Kostenfallen & Risiken für Expats

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Kostenfallen und Risiken für Expats

Dem Klischee zufolge führen Expats ein Leben in Luxus. Allerdings gibt es zahlreiche Kostenfallen für Expats, die direkt in die Armut führen. Es wäre fahrlässig, diese Risiken zu unterschätzen.

Lebenshaltungskosten falsch einschätzen

Der Arbeitsvertrag für den Job im Ausland weist meistens ein Bruttogehalt aus. Wieviel davon nach Steuern, Versicherungen und Abgaben übrig bleibt, ist schwer einzuschätzen. Trotzdem muss kurz nach der Ankunft entschieden werden, welchen Lebensstandard – und damit welche Kostenstruktur – man haben wird. Mietverträge für Wohnungen und Festlegungen haben langfristige Gültigkeit. So einfach kommt man aus diesen Verpflichtungen nicht mehr raus. Und oft bleibt dafür nicht einmal genug Zeit, dass man die erste Gehaltsabrechnung abwarten kann.

Inflation

Das Problem kann sich durch steigende Preise für Lebensmittel oder Benzin verschärfen. In vielen Ländern ist es auch üblich, dass Mietverträge eine begrenzte Laufzeit haben. Anschlussverträge können dann wesentlich teurer sein.

In Deutschland herrscht seit Jahrzehnten eine vergleichsweise niedrige Inflation. Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich sind aber in vielen Ländern keine Seltenheit. Auch wenn der Arbeitsvertrag eine Klausel enthält, dass das Gehalt regelmäßig angepasst wird, heißt das nicht automatisch, dass die Inflation vollständig abgefedert wird.

Währungsschwankung

Preisstabilität innerhalb eines Landes sind eine Sache, die Stabilität gegenüber anderen Währungen eine andere. Währungsschwankungen werden insbesondere dann zum Risiko, wenn man im Heimatland laufende Kosten (z.B. Kredittilgungen oder Unterhaltsleistungen) hat. Verliert die Währung in der das Gehalt ausgezahlt wird gegenüber dem Euro deutlich an Wert, wird es immer schwieriger, diesen Verpflichtungen nachzukommen.  Selbstverständlich kann die Schwankung auch in die andere Richtung gehen. An der Börse gelten Währungsspekulationen als hochriskant. Als Expat außerhalb des Euroraums ist man unweigerlich ein Währungsspekulant.

Umzug zurück

Man bekommt ein Angebot, ins Ausland zu gehen. Dickes Gehalt, spannender Job. Der Umzug ins Ausland wird bezahlt. Wer denkt in dieser Situation schon daran, dass es irgendwann auch mal wieder zurück nach Hause geht. Und daran, dass der Umzug dann eventuell nicht von der Firma finanziert wird. Worst Case: man kann sich die Umzugskosten zurück nicht leisten und strandet im Ausland. Um sicher zu gehen, muss man jeden Monat Geld für den Umzug zurück beiseite legen. Denkt man rein wirtschaftlich muss der Nettoverdienst als Expat deutlich über dem Gehalt zuhause liegen. Über die Zeitdauer des Auslandsaufenthalts müssen mindestens die  Kosten für den Umzugs mehr hängen bleiben. Dabei ist auch zu bedenken, dass der Umzug zurück oft mehr kostet als der Umzug ins Ausland. (Siehe auch: 5 Dinge, die man vor dem Umzug wissen muss)

Rente & Versicherungen

Niedrige Steuern, geringe Sozialabgaben, hoher Lebensstandard – Expat Hochburgen wie Dubai und Singapur sind nicht nur finanziell sehr attraktiv. Allerdings vergisst man leicht, dass die Lohnnebenkosten zuhause nicht zuletzt in die eigene Vorsorge fließen. Wenn ein paar Beitragsjahre fehlen, klafft schnell eine Rentenlücke. Und von den Steueroasen ist im Alter nichts zu erwarten. Freiwillige Beitragszahlungen in die deutsche Rentenversicherung sind möglich, helfen zwar Beitragsjahre zu sammeln. Aber man sollte nicht erwarten, dass sie sich positiv auf die Rentenhöhe auswirken. Das vertrackte an dieser Kostenfalle ist, dass sie erst nach Jahrzehnten sichtbar wird.

Ähnliche Fallen gibt es bei anderen Versicherungen. Wer beispielsweise seine Krankenversicherung kündigt, muss nach der Rückkehr sogenannte Gesundheitsfragen neu beantworten. Vorerkrankungen – egal ob sie während der Zeit im Ausland oder auch davor entstanden sind – werden dann von der Versicherung ausgeschlossen. Wer also im Ausland eine schwerwiegende oder chronische Krankheit bekommt, kann also eventuell versicherungsbedingt nicht mehr zurück nach Hause ziehen. Um dieses Risiko zu vermeiden, gibt es die Möglichkeiten von Anwartschaftsversicherungen. Selbstverständlich entstehen dafür Kosten, die erst einmal erwirtschaftet werden müssen.

Steuern

Es gibt wenige  Dinge, die ähnlich kompliziert und unübersichtlich sind, wie das Steuerrecht. Wenn dann noch die Steuergesetze mehrerer Länder ins Spiel kommen, wird es endgültig komplex. Beispiel: Man arbeitet für einen amerikanischen Konzern mit lokalem Vertrag in einer Steueroase. Zusätzlich zum regulären Gehalt erhält man Aktienbonifikationen in den USA. In Deutschland hat man noch eine Wohnung. Auch wenn diese Situation gar nicht ungewöhnlich ist, sprengt sie schon den Rahmen bilateraler Doppelbesteuerungsabkommen. Wenn man dann noch einen kleinen Fehler macht, hält der Fiskus eines der beteiligten Länder die Hand auf. Es drohen Steuernachzahlungen, mit denen man nicht gerechnet hat. Bestenfalls wird der Progressionsvorbehalt auf das Welteinkommen bezogen. Wenn es ganz dumm läuft, dann fordert ein Staat Einkommenssteuern auf das Welteinkommen. Zum Beispiel, weil man sich auf Dienstreisen zu lange oder zu häufig in diesem Land aufgehalten hat.

Anspruch auf Arbeitslosengeld

Wer seinen Job im Ausland verliert, hat unter Umständen keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld in Deutschland. Das ist insbesondere dann ein Problem, wenn es im Land, in dem man bis dato arbeitete, keine adäquate Absicherung gegen Arbeitslosigkeit gibt. Besonders dramatisch ist es, wenn man ab dem Zeitpunkt, ab dem man keinen Arbeitgeber mehr hat, als Tourist gilt und innerhalb 30 Tagen ausreisen muss. Dann kann es sein, dass mehrere der oben genannten Kostenfallen gleichzeitig zuschnappen, man sich verschulden muss, um den Umzug nach Hause zu finanzieren, und dann dort ohne Einkünfte auf der Straße steht.

Johannes

Expat in Los Angeles, Dubai und Kopenhagen.

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