Die Expat Rückkehr – ein umgekehrter Kulturschock

Heimat. Nach Jahren im Ausland ist es ein ganz besonderes Gefühl für Expats, wieder nach Hause zu ziehen. Man hatte zwar nie wirklich Heimweh. Aber es gab vieles was man vermisst hat. Brot. Kneipentouren mit den Kumpels. Die Lieblingsserie mit der besten Freundin anschauen. Jetzt kann man das alles nachholen. Doch so einfach ist das nicht. Die Expat Rückkehr nach Deutschland wird von einem umgekehrten Kulturschock geprägt. Je länger man weg war, desto stärker ist dieser Effekt.

Das Land hat sich verändert

Das Deutschland, das man verlassen hat, war ein offenes Land. Wenige Jahre vorher war die Welt zu Gast bei Freunden und hat das Selbstbewusstsein des Landes beinahe schon therapiert. Jetzt nach der Rückkehr ist das Land deutlich von Rechtsnationalen geprägt. Das Deutschland, das man verlassen hat, konnte stolz auf seine Ingenieurskunst und Verlässlichkeit sein. Jetzt schafft es das Land nicht mal einen Bahnhof zu bauen oder einen Flughafen zu eröffnen. Von Autos, die selbst gesetzte Abgasnormen erfüllen, ganz zu schweigen. Präszision und Verlässlichkeit schätzt man selbst inzwischen ohnehin eher bei Kollegen aus Indien. (Siehe auch: Kultursimulation Barnga)

Die alten Freunde haben sich verändert

Was war das damals geil. Mit den Jungs um die Häuser ziehen und am Ende doch immer in der gleichen coolen Bar landen. Aber die Jungs sind irgendwie nicht mehr zu gebrauchen. Frank erzählt jetzt ständig was vom DAX. Michi trinkt nur noch Craft-Bier. Und Olli hat diese Zicke geheiratet. Nur Kante ist der gleiche geblieben. Aber die alten, immer gleichen Sprüche von damals kann man sich echt nicht mehr anhören. Bei den Mädels sieht es ähnlich aus. Hanna ist zur Glucke mutiert. Die weltoffene Tara ist bei genauerer Betrachtung irgendwie ziemlich beschränkt. Und Ina hat sich doch glatt in den 7 Jahren, die man im Ausland war, einen neue beste Freundin gesucht. Und alle hören sie jetzt Helene Fischer. Die alten Freunde machen die Expat Rückkehr nicht gerade einfacher. Übrigens, die coole Bar gibt es auch nicht mehr. Hat vor 6 Jahren schon zugemacht. Vermutlich lags am Umsatz. Gibt es hier eigentlich eine Expat Community in der man neue Freunde finden kann?

Man selbst hat sich verändert

Am Anfang wollen alle die Storys aus dem Ausland hören. Irgendwann sind sie genervt, wenn man nur noch vom Ausland erzählt. Aber man kann einfach nicht anders. Die Zeit im Ausland hat einen selbst eben auch geprägt. Dass es weit und breit keinen gutes libanesisches Restaurant gibt, war früher kein Problem. Man wäre je sowieso nicht hingegangen. Jetzt aber. Dann halt doch wieder zum Fußball. Aber die alte Rivalität mit dem Nachbarverein kann man irgendwie nicht mehr entwickeln – geschweige denn verstehen. Selbst darüber, dass Italien und die Niederlande nicht für die WM qualifiziert sind, kann man sich nicht freuen. Im Gegenteil. Wenn sie dabei wären, hätte man so schön mit den Expat Kollegen Luigi und Kees feiern können.

Die Heimat ist fremd geworden. Und man ist der Heimat fremd geworden. Ist man hier eigentlich noch zuhause? Und wenn ja, für wie lange?

Johannes

Expat in Los Angeles, Dubai und Kopenhagen.

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