Startphase als Expat = erster Schritt zur Scheidung?

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Boarding House

Ein Umzug ins Ausland hat nicht selten immensen Einfluss auf eine Partnerschaft. In der Regel hat nur ein Teil innerhalb einer Beziehung einen Job im Ausland. Der andere Lebens- oder Ehepartner „kommt mit“. Und das obwohl er oder sie vorher vielleicht selbst eine vielversprechende Karriere vor sich hatte. Recruiter stellen die Möglichkeit, dass auch der andere einen Job in der neuen Umgebung findet, schon mal deutlich zu optimistisch dar. Die Realität schaut aber oft anders aus.

Es ist mal wieder spät geworden im Büro. Wie in jedem neuen Job will Johannes beweisen, dass er den Job zurecht bekommen hat und beginnt schnellstmöglich einen Überblick über die Geschäftssituation zu bekommen. Als er nach 10 oder 11 Stunden voller Meetings und Telefonaten zurück ins Hotelzimmer kommt, in dem die beiden für die ersten paar Wochen wohnen, ist die Sonne schon eine Weile untergegangen. Müde. Genervt. Geschlaucht. Jetzt auf die Couch, die Füße hochlegen, vielleicht noch ein Bier und abschalten. Kyra begrüßt ihn mit den Worten: „Hi, wird aber Zeit, was machen wir jetzt?“ Sie hat sich den ganzen Tag im Hotelzimmer gelangweilt – die Sightseeing Touren hat sie alle schon in der ersten Woche hinter sich gebracht. Und jetzt muss sie noch die 20.000 Worte loswerden, die eine Frau pro Tag spricht. Für sie geht der Tag jetzt erst richtig los.

Gerade in den ersten Wochen baut sich schnell Frust auf. Das große Abenteuer weicht Stress auf der einen und Langeweile auf der anderen Seite. Eine echte Prüfung für so manche Beziehung.

Wie geht man damit um? Dafür gibt es kein Patentrezept. Es hilft jedoch, wenn man sich vorher der Situation bewusst ist. Regelmäßig gemeinsame Zeit einzuplanen, ist wichtig. Für manche Paare ist es eine Lösung, dass sich der freie Partner, erst nach einigen Wochen nachkommt, wenn es zumindest schon eine richtige Wohnung gibt. Allerdings verschiebt das manche Probleme nur und schafft andere Schwierigkeiten, beispielsweise beim Thema Steuern. Andere Paaren finden eine Aufgabe, um die sich der freie Partner kümmert: Wohnungssuche, Schulauswahl für die Kinder, Bankkonten und ähnliches. In manchen Ländern ist das – gerade für Frauen – jedoch gar nicht so einfach, was zu weiterem Frust führen kann.

Eine Aufgabe wird oft unterschätzt: Freunde finden. In Ländern mit vielen Expats gibt es regelrechte Infrastruktur für Neuankommende und solche, deren Freunde wieder in ihr Heimatland zurückgezogen sind: zum Beispiel Expat Clubs oder Coffee Mornings. In anderen Ländern wartet niemand auf die Neuankömmlinge. Bestenfalls gibt es New in Town Treffen oder eine Expat Community auf Facebook. Coffee Morning? Facebook? Klingt nach nettem Kaffeekränzchen und Zeit totschlagen. Tatsächlich ist es eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, ein neues soziales Umfeld aufzubauen. Eine, um die man sich nicht schnell genug kümmern kann. Eine, die große Wertschätzung verdient.

Expat in Los Angeles, Dubai und Kopenhagen.

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