Jumeirah Jane – die Expat-Woche in Dubai

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Jumeirah Jane

Als Jumeirah Jane bezeichnet man eine (meist britische) Ehefrau eines gut verdienenden Dubai-Expats. Einerseits genießt sie dank Maid, Gärtner und Pool Boy ein sorgenfreies Leben in einer teuren Villa. Andererseits hat sie dadurch auch keinerlei Aufgabe und ist ständig gelangweilt. Die typische Woche einer Jumeirah Jane verläuft ungefähr so:

Samstag.

For fuck’s sake. Diese Kopfschmerzen sind kaum auszuhalten. Dabei war der Friday Brunch gestern doch relativ zivilisiert. Es waren höchstens zwei Flaschen Moet. Naja, ok, vielleicht auch drei. Bubbles sind im Preis enthalten und zum Friday Brunch geht man ja schließlich nicht wegen des Essens. Was poltert die doofe Maid eigentlich  so laut rum. Um diese Zeit. Es ist noch nicht mal halb vier. Kein Wunder, dass der Schädel brummt. Wieder einschlafen wird auch nix. Dafür ist es zu hell. Was muss diese Scheiß-Sonne auch so bescheuert durch die Fenster scheinen. Kann nicht mal jemand einen Sonnenschirm über ganz Emirates Hills aufspannen? Kann doch nicht so schwer sein. Aspirin ist auch leer. Am besten die Maid geht gleich zur Apotheke. Dann kann sie auch nicht mehr rumpoltern.

Sonntag.

Harry, der Mann von Jumeirah Jane, ist früh zu einer Geschäftreise nach Jordanien aufgebrochen. Schon wieder. Arbeiten in Dubai heißt für Harry mindestens zweimal pro Monat im Flieger nach Riad, Maskat oder Amman sitzen. Die Maid muss deshalb heute auf jeden Fall das Bett frisch überziehen. Hat sie bestimmt schon 5 Tage nicht mehr gemacht. Muss man die denn an alles erinnern? Und wo sind denn schon wieder die Autoschlüssel? Am Schlüsselbrett hängen nur die vom BMW. Aber diese Blöße gibt sich eine Jumeirah Jane nur, wenn es nicht anders geht. Es könnte ja sein, dass Gwendolyn – diese Zicke – auch dort ist. Ah, da. In der Handtasche von gestern. Jetzt aber schnell mit dem Porsche Cayenne zum Shopping in der Dubai Mall. Eigentlich gehen da ja nur Touristen hin. Aber der Fendi Laden in der Mall of the Emirates wird gerade renoviert. Und das Mirdiff City Center geht schließlich gar nicht. Auf dem Rückweg zum Parkhaus gibts noch schnell einen Detox Weizengras Shot.

Wenigstens hat Wayne am Nachmittag noch einen Termin frei. Gym ohne Personal Trainer ist einfach nix halbes und nix ganzes. Auf das Training könnte sie zwar heute gut verzichten – schon wegen der noch Kopfschmerzen, die immer noch nicht ganz weg sind. Aber Wayne ist halt ein ziemliches Schnuckelchen und der Anblick seines Hinterns entschädigt für die Plackerei.

Montag.

Wie oft muss man dem Poolboy denn noch erklären, dass er nur die verwelkten Frangipaniblüten aus dem Pool fischen soll. Das nervt echt kolossal.

Harry ist zurück. Gott sei dank hat er Wein vom Duty Free mitgebracht. In den Alkoholgeschäften innerhalb von Dubai kann man ja maximal 5% des Einkommens in Alkohol umsetzen. Wer soll denn damit auskommen? For fuck’s sake. Das Leben in Dubai ist echt hart.

Die Maid kocht zwar echt gut, aber eben hauptsächlich asiatische Gerichte. Indisch kann sie nicht. Also wird heute – wie ungefähr 3 Mal die Woche – bestellt. Let me repeat your order, boss lady. One Gobi Manchurian, one Chicken Chettinadu, one Lamb Vindaloo, two piece Naan. 20 minutes. Thank you, lady boss.

Dienstag.

Keine Lust auf Golf. 20 Minuten auf der Driving Range reichen ja auch. Und danach im Club House einen Lemon Mint. Der Fisch von der Tageskarte ist schon wieder aus. Es ist zum Verzweifeln.

Wenigstens hat Jennifer am Nachmittag noch einen Termin frei. Es gibt aber auch ums Verrecken sonst keine Hair Stylistin, die blonde Haare kann. Und heute abend ist Ladies Night. Mal wieder zum Barasti Beach. Undenkbar dort aufzutauchen, ohne vorher beim Friseur gewesen zu sein. Hoffentlich ist Gwendolyn krank.

Mittwoch.

Ausschlafen. Eine Runde Golf im Montgomerie. Gwendolyn – diese Zicke – hat schon wieder eine neue Prada Tasche. Die ist mit Sicherheit aus Karama. Sieht sowas von Fake aus. Passt zu ihr.

Oh, fast vergessen: auf dem Rückweg unbedingt noch zum African Eastern. Das Heinecken ist fast alle. Und diese Woche kosten 24 Dosen nur 187 Dirham.

Am Abend geht es mit dem Premium Entertainer Gutscheinbuch zum Nobu im Atlantis. Das Atlantis ist bekanntlich das Hotel in Dubai, das noch künstlicher wirkt als die aufgespritzten Lippen von Gwendolyn. Schlimm sowas.

Donnerstag.

Der Porsche sieht aus wie Sau. Getankt werden muss auch. Also gehts zur Tankstelle. Fenster runter. Ja, volltanken bitte. Fenster rauf. Fenster runter. 137 Dirham, Maam. Stimmt so. An der Waschanlage ist schon wieder eine Schlange von 3 Autos. Eine Jumeirah Jane lässt sich sowas nicht bieten. Eigentlich muss man sich mal beschweren. Soll Harry nächstes Mal machen, wenn er das Auto waschen lässt.  Die Jungs, die das Auto abtrocknen und innen reinigen, sollen sich mal beeilen. Schließlich muss man in dieser Zeit ja aussteigen und die Hitze ist heute echt unerträglich.

Wenigstens hat Naomi am Nachmittag noch einen Termin frei. Eine Woche ohne Nail Spa geht ja gar nicht. Und morgen ist ja auch schon wieder Wochenende. Gwendolyn ist auch da. Gemeinsam wird über Zoe gelästert. Wofür hat man denn sonst eine beste Freundin, wenn nicht fürs Lästern.

Freitag.

Thank god it’s Friday. For fuck’s sake. Die Typen vom Valet Parking stellen sich heute aber wieder an, wie französische Zöllner beim Bummelstreik. Kann ja wohl nicht sein. Gwendolyn hat bestimmt schon die erste Flasche Moet halb leer. Wenigstens ist der reservierte Tisch nicht weit vom Austernbuffet. Wo bleibt denn der Champagner? Glaubt ihr vielleicht, dass irgendwer wegen des Essens zum Friday Brunch ins Madinat kommt?

Das Leben als Jumeirah Jane ist schon hart. Aber wenigstens ist man keine Mirdiff Molly. Die muss sich ja um ihren Haushalt selbst kümmern.

Ein ernstes Problem

Auch wenn sich das alles vergnüglich anhört, gibt es doch einen sehr ernsten Kern. In der Regel ist in Dubai nur eine Ehepartner berufstätig. Service Personal nimmt dem nicht berufstätigen Partner nahezu alle Arbeit ab. Das führt zu Langeweile und Depressionen. Ein oft unterschätztes Problem.

Expat in Los Angeles, Dubai und Kopenhagen.

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