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Was kostet eine Wohnung in Dubai?

Was kostet eine Wohnung in Dubai?

Der Immobilienmarkt in Dubai ist extrem volatil – egal ob Kauf oder Miete. Die Antwort auf die Frage „Was kostet eine Wohnung in Dubai?“ hängt von zahreichen Faktoren ab. Neben den üblichen Punkten wie Lage, Größe und Ausstattung spielt die Konjuktur eine enorme Rolle. Und die ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein stetiges Auf und Ab. Selbst innerhalb eines Jahres können sich die Preise für gleichwertige Häuser oder Wohnungen leicht um 30% verändern.

Beispielsweise gab es in Folge der Krise von 2009 einen enormen Leerstand. Häuser und Wohnungen wurden für einen Bruchteil des Preises der Vorjahre angeboten. Bauprojekte wurden gestoppt oder erst gar nicht mehr begonnen. Ab 2014 führte die erfolgreiche Bewerbung um die Ausrichtung der Expo 2020 zu einer plötzlichen Preisexplosion. Seitdem werden jedes Jahr wieder zehntausende Wohneinheiten auf den Markt geworfen. Im Jahr 2019 wird der Immobilienmarkt von Dubai erneut von einer Krise heimgesucht. Wieder ruhen die Hoffnungen auf der Expo 2020. Allerdings ist zu befürchten, dass danach der Markt zusammenbricht und sich der Leerstand noch einmal deutlich erhöht.

Haus oder Wohnung mieten

Einen aktuellen Überblick über die aktuellen Preise für Mietwohnungen – egal ob furnished (also möbliert) oder leer – bekommt man am besten auf Webseiten wie propertyfinder.ae oder dubizzle.com. Dort werden Tausende Studios, 1-Bedroom, 2-Bedroom-Apartments oder auch größere Wohnungen und Villen angeboten. So erhält man schnell ein Gefühl für die aktuelle Marktlage. Schnäppchen darf man allerdings – wenn überhaupt – nur zu Krisenzeiten erwarten. Das Leben in Dubai ist teuer. Im Vergleich ist sind deutsche Großstädte – auch das teure München – deutlich günstiger. Deshalb mieten viele deutsche VAE-Expats keine Wohnung in Dubai, sondern leben  in anderen Emiraten und pendeln nach Dubai. Vor allem Ras al Kheima wird immer beliebter.

Mietverträge werden in der Regel für ein Jahr geschlossen. Die Miete wird nach wie vor per Cheque bezahlt und ist im Voraus fällig – meistens für das ganze Jahr. In seltenen Fällen kann man sich mit dem Vermieter auf mehrere Cheques pro Jahr einigen. Diese werden dann für das gesamte Jahr vordatiert und beim Vermieter hinterlegt.

Im Mietervertrag wird auch festgelegt, wann Mieter und Vermieter sich gegenseitig über eine mögliche Verlängerung des Vertrages informieren. Offiziell gibt es in Dubai eine Art Mietpreisbremse. Liegt die aktuelle Miete deutlich unter dem durchschnittlichen Preis vergleichbarer Wohnungen in Dubai, sind Preisanstiege bis zu 20% möglich. Bei einem geringeren Abstand zur Durchschnittsmiete verringert sich die mögliche Erhöhung. Allerdings gibt es Wege, wie Vermieter diese Regularien umgehen können. Beispielsweise kommt es immer wieder vor, dass Mietern gekündigt wird, weil der Vermieter die Wohnung (angeblich) verkaufen will – und zwar ohne Mieter. Nach erfolgreicher Kündigung entscheidet er sich dann allerdings spontan, die Wohnung zu behalten und zu einem deutlich höheren Preis wieder zu vermieten. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Wohnung oder Haus kaufen

Immobiliengeschäfte in Dubai sind riskant. Egal ob man als reine Kapitalanlage investiert oder zum Arbeiten in Dubai weilt und seine eigene Bleibe kauft. Unter einer halben Million Euro ist kaum etwas zu haben. Schon gar nicht in den Wohnvierteln in Dubai, die bei Expats beonders beliebt sind. Der mittlere Osten ist ein Pulverfass, die Konjunktur kaum vorhersehbar und der Markt durchsetzt von zwielichtigen Gestalten. So mancher Verkäufer ist nur auf die üblichen 10% Anzahlung aus und läßt den Deal dann platzen. Dann ist es enorm schwierig, wieder an sein Geld heranzukommen – sei es weil ein einheimischer Geschäftspartner vor Gericht immer die besseren Karten hat, sei es weil der Geschäftspartner irgendwo im Ausland sitzt und nicht mehr erreichbar ist.

In den vergangenen Jahren hat sich die Risikolage zwar etwas verbessert, schließlich lebt das Emirat Dubai inzwischen mehr von Immobiliengeschäften als von der Ölförderung. Verläßlichkeit ist dabei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Dennoch sind Investitionen in Immobilien in Dubai spekulativ. Insbesondere dann, wenn der Kauf noch in der Planungs- oder Bauphase getätigt wird. Immer wieder kommt es vor, dass Projekte nicht oder deutlich später als geplant fertiggestellt werden. Eventuelle Mieteinnahmen fallen dann aus und die Finanzierung bricht zusammen. Das wiederum kann zu einem Gefängnisaufenthalt führen, denn geplatzte Cheques werden hart bestraft.

Ebenfalls zu beachten ist die Tatsache, dass Immobilien in Dubai durch das Klima und gegebenenfalls auch durch häufige Ein- und Auszüge schneller „abgewohnt“ werden als in Europa.

Der Kauf einer Immobilie für den Eigenbedarf ist weniger problematisch – solange man einen Job hat und eventuelle Kredite rechtzeitig bedient werden. Wenn man zu einem günstigen Zeitpunkt einsteigt, nicht anfallende Mietkosten berücksichtigt und zum richtigen Zeitpunkt wieder verkauft, kann sich die Investition mehr als lohnen.

Nebenkosten

Die Nebenkosten sollten man keinesfalls vernachlässigen, denn sie können signifikant sein. Beispielsweise fallen beim Kauf einer Immobilie 4% Transfergebühr beim Dubai Land Department an. Diese Kosten sind mit den Notargebühren in Deutschland vergleichbar. Dazu kommen Bearbeitungsgebühren in Höhe von bis zu 5000 AED und Maklergebühren. Zwar ist der Immobilienmarkt inzwischen einigermaßen reguliert. Allerdings heißt das nicht, dass es keine unseriösen Makler gibt, die überhöhte Courtagen verlangen. Im Idealfall vermeidet man Maklerkosten komplett, indem man einen Relocation Service für die Wohnungssuche nutzt.

Nach dem Vertragsabschluss sind die Unterhaltungskosten zu beachten. Elektrizität ist verhältnismäßg günstig. Allerdings ist Wasser richtig teuer. Eigentlich ist das nicht verwunderlich – schließlich liegt Dubai bekanntermaßen in der Wüste. Dennoch ist so mancher Besitzer einer Villa mit Außenpool regelmäßig schockiert, wieviel Wasser – und damit bares Geld – im Laufe eines Jahres verdunstet.

Auch die unvermeidliche Klimaanlage reißt leicht Löcher in die Finanzen. Insbesondere im Sommer, wenn die Temperaturen auf über 50 Grad steigen. Dann laufen die Klimaanlagen auf Hochtouren. Dabei sind Wohnungen in Hochhäusern noch verhältnismäßig effizient zu kühlen. Und das obwohl die Sonneneinstrahlung durch die riesigen Glasfasaden zu einem regelrechten Treibhauseffekten führen. Moderne Wohntürme sind an District Cooling – dem kalten Äquivalent von Fernwärme – angeschlossen. Außerdem sind die Wohnungen darin von anderen gekühlten Wohnungen umgeben. Im Gegensatz dazu brennt die Sonne bei freistehenden Villen auf Dächer und Außenwände.

Ein weiterer Faktor sind Personalkosten für Gärtner, Poolboys und Torwächter.

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Relocation Service richtig nutzen

Relocation Service

Viele Unternehmen stellen ihren neu angekommenen Expats einen Relocation Service zur Verfügung. Dieser hilft bei den ersten, wichtigen Schritten nach der Ankunft. Dass dies nicht aus reiner Nächstenliebe geschieht, sondern eine rein wirtschaftliche Kalkulation zu Grunde liegt, ist nicht überraschend. Die Kosten sind schlicht geringer, als die Kosten, die entstehen würden, wenn sich der neue Mitarbeiter alleine durch den Behörden-Dschungel kämpfen müsste. Der Expat soll nach dem Umzug ins Ausland schnellstmöglich produktiv werden. Seine kostbare Arbeitszeit soll eben nicht dafür verwendet werden, herauszufinden, welche Behörde wofür zuständig ist. Zudem gäbe es dann ein gewisses Risiko, dass ein Fehler in irgendeinem fremdsprachigen Formular dazu führen würde, dass eine wichtige Genehmigung nicht erteilt wird und der Expat seinen Job erst gar nicht antreten kann. Der Relocation Service ist also ein Segen für alle Beteiligten.

Meistens bucht das Unternehmen den Relocation Service für eine festgelegte Dauer – beispielsweise für 3 Arbeitstage. Diese Zeit reicht in der Regel aus, um die wichtigsten Schritte abzuarbeiten und lässt noch ein bisschen Flexibilität für individuelle Punkte, die dem Expat wichtig sind. Da das Zeitbudget begrenzt ist, muss man zunächst mit dem Mitarbeiter des Relocation Service besprechen, welche Punkte man gemeinsam erledigen möchte, welche Sachverhalte man erklärt haben möchte und welche Dinge man noch angehen möchte, wenn noch Zeit übrig ist. Man benötigt also eine klassische Priorisierung. Idealerweise trifft man sich schon während des Look & See Trips und bespricht die Prioritäten.

Prio 1: Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis

Die erste Priorität ist in jedem Fall, sicherzustellen, dass man seine Arbeitsstelle antreten darf. Dafür braucht man sowohl eine Aufenthaltsgenehmigung als auch eine Arbeitserlaubnis. Für die Aufenthaltsgenehmigung sind in manchen Ländern medizinische Untersuchungen nötig. Dafür gibt es teilweise sogar eigene Kliniken – vor allem in Ländern mit hohem Expat Anteil an der Gesamtbevölkerung (wie zum Beispiel den VAE). Ein guter Relocation Service kann helfen, die langen Wartezeiten dort deutlich zu verkürzen.

Nicht vergessen sollte man die Aufenthaltsgenehmigungen für weitere Familienmitglieder. Man darf davon ausgehen, dass die Aufenthaltsgenehmigungen für Ehepartner und Kinder im Zeitbudget vorgesehen sind. Bei tierischen Familienmitgliedern sieht das vermutlich anders aus. Dieser Service fällt aus dem Standard heraus. Man sollte zu Beginn mit dem Relocation Service absprechen, wie hoch der Aufwand dafür ist. Dann kann man entscheiden, ob der Relocation Service die Aufenthaltsgenehmigung für das Haustier beantragt oder ob man nur Informationen benötigt und sich dann selbst darum kümmert.

Weitere Prioritäten: kommt drauf an

Welche weiteren Aufgaben gemeinsam mit dem Relocation Service angegangen werden, hängt sowohl von der eigenen Situation ab, als auch davon, wie fehleranfällig, aufwendig bzw. mühsam die Aufgaben im jeweiligen Land sind. Die Priorisierung kann dann beispielsweise folgendermaßen aussehen:

Gemeinsam mit dem Relocation Service erledigen:

  1. Weitere Landesspezifische Behördengänge (z.B. Social Security Number, UAE ID, eGate Card, NemID)
  2. Zollformalitäten für den Umzugscontainer
  3. Unterstützung bei der Wohnungssuche
  4. Finden von Ärzten mit benötigter Spezialisierung

Relocation Service stellt Informationen bereit:

  1. Auswahl und Anmeldung bei Schule & Kindergarten
  2. Einrichten eines Bankkontos
  3. Umschreiben des internationalen Führerscheins

Falls noch Zeit übrig ist:

  1. Unterstützung beim Autokauf
  2. Beantragen einer Alkohollizenz 

Tendenziell ist zu empfehlen, den Relocation Service für wenige komplexe Aufgaben zu nutzen als für viele einfache – selbst wenn diese unangenehm sind.

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Wohnungssuche mit Relocation Service – Tipps & Tricks

Wohnungssuche mit Relocation Service

Viele Unternehmen buchen für neu angekommene Expats einen Relocation Service. Vorteil für den Arbeitgeber ist, dass der Mitarbeiter möglichst viel Zeit für den neuen Job aufbringen kann statt sich mit Behördengängen und Wohnungssuche zu beschäftigen. Der Arbeitnehmer freut sich darüber, dass er Unterstützung für die ersten wichtigen Schritte erhält. Das erleichtert nicht nur den Start, sondern gibt auch Sicherheit. Schließlich hilft jemand mit Erfahrung, dass man nichts Wichtiges übersieht und keine Fehler macht. Eine der Hauptaufgaben für den Relocation Service ist die Unterstützung bei der Wohnungssuche.

Briefing

Meistens steht der Relocation Service für eine begrenzte Anzahl von Arbeitstagen zur Verfügung. Es ist also wichtig, keine Zeit dafür zu verschwenden. Je präziser man definiert, welche Anforderungen, Vorstellungen und Wünsche man im Bezug auf das neue Zuhause hat, desto schneller kann der Relocation Service eine passende Auswahl an Unterkünften finden. Für einen Suchauftrag sind mindestens folgende Informationen erforderlich:

  • Haus oder Wohnung
  • Möbliert oder unmöbliert
  • Miete oder Kauf
  • Größe in Quadratmeter
  • Anzahl Zimmer
  • Anzahl Badezimmer
  • Lage
  • Budget / verfügbare Housing Allowance
  • Anzahl und Art der Stellplätze für Fahrzeuge
  • Qualität der Ausstattung
  • Sonstige Anforderungen
  • Erwartete Mietdauer

Wenn die Miete nicht vom Arbeitgeber gezahlt wird, finden es viele Expats schwierig zu entscheiden, welchen Betrag sie dafür aufwenden möchten bzw. müssen. Als Daumenregel gilt hier: „nicht mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens“. Sicherheitshalber solle man diesen Punkt allerdings mit dem Relocation Service genauer besprechen, zumal man den Wohnungsmarkt am neuen Wohnort nicht gut kennt. Voller Euphorie über die neue Lebenssituation im Ausland malen sich viele Expats ein Zuhause aus, das nicht realistisch ist. 400 Quadratmeter Villa mit Pool und 3 Marmorbädern mitten im Stadtzentrum – und das ganze für unter 1000 Euro Monatsmiete – gibt es eben in den wenigsten Großstädten.

Deshalb hilft es zu priorisieren und zu erklären, warum man diese Parameter gewählt hat. Dadurch kann der Relocation Service nach sinnvollen Alternativen suchen, wenn es nicht möglich ist, alle diese Wünsche gleichzeitig zu erfüllen, Darüber hinaus schadet es nicht, wenn man dem Mitarbeiter des Relocation Services etwas über die eigenen Lebensgewohnheiten erzählt. Wie alt sind die Kinder? Kocht man gerne? Hat man oft Gäste? Erwartet man viele Gäste aus der Heimat? Braucht man Platz für Sportgeräte? Entspannt man gerne in der Badewanne?

Besichtigungstag

Auf Basis des Briefings stellt der Relocation Service eine Auswahl von Wohnungen bzw. Häusern zusammen, die aktuell auf dem Markt sind bzw. zur Verfügung stehen. Im Idealfall kommen 10 bis 15 Objekte zusammen, wovon nach einer Vorauswahl durch den Expat maximal sieben übrig bleiben. Dafür organisiert der Relocation Service dann eine Besichtigungstour. Idealerweise finden alle Termine am gleichen Tag statt. Mehr als sieben Besichtigungen sind an einem Tag kaum machbar. Und danach kann man sich sowieso nur an maximal sieben Wohnungen erinnern, ohne sie durcheinander zu bringen. Um die Fülle an Informationen und Eindrücke an diesem Tag für die spätere Entscheidung optimal aufzubereiten, haben sich zwei Maßnahmen als sinnvoll erwiesen:

Notizen

Man stellt vor der Besichtigungstour eine Checkliste oder einen Bewertungsbogen auf und druckt für jede Immobilie ein Exemplar aus. Anforderungen aus dem Briefing sollten ebenso darin zu finden sein wie andere Punkte, die eventuell ausschlaggebend für die Entscheidung sein können: wie ist der Blick aus dem Fenster, wie gemütlich ist das Wohnzimmer, wie laut ist die Umgebung? Dazu kommt noch etwas Platz für Bemerkungen und andere Dinge, die einem während der Besichtigung aufgefallen sind. Jeder Bewertungsbogen erhält eine laufende Nummer:. erste Wochnung, zweite Wohnung, etc. Falls man ein Exposee erhält, schreibt man die gleiche Nummer darauf. So hat man alle wichtigen Informationen zusammengefasst, ohne dass man sie vergessen oder verwechseln kann.

Fotos

Man fotografiert jedes Objekt – idealerweise mit einer Kamera mit Weitwinkelobjektiv (siehe auch: 9 Gadgets, die man als Expat braucht). Dabei geht man nach einem festen Muster vor. Das erste Foto bei jeder Besichtigung ist ein Bild der eigenen Hand, die eine Zahl anzeigt. Ein Finger für die erste Wohnung, zwei Finger für die Zweite und so weiter. Dieses Foto dient als eine Art Registerkarte, trennt die Bilder von verschiedenen Wohnungen und hilft, die Fotos den Bewertungsbögen zuzuordnen. Danach folgt mindestens ein Foto von der Außenansicht der Immobilie und eines der Straße in der sie steht. In der Wohnung fotografiert man dann jeden Raum einmal aus jeder Ecke. Man macht also mindestens vier Bilder pro Zimmer. Dabei achtet man darauf, dass Details wie Steckdosen und Türgriffe gut sichtbar sind. Diese Vorgehensweise hilft, dass man während der Entscheidungsfindung, die Wohnung gedanklich mit seinen Möbeln einrichten kann.

Entscheidung

In der Regel hat man nach der Besichtigungstour nicht sehr viel Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Die Immobilien werden meistens für den Expat reserviert, allerdings verfällt diese Reservierung  nach 24 bis 48 Stunden. Deshalb geht man am Abend nach den Besichtigungen alle Bewertungsbögen und Fotos durch – auch wenn man nach bis zu sieben Besichtigungen ziemlich geschafft ist und keine Lust mehr darauf hat. Ziel ist es, mehr als die Hälfte der angebotenen Objekte auszusortieren oder bereits eine Vorentscheidung zu treffen. Die finale Entscheidung fällt dann, wenn man eine Nacht darüber geschlafen hat und die Wohnung mit Hilfe der Fotos einmal gedanklich mit den eigenen Möbeln eingerichtet hat.

Sollte man sich gegen alle Wohnungen bzw. Häuser entscheiden, wird es schwierig. Denn meistens ist nur ein solcher Besichtigungstag inklusive der Recherche dafür vorgesehen und vom Unternehmen finanziert. Dann muss man entweder auf andere Dienstleistungen, die bezahlt wurden, verzichten, oder das Unternehmen (oder man selbst) zahlt für eine weitere Runde. Wichtig ist dann, exaktes Feedback zu geben. Warum war keine der Optionen die richtige? Was hat gefehlt? Was hat gestört? Wenn das Feedback zu unspezifisch ausfällt – zum Beispiel: „hat mir einfach alles nicht gefallen“ – hat der Relocation Service keine Chance, die Suche in die richtige Richtung umzustellen. Die Vorauswahl würde wieder auf Basis des ursprünglichen Briefings stattfinden, das ja zu keinem Erfolg geführt hat.

Vertragsabwicklung

Hat man sich für ein neues Zuhause entschieden, unterstützt der Relocation Service noch bei der Vertragsgestaltung. Als Expat hat man in dem Land, in das man gerade gezogen ist, ja keine Erfahrung mit Mietverträgen und seinen Fallen. Deshalb sorgt der Relocation Service dafür, dass man nicht übers Ohr gehauen wird. In manchen Ländern ist es zusätzlich notwendig, den Zustand der Wohnung – insbesondere kleine Schäden – vor dem EInzug exakt zu dokumentieren. Die eigenen Fotos reichen dafür nicht aus. Nach dem Auszug kann der Relocation Service dann sicherstellen, dass man die Kaution, die man möglicherweise gezahlt hat, auch wieder zurückbekommt.

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Startphase als Expat = erster Schritt zur Scheidung?

Boarding House

Ein Umzug ins Ausland hat nicht selten immensen Einfluss auf eine Partnerschaft. In der Regel hat nur ein Teil innerhalb einer Beziehung einen Job im Ausland. Der andere Lebens- oder Ehepartner „kommt mit“. Und das obwohl er oder sie vorher vielleicht selbst eine vielversprechende Karriere vor sich hatte. Recruiter stellen die Möglichkeit, dass auch der andere einen Job in der neuen Umgebung findet, schon mal deutlich zu optimistisch dar. Die Realität schaut aber oft anders aus.

Es ist mal wieder spät geworden im Büro. Wie in jedem neuen Job will Johannes beweisen, dass er den Job zurecht bekommen hat und beginnt schnellstmöglich einen Überblick über die Geschäftssituation zu bekommen. Als er nach 10 oder 11 Stunden voller Meetings und Telefonaten zurück ins Hotelzimmer kommt, in dem die beiden für die ersten paar Wochen wohnen, ist die Sonne schon eine Weile untergegangen. Müde. Genervt. Geschlaucht. Jetzt auf die Couch, die Füße hochlegen, vielleicht noch ein Bier und abschalten. Kyra begrüßt ihn mit den Worten: „Hi, wird aber Zeit, was machen wir jetzt?“ Sie hat sich den ganzen Tag im Hotelzimmer gelangweilt – die Sightseeing Touren hat sie alle schon in der ersten Woche hinter sich gebracht. Und jetzt muss sie noch die 20.000 Worte loswerden, die eine Frau pro Tag spricht. Für sie geht der Tag jetzt erst richtig los.

Gerade in den ersten Wochen baut sich schnell Frust auf. Das große Abenteuer weicht Stress auf der einen und Langeweile auf der anderen Seite. Eine echte Prüfung für so manche Beziehung.

Wie geht man damit um? Dafür gibt es kein Patentrezept. Es hilft jedoch, wenn man sich vorher der Situation bewusst ist. Regelmäßig gemeinsame Zeit einzuplanen, ist wichtig. Für manche Paare ist es eine Lösung, dass sich der freie Partner, erst nach einigen Wochen nachkommt, wenn es zumindest schon eine richtige Wohnung gibt. Allerdings verschiebt das manche Probleme nur und schafft andere Schwierigkeiten, beispielsweise beim Thema Steuern. Andere Paaren finden eine Aufgabe, um die sich der freie Partner kümmert: Wohnungssuche, Schulauswahl für die Kinder, Bankkonten und ähnliches. In manchen Ländern ist das – gerade für Frauen – jedoch gar nicht so einfach, was zu weiterem Frust führen kann.

Eine Aufgabe wird oft unterschätzt: Freunde finden. In Ländern mit vielen Expats gibt es regelrechte Infrastruktur für Neuankommende und solche, deren Freunde wieder in ihr Heimatland zurückgezogen sind: zum Beispiel Expat Clubs oder Coffee Mornings. In anderen Ländern wartet niemand auf die Neuankömmlinge. Bestenfalls gibt es New in Town Treffen oder eine Expat Community auf Facebook. Coffee Morning? Facebook? Klingt nach nettem Kaffeekränzchen und Zeit totschlagen. Tatsächlich ist es eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, ein neues soziales Umfeld aufzubauen. Eine, um die man sich nicht schnell genug kümmern kann. Eine, die große Wertschätzung verdient.

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Was haben Dubai und Daisytown gemeinsam?

Daisytown Dubai

Polternd rollt der Planwagen durch die staubige Straße. Es ist die einzige Straße in dieser Stadt. An ihrem Ende verschwindet die rote Sonne hinter dem Horizont. Der Fahrer zieht an den Zügeln, springt vom Kutschbock und bindet die Pferde an der Tränke an.  Er ruft eine kurze Anweisung in das Innere des Wagens: „Wartet“. Kurz darauf geht er in den Saloon, fragt nach einer Unterkunft und wo man ein Wagenrad reparieren kann. Für die nächsten Tage ist Daisytown das Zuhause seiner Familie. Im Saloon, der Kirche und beim Barbier finden sie schnell Freunde. Dann geht es weiter westwärts. Am Ende einer Tagesreise wartet einen neue staubige kleine Stadt auf sie.

Expats bleiben zwar länger als ein paar Tage in ihren Metropolen. Im Durchschnitt sind es ca. 3 Jahre. Trotzdem müssen sie sich ständig ein neues soziales Umfeld suchen. Kaum hat man Freunde gefunden, ist deren Entsendung zu Ende und sie ziehen zurück nach Deutschland oder weiter zur nächsten Expat-Station.

Das Gute ist, dass es in Städten mit vielen Expats (wie Singapur oder Dubai) eine regelrechte Infrastruktur für den Aufbau und die Erneuerung eines Freundeskreises gibt: Coffee Mornings der deutschen Community, den German Emirats Club oder deutsche Kirchengemeinden, die auch für weniger Gläubige offen sind.

Ein bisschen offen dafür, Fremde anzusprechen bzw. sich ansprechen zu lassen, muss man trotzdem sein.

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Mit der Lizenz zum Trinken

Alkohol Lizenz

Meine britische Kollegin ist entsetzt. „Wie? Du bist jetzt schon fast eine Woche hier und HR hat den Antrag für die Alkohol Lizenz noch immer nicht unterschrieben? Im Ernst jetzt? Die spinnen doch! Ich geb‘ dir mal die Nummer vom Schwarzmarkt-Johnny“.

Chef, ich brauch ’nen Drink

Ja, richtig gelesen: die Personalabteilung muss unterschreiben, dass man Alkohol trinken darf – zumindest, wenn man als Expat in Dubai lebt. Wie bei vielen Dingen – beispielsweise Führerschein oder Bankkonto – braucht man für die Alkohol Lizenz die Zustimmung seines Visa Sponsors. Und das ist nun mal in den meisten Fällen die Firma, für die man arbeitet. Kaum angekommen geht man also zur Personalabteilung und gibt den Kollegen dort zu verstehen, dass man unbedingt an Alkohol kaufen möchte. Selbstverständlich muss man noch mehrfach nachhaken und klarstellen, dass der Durst langsam unerträglich wird.

Alkohol einkaufen in Dubai

Für Muslime ist Alkohol streng verboten. Das „Einkaufserlebnis“ ist entsprechend abenteuerlich. Es gibt zwei Liquer-Store Ketten: „mmv“ und „african+eastern“. Ihre Geschäfte sind gut versteckt und meist nur über die Parkhäuser von Malls zugänglich. Die Eingangstüren lassen vermuten, dass man dahinter eher die Werkzeuge des Hausmeisters oder Feuerwehrausrüstung befinden. Es gibt keine Fenster, keine Logos, keine Werbung. Die Läden haben etwas Verruchtes, das zuhause eher Etablissements im Rotlichtviertel haben.

Im neonbeleuchteten Inneren gibt es auch ca. 100 Quadratmetern dann allerdings eine ganz ordentliche Auswahl. Vom niederländischen Dosenbier bis zum edlen Champagner gibt es praktisch alles, was geneigte Trinker sich wünscht: Beefeater aus England, Smirnoff aus Russland, Cobra Bier aus Indien, Sherry aus Jerez, Arogoshi aus Japan, Zacapa aus Guatemala, Sauvignon Blanc aus South Africa. Und Weissbier aus München.

Sechs Flaschen Paulaner kosten ungefähr 15 Euro – plus 30% Steuer. Auf der Karte, die man bei jedem Einkauf vorlegen muss, ist ein Spend-Limit hinterlegt. Maximal 5% des eigenen Einkommens darf man pro Monat für Alkohol ausgeben.  Für eine größere Party muss man eventuell schon mal ein bisschen Bunkern.