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Frauenrechte in Dubai und Abu Dhabi

Frauenrechte in Dubai und Abu Dhabi

Eine der wichtigsten Fragen, die angehende VAE Expats stellen lautet: „Wie sieht es mit den Frauenrechten in Dubai? Unterscheiden sich Frauenrechte in Dubai und in Abu Dhabi?“ Zunächst denkt man dabei an das alltägliche Leben der Frau. Darf ich Autofahren? Muss ich Burka, Nikab, Tschador, Hijab oder sonst irgendeinen Schleier tragen? Darf ich mich alleine frei bewegen? Darf ich als Frau in Dubai arbeiten? Wer sich mit dem Thema etwas tiefergehend befasst, denkt auch an nicht alltägliche Situationen wie eine Scheidung oder ein Todesfall.

Absolutistischer Staat

Zunächst ist es – für Frauen und Männer – wichtig zu verstehen, dass das Rechtssystem der Vereinigten Arabischen Emirate nicht mit europäischen Rechtssystemen zu vergleichen ist. Die Basis ist schlicht eine andere: auf der einen Seite muslimische Traditionen und die Sharia auf der anderen Seite christlich-abendländischen Tradition. Hinzu kommt, dass der Scheich an der Spitze des Staates ein absolutistischer Herrscher ist. Einer der Titel, die er trägt ist „Ruler“. Er ist also derjenige, der die Regeln macht – und zwar weitestgehend nach Gutdünken und gelegentlich auch rückwirkend. Die VAE sind keine Demokratie.

Jedes Emirat hat seinen eigenen Scheich bzw. Emir. Dadurch gibt es auch rechtliche Unterschiede zwischen den Emiraten. Hinzu kommt, dass Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern unterschiedlich behandelt werden. Vor dem Gesetz sind nicht alle gleich. Diese Ungleichbehandlung geht leider oft zu Lasten von Frauen aus Ländern, die wirtschaftlich weniger entwickelt sind. Die folgenden Beobachtungen zu Frauenrechten in Dubai und Abu Dhabi gelten dementsprechend leider nur für Europäerinnen und Amerikanerinnen.

Frauenrechte im Alltag

Im Alltag gibt es für Expat-Frauen kaum Einschränkungen der Frauenrechte in Dubai und Abu Dhabi. Man muss keinen Schleier tragen. Frauen dürfen Auto fahren, sofern ihr Sponsor zustimmt. Und ihre Bewegungsfreiheit ist auch in keiner Weise eingeschränkt. Insofern wirken Dubai und Abu Dhabi wie westliche Städte – insbesondere in den Wohnvierteln, in denen man vorwiegend auf Expats trifft. Wobei Dubai etwas liberaler ist als Abu Dhabi. Manche Expats sagen sogar, dass Dubai das bessere London sei.

In Geschäften und Behörden werden Frauen sehr freundliche behandelt. Oft gibt es eigene Schalter und Schlangen für Frauen. Die Wartezeit dort ist in der Regel kürzer als für Männer.

Allerdings ist es nicht so, dass es gar keine Einschränkungen gibt – und zwar für Frauen und Männern. Jeder öffentliche Ausdruck von Zuneigung ist verboten. Küssen in der Öffentlichkeit ist also nicht gestattet.Theoretisch gilt das auch für Händchenhalten. Allerdings wird das aktuell gedultet.

Auch eine angemessene Kleidung wird erwartet. Schultern und Knie sollten bedeckt sein. Allerdings sieht man immer wieder Touristen, die sich nicht an diese Regel halten und mit äußerst knapper Badebekleidung nur das nötigste verdecken. So bekleidet würde ein vernünftiger Mensch aber auch nicht durch Berlin oder London laufen.

Sponsorensystem

Viele Freiheiten hängen in den VAE von der Zustimmung des Sponsors ab – das gilt sowohl für Frauen als auch für Männer. Egal ob Führerschein oder Alkohollizenz – ohne schriftliche Einverständniserklärung des Sponsors läuft nichts. Das  „Familienoberhaupt“ wird vom Arbeitgeber bzw. der Free Zone gesponsert. Das Familienoberhaupt wiederum sponsort dann weitere Familienmitglieder. Voraussetzung ist eine beglaubigte Eheurkunde bzw. Geburtsurkunden für die Kinder. Statistisch gesehen ist der Normalfall, dass der Mann zum Arbeiten in Dubai bei einem Unternehmen angestellt ist. Und dann Frau und Kinder auf sein Visum laufen. Es gibt aber auch eine signifikante Anzahl von Familien, in denen die Ehefrau  angestellt ist und den Ehemann und die Kinder dann selbst sponsort.

Die Einverständniserklärungen sind natürlich eine reine Formalität. Kaum ein Mitteleuropäer würde ernsthaft in Erwägung ziehen, seiner Frau das Autofahren zu verbieten. Aber die Tatsache, dass er es theoretisch könnte, reicht bei vielen Frauen schon aus, um am Ego zu nagen. Umgekehrt sind zahlreiche Männer bekannt, bei denen der Stachel nicht weniger tief sitzt. Insbesondere dann, wenn ihre Gattin als Sponsor vor dem Unterschreiben einer Erlaubnis kurz nachfragt, was der Herr denn dafür gewillt ist, zu tun.

Scheidung oder Todesfall

Die bisherigen Punkte betrafen Frauen und Männer gleichermaßen. Doch wenn es hart auf hart kommt, ist es um die Frauenrechte in Dubai respektive den gesamten VAE schlecht bestellt. Bei Scheidungen und Erbschaften hat ein Mann nach wie vor die besseren Karten. Beispielsweise fällt das Erbe eines verstorbenen Mannes an den nächsten volljährigen, männlichen Verwandten. Das kann ein älterer Bruder des Verstorbenen sein. Die Ehefrau wird dann zur Bittstellerin bei ihrem Schwager, den sie möglicherweise noch nie leiden konnte.

Frauenrechte in Dubai und Abu Dhabi – ganz OK

Alles in allem fühlen sich die meisten Expat-Frauen aus Europa in den VAE sehr wohl und nehmen im Alltag keine Einschränkung ihrer Rechte wahr. Leider kann man das nicht von allen Ländern im mittleren Osten sagen.

Wichtiger Hinweis: wir sind keine Rechtsanwälte. Der Inhalt diese Artikels beruht auf eigener Erfahrung.

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Checkliste: 7 Dinge, die man vor der Ausreise erledigen muss

Checkliste Ausreise ins Ausland

Es gibt eine Reihe von Dingen, die man unbedingt vor der Ausreise ins Ausland erledigen sollte. Entweder weil sie nach dem Umzug gar nicht mehr beziehungsweise nur mit größerem Aufwand möglich sind. Oder weil man nach der Ankunft am neuen Arbeitsplatz kaum mehr Zeit dafür hat. Oder weil man so Geld sparen kann. Diese Checkliste zur Ausreise fasst die wichtigsten Punkte zusammen.

1 – Neuer Reisepass / zweiter Reisepass

Viele Expats sind häufig auf Reisen in verschiedene Märkte. Deshalb empfiehlt es sich, rechtzeitig vor der Ausreise einen neuen Pass zu beantragen. Das gilt vor allem dann, wenn der alte Pass

  • bald abläuft.
  • fast schon vollgestempelt ist und nicht mehr viel Platz für neue Visa und Einreisestempel bietet.
  • Einreisestempel oder Visa von Ländern enthält, deren Beziehungen mit dem Land, in das man umzieht, eher angespannt sind.
  • nicht mehr im besten Zustand ist.

Bei der Gelegenheit kann man gleich einen zweiten Reisepass beantragen, falls es der neue Job erfordert.

Die Bearbeitung des Passes dauert ca. 5 Wochen. Per Expressgebühr kann diese Frist auf 6 Arbeitstage reduziert werden.

2 – Passbilder

Für den neuen Reisepass benötigt man ein biometrisches Passbild. Auch wenn man noch irgendwo eines herumliegen hat, ist es zu empfehlen, vor der Ausreise neue Passbilder machen zu lassen. Es ist oft erstaunlich, wieviel Passbilder für Einreiseformalitäten, Visa, Ausweisdokumente, Führerschein, und ähnliches benötigt. Das gilt übrigens für die ganze Familie. Teilweise muss man schon bei der Einreise am Flughafen welche bereit haben. Klar steht dort vermutlich ein Fotoautomat. Aber vor dem gibt es mit einiger Wahrscheinlichkeit eine einigermaßen lange Schlange. Und schön werden die Bilder auch nicht. Dann doch lieber vorher noch kurz Fotografen und gleich mindestens 12 Abzüge machen lassen.

3 – Internationaler Führerschein

Die Regelungen, ob und wie lange ausländische Führerscheine gelten, unterscheiden sich von Land zu Land. Fast überall darf man für einige Wochen – etwa die Dauer eines Touristenaufenthalts – einen Mietwagen fahren. Will man auch danach noch fahren oder ein Auto anmelden, braucht man in der Regel einen Führerschein, der im Gastland ausgestellt wurde. Je nach Land muss man dafür eine Fahrprüfung ablegen, auch wenn man bereits einen Führerschein hat. Wenn man Pech hat, muss man sogar in die Fahrschule. In manchen Ländern, kann man sich die Fahrschule sparen und direkt zur Prüfung antreten, wenn man einem internationalen Führerschein hat. Mancherorts bekommt man auf Basis eines internationalen Führerscheins sogar direkt eine einen lokalen Führerschein ausgestellt. Das setzt natürlich voraus, dass man vor der Ausreise daran gedacht hat, sich einen internationalen Führerschein ausstellen zu lassen.

4 – Internet Proxy

Wenn man im Ausland Mediatheken oder Live Streams deutscher Fernsehsender nutzen möchte, bekommt man oft eine Fehlermeldung. Der Stream außerhalb von Deutschland nicht verfügbar ist. Abhilfe schafft da in einigen Fällen ein Internet Proxy. Mit dessen Hilfe kann man auch im Ausland mit einer deutschen IP Adresse im Internet surfen. Dann laufen Sportschau, Voice of Germany oder der Tatort meistens problemlos. Je nach Proxy kann man sich auch mit den IP Adressen anderer Länder im Netz bewegen und deren Mediatheken nutzen. Netflix hat zwar vor einiger Zeit den Zugang per Proxy gesperrt. Bei anderen Streaming Platformen gibt es allerdings keine Einschränkungen. Proxys können auch helfen, die Internetzensur mancher Länder zu umgehen. Allerdings nur, wenn man den Proxy schon vorher eingerichtet hat. Denn die Webseiten der Proxy Anbieter sind natürlich auch gesperrt. An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Umgehen von Internetzensur per Proxy unter Strafe steht und deshalb nicht empfohlen werden kann.

5 – Arbeitslos melden

Um Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben, muss man vorher für einen gewissen Zeitraum in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Das kann  für Ehepartner von Auslandstätigen zum Problem werden. Es ist unwahrscheinlich, dass beide Partner ab dem ersten Tag nach der Rückkehr einen Job haben. Da der arbeitslose Partner aber für die Dauer des Auslandsaufenthalts nichts eingezahlt hat, besteht kein Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung. Das ändert sich, wenn man zum Zeitpunkt der Ausreise arbeitslos gemeldet ist – ein Tag reicht schon. Dann meldet man dem Arbeitsamt, dass man ins Ausland zieht. Die Zahlung des Arbeitslosengelds wird unterbrochen und der Anspruch bleibt für bis zu 4 Jahren bestehen. Für Details sollte man sich Arbeitsamt bezahlen lassen.

6 – Abmeldung beim Bürgerbüro

Abmelden sollte man sich auch beim Bürgerbüro. Dadurch erfahren verschiedene Behörden, dass man fortan im Ausland lebt. Das beinhaltet auch das Finanzamt. Man wird zum Steuerausländer. Schöner Nebeneffekt: lebt man nach dem Umzug außerhalb der EU, kann man dann sich die Mehrwertsteuer für Waren zurückerstatten lassen, die man auf Heimaturlauben kauft und aus der EU ausführt.

7 – Heiraten

Kein Scherz. Wenn man gemeinsam mit einem Lebenspartner ins Ausland zieht, ist es je nach Zielland teilweise absolut notwendig, vorher zu heiraten. Während Ehepartner meistens problemlos ein Visum bekommen, sehen die Behörden vieler Länder in einer nicht-ehelichen Partnerschaft keine Grundlage für ein Visum. In vielen muslimischen Ländern kann man als nicht verheiratetes Paar keine gemeinsam eine Wohnung zu mieten. Streng genommen dürfen sich eine Mann und eine Frau teilweise nicht einmal im gleichen Raum aufhalten, wenn sie nicht verheiratet sind. Im Fall von schweren Krankheiten oder Unfällen sind Auskunfts- und Besuchsrechte sowie Entscheidungsbefugnisse für unverheiratete Partner oft schwer zu bekommen.

Hat man als unverheiratetes Paar gemeinsame Kinder, dann sollte man sich zumindest eingehend informieren, welches Sorgerecht das Zielland für diesen Fall vorsieht. Ganz problematisch kann es sein, wenn ein gemeinsames Kind gerade erst auf dem Weg ist und im Ausland auf die Welt kommen soll. Auch hier sind wieder einige muslimische Länder zu nennen. In einigen Fällen wird die Geburt eines unehelichen Kindes sogar mit Gefängnis bestraft. Es mag zwar nicht sonderlich romantisch klingen, aber eine Hochzeit vor der Ausreise, kann viele Dinge im Ausland vereinfachen. Da die Eheurkunde teilweise von der Botschaft oder Konsulaten des Landes, in das man umzieht, beglaubigt werden müssen, sollte man nicht bis auf den letzten Drücker warten.

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Skandinavien – offen und liberal?!?

Expat Skandinavien

Es ist schon ein bisschen paradox: Norddeutsche gelten als wortkarg und verschlossen. Dänen hingegen werden als offen und liberal beschrieben. Und das, obwohl sie nur durch eine EU Binnengrenze getrennt sind. Wenn wir Deutschen an Skandinavien denken, haben wir Bilder von gemütlichen, hölzernen Ferienhäusern in weiten Dünen, fahrradfahrenden Großstädtern in puristisch eleganter Kleidung und von Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga im Kopf. Dazu mischt sich gelegentlich noch die eine oder andere Schlagzeile über skandinavische Gesetze zur Gleichstellung von Frau und Mann oder zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Und fertig ist das stereotypische Bild vom offenen und liberalen Skandinavien. Wenn man als Expat Skandinavien erlebt, zeigt sich allerdings ein deutlich differenzierteres Bild. Eines, das man nicht werten sollte, sondern als Kulturerfahrung bewusst wahrnehmen.

Expat Skandinavien ≠ Tourist Skandinavien

Unsere Vorstellung von Skandinavien basiert oft auf Urlaubserfahrungen und Kinderbüchern von Astrid Lindgren. Das Land in dem man Urlaub macht, ist allerdings eine anderes als das, in dem man als Expat arbeitet. Auch wenn es den gleichen Namen hat. Oder anders formuliert: als Tourist lernt man ein Land nur sehr eingeschränkt bzw. verfälscht kennen. Schließlich gibt es im Urlaub kaum Alltagsprobleme und man wird freundlich umgarnt, damit man gut gelaunt, möglichst viel Geld am Urlaubsort lässt.

Die Bücher von Astrid Lindgren hingegen, zeichnen ein ziemlich genaues Bild von Skandinavien. Man muss sie nur richtig lesen. Richtet man den Blick weg von den Helden unserer Kindheit hin zu den erwachsenen Figuren, dann entwickelt sich ein anderes Bild. Astrid Lindgrens Beschreibung ist an vielen Stellen recht nah daran, wie ein Expat Skandinavien skizzieren würde. Die Eltern von Tommy und Annika sind gar nicht liberal, sondern einigermaßen spießig. Die Eltern von Michel, der im Original übrigens Emil heißt, leben in einer hierarchischen Gesellschaft voller Konventionen.

Skandinavien ist beinahe sozialistisch

Skandinavien hat bekanntermaßen vergleichsweise hohe Steuern. Für Expats gibt es zwar teilweise Ausnahmeregelungen, allerdings ändert das nichts am Gesamtbild. Die Steuereinnahmen werden via Gesundheits- und Sozialsystem unter anderem zur Umverteilung genutzt. Das bedeutet zum einen, dass die soziale Schere nicht so weit auseinander geht wie in Deutschland oder gar den angelsächsischen Ländern. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass nach Steuern nicht sonderlich viel übrig bleibt. Wer sich ein bisschen Luxus (also ein Auto oder einen Urlaub) leisten möchte, braucht zwei Einkommen. In der Regel arbeiten in Skandinavien beide Ehepartner. Auf der positiven Seite sorgt das für Gleichberechtigung. Allerdings hat es auch zur Folge, dass es für Expats schwieriger wird, außerhalb des Arbeitsplatz Freundschaften aufzubauen, als in Ländern in denen ein Partner viel Freizeit hat. (Siehe auch: Start im Ausland = erster Schritt zur Scheidung?) Das wiederum kann dazu führen, dass man als Expat Skandinavien als gar nicht so offen und liberal wahrnimmt.

Skandinavier sind schwer zugänglich

Expats in Skandinavien berichten immer wieder, wie schwierig es ist, Zugang zur dortigen, recht verschlossenen Gesellschaft zu finden. Das mag daran liegen, dass Kinder in skandinavischen Ländern praktisch in ein staatlich organisiertes soziales Umfeld geboren werden. Dort organisieren viele Kommunen sogenannte Müttergruppen in denen sich die Eltern von Neugeborenen treffen und ihre Erfahrungen austauschen. Oft bilden diese Müttergruppen auf Lebenszeit den Kern des Freundes- und Bekanntenkreises der Kinder. Dieser wird später durch Schulklassen und ein aktives Vereinsleben komplettiert. Skandinavier haben starke, gewachsene soziale Netzwerke. Fremdsprachige Expats sind darin eher störend. Aber ist das in Deutschland wirklich anders?

So mancher Skandinavien Expat muss sein Skandinavienbild revidieren. Aber vielleicht ist genau das der Grund, warum man als Expat Skandinavien auswählen sollte. Schließlich geht man auch deshalb ins Ausland, um neue Erfahrungen zu machen, um Vorurteile zu überwinden und um Dinge von einem anderen Blickwinkel zu sehen.

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Relocation Service richtig nutzen

Relocation Service

Viele Unternehmen stellen ihren neu angekommenen Expats einen Relocation Service zur Verfügung. Dieser hilft bei den ersten, wichtigen Schritten nach der Ankunft. Dass dies nicht aus reiner Nächstenliebe geschieht, sondern eine rein wirtschaftliche Kalkulation zu Grunde liegt, ist nicht überraschend. Die Kosten sind schlicht geringer, als die Kosten, die entstehen würden, wenn sich der neue Mitarbeiter alleine durch den Behörden-Dschungel kämpfen müsste. Der Expat soll nach dem Umzug ins Ausland schnellstmöglich produktiv werden. Seine kostbare Arbeitszeit soll eben nicht dafür verwendet werden, herauszufinden, welche Behörde wofür zuständig ist. Zudem gäbe es dann ein gewisses Risiko, dass ein Fehler in irgendeinem fremdsprachigen Formular dazu führen würde, dass eine wichtige Genehmigung nicht erteilt wird und der Expat seinen Job erst gar nicht antreten kann. Der Relocation Service ist also ein Segen für alle Beteiligten.

Meistens bucht das Unternehmen den Relocation Service für eine festgelegte Dauer – beispielsweise für 3 Arbeitstage. Diese Zeit reicht in der Regel aus, um die wichtigsten Schritte abzuarbeiten und lässt noch ein bisschen Flexibilität für individuelle Punkte, die dem Expat wichtig sind. Da das Zeitbudget begrenzt ist, muss man zunächst mit dem Mitarbeiter des Relocation Service besprechen, welche Punkte man gemeinsam erledigen möchte, welche Sachverhalte man erklärt haben möchte und welche Dinge man noch angehen möchte, wenn noch Zeit übrig ist. Man benötigt also eine klassische Priorisierung. Idealerweise trifft man sich schon während des Look & See Trips und bespricht die Prioritäten.

Prio 1: Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis

Die erste Priorität ist in jedem Fall, sicherzustellen, dass man seine Arbeitsstelle antreten darf. Dafür braucht man sowohl eine Aufenthaltsgenehmigung als auch eine Arbeitserlaubnis. Für die Aufenthaltsgenehmigung sind in manchen Ländern medizinische Untersuchungen nötig. Dafür gibt es teilweise sogar eigene Kliniken – vor allem in Ländern mit hohem Expat Anteil an der Gesamtbevölkerung (wie zum Beispiel den VAE). Ein guter Relocation Service kann helfen, die langen Wartezeiten dort deutlich zu verkürzen.

Nicht vergessen sollte man die Aufenthaltsgenehmigungen für weitere Familienmitglieder. Man darf davon ausgehen, dass die Aufenthaltsgenehmigungen für Ehepartner und Kinder im Zeitbudget vorgesehen sind. Bei tierischen Familienmitgliedern sieht das vermutlich anders aus. Dieser Service fällt aus dem Standard heraus. Man sollte zu Beginn mit dem Relocation Service absprechen, wie hoch der Aufwand dafür ist. Dann kann man entscheiden, ob der Relocation Service die Aufenthaltsgenehmigung für das Haustier beantragt oder ob man nur Informationen benötigt und sich dann selbst darum kümmert.

Weitere Prioritäten: kommt drauf an

Welche weiteren Aufgaben gemeinsam mit dem Relocation Service angegangen werden, hängt sowohl von der eigenen Situation ab, als auch davon, wie fehleranfällig, aufwendig bzw. mühsam die Aufgaben im jeweiligen Land sind. Die Priorisierung kann dann beispielsweise folgendermaßen aussehen:

Gemeinsam mit dem Relocation Service erledigen:

  1. Weitere Landesspezifische Behördengänge (z.B. Social Security Number, UAE ID, eGate Card, NemID)
  2. Zollformalitäten für den Umzugscontainer
  3. Unterstützung bei der Wohnungssuche
  4. Finden von Ärzten mit benötigter Spezialisierung

Relocation Service stellt Informationen bereit:

  1. Auswahl und Anmeldung bei Schule & Kindergarten
  2. Einrichten eines Bankkontos
  3. Umschreiben des internationalen Führerscheins

Falls noch Zeit übrig ist:

  1. Unterstützung beim Autokauf
  2. Beantragen einer Alkohollizenz 

Tendenziell ist zu empfehlen, den Relocation Service für wenige komplexe Aufgaben zu nutzen als für viele einfache – selbst wenn diese unangenehm sind.

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Startphase als Expat = erster Schritt zur Scheidung?

Boarding House

Ein Umzug ins Ausland hat nicht selten immensen Einfluss auf eine Partnerschaft. In der Regel hat nur ein Teil innerhalb einer Beziehung einen Job im Ausland. Der andere Lebens- oder Ehepartner „kommt mit“. Und das obwohl er oder sie vorher vielleicht selbst eine vielversprechende Karriere vor sich hatte. Recruiter stellen die Möglichkeit, dass auch der andere einen Job in der neuen Umgebung findet, schon mal deutlich zu optimistisch dar. Die Realität schaut aber oft anders aus.

Es ist mal wieder spät geworden im Büro. Wie in jedem neuen Job will Johannes beweisen, dass er den Job zurecht bekommen hat und beginnt schnellstmöglich einen Überblick über die Geschäftssituation zu bekommen. Als er nach 10 oder 11 Stunden voller Meetings und Telefonaten zurück ins Hotelzimmer kommt, in dem die beiden für die ersten paar Wochen wohnen, ist die Sonne schon eine Weile untergegangen. Müde. Genervt. Geschlaucht. Jetzt auf die Couch, die Füße hochlegen, vielleicht noch ein Bier und abschalten. Kyra begrüßt ihn mit den Worten: „Hi, wird aber Zeit, was machen wir jetzt?“ Sie hat sich den ganzen Tag im Hotelzimmer gelangweilt – die Sightseeing Touren hat sie alle schon in der ersten Woche hinter sich gebracht. Und jetzt muss sie noch die 20.000 Worte loswerden, die eine Frau pro Tag spricht. Für sie geht der Tag jetzt erst richtig los.

Gerade in den ersten Wochen baut sich schnell Frust auf. Das große Abenteuer weicht Stress auf der einen und Langeweile auf der anderen Seite. Eine echte Prüfung für so manche Beziehung.

Wie geht man damit um? Dafür gibt es kein Patentrezept. Es hilft jedoch, wenn man sich vorher der Situation bewusst ist. Regelmäßig gemeinsame Zeit einzuplanen, ist wichtig. Für manche Paare ist es eine Lösung, dass sich der freie Partner, erst nach einigen Wochen nachkommt, wenn es zumindest schon eine richtige Wohnung gibt. Allerdings verschiebt das manche Probleme nur und schafft andere Schwierigkeiten, beispielsweise beim Thema Steuern. Andere Paaren finden eine Aufgabe, um die sich der freie Partner kümmert: Wohnungssuche, Schulauswahl für die Kinder, Bankkonten und ähnliches. In manchen Ländern ist das – gerade für Frauen – jedoch gar nicht so einfach, was zu weiterem Frust führen kann.

Eine Aufgabe wird oft unterschätzt: Freunde finden. In Ländern mit vielen Expats gibt es regelrechte Infrastruktur für Neuankommende und solche, deren Freunde wieder in ihr Heimatland zurückgezogen sind: zum Beispiel Expat Clubs oder Coffee Mornings. In anderen Ländern wartet niemand auf die Neuankömmlinge. Bestenfalls gibt es New in Town Treffen oder eine Expat Community auf Facebook. Coffee Morning? Facebook? Klingt nach nettem Kaffeekränzchen und Zeit totschlagen. Tatsächlich ist es eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, ein neues soziales Umfeld aufzubauen. Eine, um die man sich nicht schnell genug kümmern kann. Eine, die große Wertschätzung verdient.