Kultursimulation Barnga: optimale Vorbreitung für Expats

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Kultursimulation Barnga

Die 50 Teilnehmer des Workshops zur Vorbereitung auf ihre Auslandstätigkeit haben 8 Stuhlkreise gebildet. Skeptisch. Auf der Agenda steht die Kultursimulation „Barnga“. Im Rahmen eines Kartenspiels sollen sie Erfahrungen für das Leben in einer anderen Kultur machen. Wie soll das denn funktionieren? Erste süffisante Kommentare machen die Runde.

Gespielt wird ein Kartenturnier. Wer nach einigen Minuten die meisten Stiche in einem Stuhlkreis gewonnen hat, steigt in den nächsten Kreis auf. Umgekehrt steigen diejenigen mit den wenigsten Stichen ab. Soweit so einfach. Das Besondere – jegliche Form von verbaler Kommunikation ist verboten. Einzige Ausnahme: das Wort „Barnga“.

Barnga? Barnga, Barnga!

Der Seminarleiter teilt die Spielregeln aus, gibt den Teilnehmern gerade genug Zeit um sie zu überfliegen. Dann werden sie wieder eingesammelt und schon geht es los. Irgendwer legt eine Karte in die Kreismitte, die anderen Teilnehmer reagieren zögerlich. Irgendwer kassiert mit einem selbstsicheren „Barnga!“ den Stich ein. Fragende Blicke. „Barnga?“ Stand das in den Regeln nicht anders? Egal. „Bargna, Barnga“. Es geht weiter.

Nach wenigen Minuten ist die Zeit um und einige Teilnehmer wechseln in andere Kreise. Dort scheint man sich auf etwas andere Regeln geeinigt zu haben. Nicht verwunderlich, man hatte ja kaum Zeit sie richtig zu lesen. Oder haben die anderen sich verbündet, um die Neuankömmlinge übers Ohr zu hauen? Lange Zeit zum Wundern bleibt nicht. Schon ist diese Spielrunde vorbei.

Ach, so machen die das hier. OK, dann kann ich mich ja darauf einstellen. Das Spiel plätschert vor sich hin. Es gibt allerlei kuriose Situationen. Aufstiege, Abstiege. Und irgendwann landet man auch mal wieder in seinem ursprünglichen Kreis. Dort haben sich die Regeln offensichtlich verändert …

Achtung, Spoiler

[Wer Barnga selbst erleben möchte, sollte nicht weiterlesen.]

Nach Turnierende die Überraschung: jeder Kreis hat vom Leiter leicht unterschiedliche Regeln erhalten. Mal ist das Ass hoch, mal tief. Mal ist Herz Trump, mal Pik. Zwischen den Kreisen gibt es kleine Unterschiede. Groß genug, dass sie im Spiel zu Konflikten führen. Aber auch klein genug, dass sie nicht sofort auffallen.

Im Rahmen eine Reflexion werden unter anderem folgende Erfahrungen klar:

  • Die Regeln waren innerhalb jedes Kreises richtig. Von außen betrachtet können sie aber als falsch wahrgenommen werden. So entstehen Vorurteile wie „Amis sind oberflächlich“.
  • Je geringer die Unterschiede, desto schwieriger ist es, diese zu akzeptieren. Wären in einem Kreis Skat Karten und im nächsten UNO Karten zum Einsatz gekommen, wäre sofort offensichtlich gewesen, dass ein anderes Spiel gespielt wird. Analog ist es für Expats, die beispielsweise nach Asien gehen, ganz klar, dass sie sich anpassen müssen. Für Expats im europäischen Ausland ist das nicht immer sofort ersichtlich.
  • Kulturen sind nicht statisch. Sie verändern sich. Die Rückkehr nachhause kann der größere Kulturschock sein.

Expat in Los Angeles, Dubai und Kopenhagen.

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