oft noch Pauschalen, die sich zu einem ordentlichen Gesamtpaket summieren (siehe auch: 16 Benefits, die Expat-Arbeitsverträge erhalten können). Das gilt insbesondere für die Netto-Betrachtung. Denn die meisten Expats arbeiten in Free Zones und zahlen dadurch keine Einkommenssteuern. Dem gegenüber stehen allerdings auch hohe, volatile Lebenshaltungskosten, die immer wieder Ausschläge nach ober verzeichnen. Das Leben in Dubai ist teuer.

Seit der Entscheidung, dass die Expo 2020 in Dubai stattfindet, steigen die Mieten rasant. Wichtig zu verstehen ist. dass die Mieten traditionell im Voraus bezahlt werden müssen – und zwar für das ganze Jahr. In Ausnahmefällen kann man sich zwar auf 2 Cheques einigen. Allerdings erhöht sich dadurch auch die Miete. Die Nebenkosten sind nicht zu unterschätzen, vor allem, wenn man in einer Villa lebt. Dort schlägt vor allem die Klimaanlage und ggf. die Wasserrechnung für den Außenpool zu Buche. Verhältnismäßig günstig sind dagegen Dienstleister wie Maid, Gärtner und Pool Boy. Siehe auch: Wohnungssuche mit Relocation Service.

Lebensmittel

Da in der Wüste wenig wächst, müssen praktisch alle Lebensmittel importiert werden und verteuern das Leben in Dubai. Das Angebot von Carrefour, Waitrose und Spinneys ist so vielfältig, wie die Expat Community selbst. Beispielsweise gibt es Leberkäse selbst in Europa nur in Österreich und einem Teil Deutschlands. In Dubai ist er problemlos erhältlich. Etwas günstiger sind der indische Hypermarkt Lulu und Union Coop, in dem hauptsächlich Locals einkaufen.

Richtig teuer wird es, wenn man Bio-Produkte kauft. Sowohl der Organic Market als auch der Ripe Market rufen Spitzenpreise auf. Ganz oben in der Liste der teuren Produkte steht Alkohol. Eine Kiste Bier kostet schon mal 40 Euro, eine brauchbare Flasche Wein kostet 12 Euro, eine gute gibt es ab 25 Euro (siehe auch: Mit der Lizenz zum Trinken). Ähnliches gilt auf Grund von geringer Konkurrenz für Geschäfte wie Baumärkte und Kinderausstattung. Dort hört man auch immer wieder, dass das Produkt, das man gerade kaufen möchte leider gerade ausverkauft ist und erst mit der nächsten Lieferung wieder kommt. Wann das der Fall ist? Nächsten Monat – vielleicht.

Keine Steuern, aber Gebühren

Die Steuerfreiheit macht das Arbeiten in Dubai attraktiv. Doch auch wenn es keine Einkommensteuer gibt, muss der Staatshaushalt trotzdem finanziert werden. Im Gegensatz zu Abu Dhabi gibt es im Emirat Dubai auch kaum mehr Öl. Dafür gibt es jede Menge Gebühren, die das Leben in Dubai teuer machen können. Beispielsweise wird auf den Hauptverkehrsadern die Maut „Salik“ erhoben. Jede Durchfahrt durch eine Zollbrücke kostet etwa 1 Euro, Je nachdem wie viel man unterwegs ist, kommt so einiges zusammen. Gelegentlich kommt es vor, dass einfach eine zusätzliches Toll Gate aufgestellt wird, wenn die Regierung mehr Geld braucht.

Kosten entstehen auch, wenn das Auto steht. Fast überall werden per App oder Parkautomat Gebühren erhoben. Die Ausnahmen sind zuhause und in Malls. Allerdings kann es durchaus sein, dass auf dem Parkplatz vor dem Büro Parkgebühren verlangt werden. Dazu kommt, dass die Parkdauer oft auf 4 Stunden beschränkt ist und Parkwächter wissen, wann die bei den meisten Angestellten zu Arbeiten beginnen. Eine Kontrollrunde um 13 Uhr bringt dem Staat so ein ganz erträgliches Sümmchen an Einnahmen. Siehe auch: „Kostenfallen & Risiken für Expats

Sicherheit

Dubai ist eine enorm sichere Stadt. Gleiches gilt für Abu Dhabi und andere Städte in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Das liegt zum einen an einer Totalüberwachung des öffentlichen Lebens, zum anderen an drakonischen Strafen. Fast jeder Winkel Dubais ist kameraüberwacht. Dadurch ist es kaum möglich, dass ein Delikt unbemerkt geschieht. Gepaart mit der Tatsache, dass nach wie vor die Sharia gilt, ergibt sich eine Kriminalitätsrate, die praktisch bei null liegt. Wer riskiert schon einen Taschendiebstahl, wenn nahezu sicher ist, dass man ihn erwischt und dann vom Scharfrichter die Hand abgehackt werden kann. Allerdings verursachen die Lage von Dubai, das Rechtssystem und die wirtschaftliche Volatilität gewisse Risiken. Siehe auch: „Notfallkoffer für Krisensituationen„. Mancher Expat fühlt sich auch ständig überwacht und achtet deshalb darauf, dass Reisepass, Kreditkarten und Dokumente immer RFID-geschützt sind, damit nichts heimlich ausgelesen wird.

Frauenrechte

Viele angehende Expats fragen, wie sich das Leben in Dubai für Frauen gestaltet. Darauf gibt es zwei Antworten. Die erste ist, dass Expat Frauen oft die Erfahrung machen, dass sie bevorzugt behandelt werden. Bei Behörden gibt es eine separate Schlange für Frauen, die meistens kürzer ist. Türen werden für Frauen aufgehalten. Es kann auch vorkommen, dass ein Angestellter eines Geschäfts einer Kundin die Einkaufstaschen bis ins Auto trägt.

Autofahren dürfen Frauen selbstverständlich – Führerschein vorausgesetzt. Allerdings gibt es eine kleine Formalität. Der Visa-Sponsor – also meistens der Ehemann – muss schriftlich einwilligen, dass die Frau Auto fahren darf. Gleiches gilt allerdings auch für Männer, wobei hier oft der Arbeitgeber der Sponsor ist. Trotzdem kann das am Ego kratzen. Zumal im Visum steht: „Housewife – not allowed to work“ (siehe auch: Startphase als Expat = erster Schritt zur Scheidung?).

Die zweite Antwort: Frauenrechte in Dubai und Abu Dhabi hängen von der Nationalität ab. Während es für Europäerinnen so gut wie keine Einschränkung ihrer Rechte gibt, sieht das für Frauen aus Asien oft anders aus. Beispielsweise sind viele Maids von den Philippinen ihren Arbeitgeber auf Gedeih und Verderben ausgeliefert.

Brot und Spiele

Die Expat Community langweilt sich von Event zu Event und dürstet nach Entertainment. Timeout Dubai gibt den Takt vor. Jedes neu eröffnete Restaurant wird gehypet und man muss es dringend gesehen haben. Das neue Hotel auf der Palme muss man unbedingt gesehen haben. Das Pferderennen in Maydan und der Formel 1 Zirkus in Abu Dhabi sind mehr oder weniger Pflichtveranstaltungen. Man fährt regelmäßig an die Grenzen des Emirats, weil es im Last Exit neuerdings Street Food gibt – und das ist ja sowas von cool. Selbst aufs Global Village – einer Mischung aus Expo und Frankfurter Dippe Mess – muss man jedes Jahr mindestens einmal. Wenn man keine Karte für die drei großen Veranstaltungen der deutschen Außenhandelskammer (Spargel-Essen, Oktoberfest und Gänse-Essen) ergattert, geht die Welt unter.

Nach einigen Monaten führt das Expat Leben in Dubai unweigerlich zum Dubai Stone: wenig Bewegung gepaart mit viel Essen ergibt einige Kilo zusätzliches Körpergewicht. Regelmäßg fährt mit dem Auto, das man sich zuhause nie leisten könnte, zum Friday Brunch. Ist der Wagen beim Valet Parking abgegeben, fräst man sich durch ein irrsinniges Buffet und spült alles mit Lemon Mint oder all you can drink Champagner runter (siehe auch: Jumeirah Jane – eine Woche in Dubai). Zur Bezahlung nutzt man selbstverständlich den 2-für-1 Gutschein aus dem Entertainer Buch. Nach einiger Zeit wird man dessen überdrüssig und geht lieber zum Fish Man in Jumeirah oder Saarangaa Bhojan Shala. Und ja, ab und zu ein Schnitzel im Keller (im 2. Stock des Jumeirah Beach Hotel) muss auch sein.

Big Brother is watching

Das Bunte Abo hat man längst abbestellt. Schließlich war man froh, wenn ungefähr jede dritte Ausgabe wirklich in der Post landete. Die Auswahl deutscher Zeitschriften in Supermärkten ist gelinde gesagt übersichtlich. Meistens sind die Hefte auch bereits zwei Wochen alt, wenn sie in den Handel kommen. Das liegt nicht etwa an den langen Transportwegen, sondern an der Zensur. Jedes Bisschen abgebildete Haut – egal ob auf dem Cover oder im Heft – wird händisch per Edding geschwärzt. Auch das Internet wir streng zensiert. Skype wurde bereits mehrfach verboten und abgeschaltet – wohl um höhere Einnahmen für die Telekommunikationsunternehmen Etisalat und du zu erreichen. Zwar kann man diese Zensur teilweise umgehen (siehe auch: Checkliste: 7 Dinge, die man vor der Ausreise erledigen muss), doch es bleibt immer ein Gefühl der Überwachung.

Fazit: Leben in Dubai verändert dich

Insgesamt ist das Leben und Arbeiten in Dubai eine großartige Erfahrung mit vielen Annehmlichkeiten. Die Erfahrung führt unweigerlich zur Veränderung der eigenen Perönlichkeit. Bei vielen Expats beinhaltet diese Veränderung eine Erweiterung des Horizonts. Allerdings gibt es auch immer wieder Einzelfälle, deren Charakter sich durch das Leben in Dubai zum Schlechteren verändert.

Johannes

Expat in Los Angeles, Dubai und Kopenhagen.

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