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Frauenrechte in Dubai und Abu Dhabi

Frauenrechte in Dubai und Abu Dhabi

Eine der wichtigsten Fragen, die angehende VAE Expats stellen lautet: „Wie sieht es mit den Frauenrechten in Dubai? Unterscheiden sich Frauenrechte in Dubai und in Abu Dhabi?“ Zunächst denkt man dabei an das alltägliche Leben der Frau. Darf ich Autofahren? Muss ich Burka, Nikab, Tschador, Hijab oder sonst irgendeinen Schleier tragen? Darf ich mich alleine frei bewegen? Darf ich als Frau in Dubai arbeiten? Wer sich mit dem Thema etwas tiefergehend befasst, denkt auch an nicht alltägliche Situationen wie eine Scheidung oder ein Todesfall.

Absolutistischer Staat

Zunächst ist es – für Frauen und Männer – wichtig zu verstehen, dass das Rechtssystem der Vereinigten Arabischen Emirate nicht mit europäischen Rechtssystemen zu vergleichen ist. Die Basis ist schlicht eine andere: auf der einen Seite muslimische Traditionen und die Sharia auf der anderen Seite christlich-abendländischen Tradition. Hinzu kommt, dass der Scheich an der Spitze des Staates ein absolutistischer Herrscher ist. Einer der Titel, die er trägt ist „Ruler“. Er ist also derjenige, der die Regeln macht – und zwar weitestgehend nach Gutdünken und gelegentlich auch rückwirkend. Die VAE sind keine Demokratie.

Jedes Emirat hat seinen eigenen Scheich bzw. Emir. Dadurch gibt es auch rechtliche Unterschiede zwischen den Emiraten. Hinzu kommt, dass Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern unterschiedlich behandelt werden. Vor dem Gesetz sind nicht alle gleich. Diese Ungleichbehandlung geht leider oft zu Lasten von Frauen aus Ländern, die wirtschaftlich weniger entwickelt sind. Die folgenden Beobachtungen zu Frauenrechten in Dubai und Abu Dhabi gelten dementsprechend leider nur für Europäerinnen und Amerikanerinnen.

Frauenrechte im Alltag

Im Alltag gibt es für Expat-Frauen kaum Einschränkungen der Frauenrechte in Dubai und Abu Dhabi. Man muss keinen Schleier tragen. Frauen dürfen Auto fahren, sofern ihr Sponsor zustimmt. Und ihre Bewegungsfreiheit ist auch in keiner Weise eingeschränkt. Insofern wirken Dubai und Abu Dhabi wie westliche Städte – insbesondere in den Wohnvierteln, in denen man vorwiegend auf Expats trifft. Wobei Dubai etwas liberaler ist als Abu Dhabi. Manche Expats sagen sogar, dass Dubai das bessere London sei.

In Geschäften und Behörden werden Frauen sehr freundliche behandelt. Oft gibt es eigene Schalter und Schlangen für Frauen. Die Wartezeit dort ist in der Regel kürzer als für Männer.

Allerdings ist es nicht so, dass es gar keine Einschränkungen gibt – und zwar für Frauen und Männern. Jeder öffentliche Ausdruck von Zuneigung ist verboten. Küssen in der Öffentlichkeit ist also nicht gestattet.Theoretisch gilt das auch für Händchenhalten. Allerdings wird das aktuell gedultet.

Auch eine angemessene Kleidung wird erwartet. Schultern und Knie sollten bedeckt sein. Allerdings sieht man immer wieder Touristen, die sich nicht an diese Regel halten und mit äußerst knapper Badebekleidung nur das nötigste verdecken. So bekleidet würde ein vernünftiger Mensch aber auch nicht durch Berlin oder London laufen.

Sponsorensystem

Viele Freiheiten hängen in den VAE von der Zustimmung des Sponsors ab – das gilt sowohl für Frauen als auch für Männer. Egal ob Führerschein oder Alkohollizenz – ohne schriftliche Einverständniserklärung des Sponsors läuft nichts. Das  „Familienoberhaupt“ wird vom Arbeitgeber bzw. der Free Zone gesponsert. Das Familienoberhaupt wiederum sponsort dann weitere Familienmitglieder. Voraussetzung ist eine beglaubigte Eheurkunde bzw. Geburtsurkunden für die Kinder. Statistisch gesehen ist der Normalfall, dass der Mann zum Arbeiten in Dubai bei einem Unternehmen angestellt ist. Und dann Frau und Kinder auf sein Visum laufen. Es gibt aber auch eine signifikante Anzahl von Familien, in denen die Ehefrau  angestellt ist und den Ehemann und die Kinder dann selbst sponsort.

Die Einverständniserklärungen sind natürlich eine reine Formalität. Kaum ein Mitteleuropäer würde ernsthaft in Erwägung ziehen, seiner Frau das Autofahren zu verbieten. Aber die Tatsache, dass er es theoretisch könnte, reicht bei vielen Frauen schon aus, um am Ego zu nagen. Umgekehrt sind zahlreiche Männer bekannt, bei denen der Stachel nicht weniger tief sitzt. Insbesondere dann, wenn ihre Gattin als Sponsor vor dem Unterschreiben einer Erlaubnis kurz nachfragt, was der Herr denn dafür gewillt ist, zu tun.

Scheidung oder Todesfall

Die bisherigen Punkte betrafen Frauen und Männer gleichermaßen. Doch wenn es hart auf hart kommt, ist es um die Frauenrechte in Dubai respektive den gesamten VAE schlecht bestellt. Bei Scheidungen und Erbschaften hat ein Mann nach wie vor die besseren Karten. Beispielsweise fällt das Erbe eines verstorbenen Mannes an den nächsten volljährigen, männlichen Verwandten. Das kann ein älterer Bruder des Verstorbenen sein. Die Ehefrau wird dann zur Bittstellerin bei ihrem Schwager, den sie möglicherweise noch nie leiden konnte.

Frauenrechte in Dubai und Abu Dhabi – ganz OK

Alles in allem fühlen sich die meisten Expat-Frauen aus Europa in den VAE sehr wohl und nehmen im Alltag keine Einschränkung ihrer Rechte wahr. Leider kann man das nicht von allen Ländern im mittleren Osten sagen.

Wichtiger Hinweis: wir sind keine Rechtsanwälte. Der Inhalt diese Artikels beruht auf eigener Erfahrung.

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Entsendung oder lokale Anstellung im Ausland?

Entsendung oder lokaler Vertrag

Grundsätzlich gibt es 2 Varianten, wie man im Ausland angestellt sein kann. Entweder man unterzeichnet einen Vertrag mit einem Arbeitgeber im Ausland. Oder man wird von einem deutschen Arbeitgeber ins Ausland entsandt. Die Frage, ob man per Entsendung oder lokaler Anstellung im Ausland arbeitet, hat gravierenden Einfluss auf Leistungen des Arbeitgebers, Sozialversicherungen und Steuern.

Entsendung

Entsendungen sind insbesondere von deutschen Konzern-Hauptquartieren in deren Tochtergesellschaften im Ausland üblich. Bei einer Entsendung bleibt der Vertrag mit dem deutschen Arbeitgeber bestehen. Je nach Arbeitgeber erhält man einen Entsendungsvertrag und der deutsche Vertrag ruht oder der Vertrag bleibt in Kraft und wird ergänzt. Die Betriebsstätte wird ins Ausland verlegt, das Gehalt angepasst und mögliche Gehaltszusatzleistungen festgelegt. Diese können zum Beispiel folgende Punkte enthalten:

  • Zusätzliche Vergütung.
  • Ausgleichszahlungen vor dem Hintergrund unterschiedlicher Steuersysteme.
  • Heimflüge für den Arbeitnehmer und dessen Familie.
  • Übernahme von Mietkosten durch die Firma oder alternativ Zahlung einer Wohnungspauschale.
  • Regelungen zu einem Firmenfahrzeug im Ausland, je nach Land ggf. auch inklusive Fahrer.
  • Fortführung von Sozialversicherungen und Einzahlungen ins deutsche Rentensystem auf Firmenkosten.
  • Internationale Krankenversicherung während der Zeit im Ausland.
  • Weiterbildungsbudget für Ehepartner.

Da der eigentliche Vertrag fortbesteht ändert sich nichts an Aspekten wie:

  • Firmenzugehörigkeit.
  • Urlaubstagen (obwohl das in der Zusatzvereinbarung auch anders geregelt werden kann.)
  • Kündigungsfristen.

Meistens ist die Entsendung auf einen festen Zeitraum wie 3 Jahre begrenzt. Manchmal gibt es die Option auf eine Verlängerung. Danach kehrt man an seine ursprüngliche Betriebsstätte zurück und läuft der Vertrag ganz normal weiter. Doch Vorsicht: dann ist eventuell keine passende Stelle frei (siehe auch; Karriere-Turbo oder Karriere-Killer?)

Lokale Anstellung im Ausland

Im Gegensatz zur Entsendung kündigt man bei einer lokalen Anstellung seinen deutschen Vertrag und unterschreibt einen neuen im Ausland. Dabei kann man durchaus im gleichen Konzern bleiben. Zum Beispiel dann, wenn man von der deutschen Tochtergesellschaft eines ausländischen Konzerns in eine andere Landesniederlassung oder die Konzernzentrale wechselt. Eine Entsendung von einem Satelliten zum anderen ist meistens schlicht nicht vorgesehen.

Vertragsinhalte richten sich beim lokalen Vertrag danach, was im Zielland üblich ist. Insbesondere beim Jahresurlaub gibt es hier große Unterschiede. Mit durchschnittlich 28 Urlaubstagen pro Jahr sind wir in Deutschland ja verhältnismäßig gut ausgestattet. In anderen Ländern sind weniger als 20 Tage keine Seltenheit. Gehaltszusatzleistungen, wie oben beschrieben, sind eher eine Seltenheit. Es sei denn, dass sie marktüblich sind. Beispielsweise steht in den Vereinigten Arabischen Emiraten jedem Expat ein Heimflug pro Jahr auf Kosten des Arbeitgebers zu.

Wesentliche Unterschiede

Mit lokalem Vertrag gibt es kein Rückkehrrecht zu seinem Arbeitgeber in Deutschland – außer man regelt das in einem separaten Vertrag. Genauso gibt es keine begrenzte Vertragslaufzeit, sofern man das nicht als Klausel im Vertrag festlegt oder die Aufenthaltsgenehmigung irgendwann abläuft. Natürlich sind Vertragsinhalte auch im Ausland Verhandlungssache.

Ein wesentlicher Unterschied zur Entsendung ist die Tatsache, dass man die deutschen Sozialsysteme verlässt. Während der Zeit im Ausland zahlt der Arbeitgeber nichts in die deutsche Arbeitslosengeld-, Renten-, Pflege- oder gesetzliche Krankenversicherung ein. Die Beiträge komplett selbst zu zahlen, ist nur teilweise möglich bzw. sehr teuer. Je nach Sozialsystem im Land, in dem man arbeitet, baut man Ansprüche dort auf. Auch wenn wir über unsere Sozialversicherungen gerne schimpfen – in vielen Ländern sind die entsprechenden Systeme wesentlich schwächer bzw. nicht existent. Man sollte sich also vorher genau informieren, worauf man sich einlässt und gegebenenfalls privat vorsorgen.

Je nach Doppelbesteuerungsabkommen wird man durch den lokalen Vertrag für den deutschen Fiskus zum Steuerausländer sofern eine Reihe von Bedingungen erfüllt sind:

  • kein regelmäßiger Aufenthalt in Deutschland
  • kein weiteres Einkommen in Deutschland (zB durch Mieteinnahmen)
  • kein Wohneigentum in Deutschland.

Details sollte man unbedingt mit einem Steuerberater abklären.

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Welcher Expat Typ bist du?

Expat Typen

Nach ein paar Stationen im Ausland erkennt man immer wieder die gleichen Expat Typen. Viele Expats passen irgendwie in dieses Raster. Das gilt auch für die Freunde und Bekannte, die man im Ausland kennenlernt. Der Jochen ist übrigens der klassische … . Und die Patrizia ist ganz klar ein … .

Der Glücksritter

Die Börsen im Sultanat Kometistan kennen nur eine Richtung: aufwärts. Kein Wunder, seine Bodenschätze sind begehrt, die Petro-Dollars sprudeln und der Bürgerkrieg ist auch seit fast 4 Monaten beendet. In der Hauptstadt gibt es jede Menge neureiche Oligarchensprösslinge. Der Glücksritter wittert seine Chance auf das große Geschäft, das schnelle Geld, den dicken Sportwagen. Seinen Job zuhause hat er sowieso gerade verloren. Zwölf Jahre später steht er immer noch kurz vor dem großen Durchbruch.

Der Feuerwehrmann

Wo immer es brennt, wird dieser Expat Typus von seinem Arbeitgeber eingesetzt. Die Umsätze in Südamerika brechen ein, die Qualität der Produktion in Asien lässt rapide nach, die neue Niederlassung kommt nicht in Fahrt – schon heißt es: „Koffer packen“. Nervenaufreibende 3 oder 6 Monate später, wenn das Problem behoben ist, geht es wieder zurück. Auf den Feuerwehrmann – respektive die Feuerwehrfrau – ist Verlass.

Der Lebenslauf-Tuner

Ein bisschen Auslandserfahrung im Lebenslauf macht sich immer gut. Besonders dann, wenn der Job-Titel, den man sich im Ausland auf die Visitenkarte schreiben darf, einigermaßen seniorig klingt. In der Zweigniederlassung in einem eher kleinen Markt wird man eben leichter Leiter von irgendwas als im Kernmarkt zuhause. Dort kann der Lebenslauf-Tuner aber behaupten, dass er den Job ja schon mal gemacht hat.

Der Aufseher

Die strategische Investition in das Joint Venture mit dem asiatischen Staatskonzert war eine der wichtigsten Weichenstellungen des vergangenen Jahrzehnts. Aber den geschätzten Vertragspartnern kann man natürlich nicht trauen. Schon gar nicht bei den Finanzen. Diese Schlüsselstelle wird mit untadeligen Europäern oder Amerikanern besetzt. Und ein paar andere noch dazu – nur für den Fall, dass einer der Aufseher den Verlockungen der lokalen Marktwirtschaft verfällt.

Der Exilant

War aber auch blöd gelaufen damals. Der kleine Kunstfehler. Die bescheuerte Szene auf dem alljährlichen Kongress. Die Fehlinvestition, über die sich die ganze Branche das Maul zerreißt. Der Ruf war ruiniert und die Karriere jäh beendet. Obwohl – einige Flugstunden entfernt gilt der Fachmann aus Deutschland als hochkompetent. Ist er ja auch. War halt blöd gelaufen damals.

Der Berufene

In der deutschen Niederlassung des internationalen Konzerns hat er mehrfach seine Ziele übererfüllt und wurde mit Awards überschüttet. Growth Hacking und Kundenfokus waren die Basis für seinen Erfolg. Genau so einen brauchte man in der Konzernzentrale. Dort verwaltet er jetzt seine Nische und liefert sich politische Kämpfe mit anderen Expat Typen, die in ihrem Heimatland auch überragende Leistungen gezeigt haben. Aber das war ja quasi in der Regionalliga und hier ist die Champions League.

Der Gestrandete

Verliebt bis über beide Ohren war er damals. So verliebt, dass er seinen gut bezahlten Job und die schicke Wohnung gekündigt hat und seiner großen Liebe hinterher reiste, als sie nach dem Auslandssemester in ihre Heimat zurückzog. Verrückt fand er das gar nicht. Es folgte ja auch die schönste Zeit seines Lebens. Schnell fand er einen Job in einem Hotel – mangels Sprachkenntnisse war nix anderes zu finden. Blöd halt, dass seine Angebetete nach 8 Monaten einen anderen hatte. Und dass der Job nicht genug für die Heimreise abwirft, ist auch nicht optimal.

 Der digitale Nomade

Seine App verkauft sich 2000 mal im Monat. Und seine 7 Affiliate Webseiten sorgen für ein kontinuierliches passives Einkommen. Für eine Wohnung in Hamburg reicht es zwar nicht. Aber da ist das Wetter eh beschissen. Das Café auf Bali bietet alles, was sein Arbeitsplatz haben muss: WLAN. Und der geniale Grafiker aus Korea ist auch fast jeden Tag da. Den wird er richtig vermissen, wenn es nächsten Monat weitergeht nach Kambodscha.

 

Und? Welcher dieser Expat Typen bist du?

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Look & See Trip richtig nutzen

Look & See Trip

Ein Umzug ins Ausland ist ein großer Schritt, in den man sich nicht übereilt stürzen sollte. Deshalb ist ein Look & See Trip ist ein entscheidender Bestandteil der Vorbereitung auf die Zeit im Ausland. Auch wenn man die Umgebung schon von Geschäftsreisen oder Urlauben kennt, sollte man etwa eine Woche am zukünftigen Arbeitsort verbringen. Wichtig ist, dass man diese Zeit weder als Urlaub interpretiert, noch die Zeit nicht im Büro verplempert. Die Investition in einen Look & See Trip muss aktiv genutzt werden.

Je nach Entfernung und Fremdheit der neuem Umgebung sollte der Look & See Trip zwischen 3 Tagen und einer Woche dauern.

Finale Entscheidung

Hauptaufgabe des Look & See Trips ist es eine optimale Grundlage für die endgültige Entscheidung zu schaffen, ob man den Job im Ausland antritt. Stellt sich bei dieser Reise ein schlechtes Bauchgefühl ein, sollte es immer noch möglich sein, sich gegen den Umzug zu entscheiden. Sowohl für Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber ist es besser, wenn eine negative Entscheidung nach dieser relativ geringen Investition fällt. Der Schaden ist dann wesentlich geringer, als wenn man 3 Monate nach dem Umzug in den Sack haut.

Um sich den größtmöglichen Entscheidungsspielraum zu bewahren, ist es wichtig, mit Freunden und Kollegen vor dem Look & See Trip möglichst wenig über den neuen Job zu reden. So ist der Gesichtsverlust im Falle einer negativen Entscheidung relativ gering.

Die Familie entscheidet mit

Die finale Entscheidung sollte gemeinsam mit allen Familienmitgliedern getroffen werden. Gute Arbeitgeber zahlen deshalb den Look & See Trip für die ganze Familie. Leider wird hier gelegentlich an der falschen Stelle gespart. Ehepartner und Kinder müssen sich in der neuen Umgebung ebenso wohlfühlen und nach dem Look & See Trip befragt werden. Wenn die Kinder alt genug sind, sollten sie ein Vetorecht haben.

Erfahrene Personaler interviewen übrigens auch die Ehepartner ihrer Mitarbeiter an, bevor sie eine Entsendung veranlassen.

Neuen Lebensmittelpunkt kennenlernen

Wichtig ist, einen realistischen Eindruck des neuen Lebensmittelpunkts zu bekommen. Deshalb ist es besser die Umgebung mit einem Kollegen oder einem Relocation Service als per Sightseeing Rundfahrt zu erkunden.

Mit welcher Infrastruktur muss man rechnen? In Industrieländern ist das weniger Wichtig, in Schwellenländern kann das allerdings ein Knackpunkt sein. Diese Frage hat auch gewissen Einfluss darauf, mit wieviel Besuch aus der Heimat zu erwarten ist.

Wie sieht das zukünftige Büro aus? Wenn man Kinder hat, stellt sich auch die Frage nach Kindergärten und Schulen. Mit welchem Standard kann man hier rechnen? Das gilt sowohl für die Einrichtung, als auch das pädagogische Konzept.

Es lohnt sich, auch mal in einen Supermarkt zu schauen, um zu wissen, was man dort bekommt und wie die Preise aussehen. Kann man sich das Leben dort, zumindest am Anfang mit nur einem Einkommen, überhaupt leisten? Und gibt es dort meine Lieblingsprodukte oder sollte ich beim Umzug gleich mal einen kleinen Vorrat mitbringen?

Kommt man mit dem Klima zurecht? Natürlich ist es nicht möglich, das Klima ein ganzes Jahr zu testen. Allerdings kann man den Look & See Trip vielleicht in einen Zeitraum legen, der eher schwierige Wetterbedingungen hat: Monsun, Sommerhitze, dunkle Wintertage. Dann hat man das Schlimmste schon einmal gesehen.

Wohnviertel sichten

Im Idealfall hat man am Ende des Look & See Trips eine klare Vorstellung, wo man nach einer Unterkunft suchen wird. „Haus oder Wohnung“ ist eine der ersten Fragen, die man sich beantworten muss. Daraus ergibt sich dann meistens schon eine Vorauswahl an Stadtvierteln für die anstehende Wohnungssuche.

Einkaufsmöglichkeiten, Sport- und Freizeitangebote und die Nähe zu Schulen bzw. Kindergärten können weitere Kriterien sein. Auch die Frage, wie es mit (deutschsprachiger) ärztlicher Versorgung aussieht, kann ausschlaggebend sein. Und natürlich spielt auch die Preissituation eine gewichtige Rolle.

Hat man sich schon auf einige Quartiere festgelegt, sollte man die Strecke schon einmal mit dem Mietwagen oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen – idealerweise zur Rush Hour. Nicht selten reduziert das die Vorauswahl noch einmal.

Wenn genügend Zeit ist, sollte man sich die Wohngegend durchaus auch einmal zu verschiedenen Tageszeiten ansehen. Nach der Dämmerung verändert sich der Charakter eines Viertels oft deutlich.

Freigepäck nutzen

Im Vorfeld des Besuchs, sollte man prüfen, ob es möglich ist, das den einen oder anderen Koffer im Büro oder bei einem Kollegen zu deponieren. Falls das möglich ist, nutzt man auf dem Hinflug sein Freigepäck voll aus. Besonders wenn man sich statt eines Umzugs für das Einlagern des Hausrats entscheidet sollte man kein Kilo Freigepäck verschenken. Neben Kleidung und Schuhen empfiehlt es sich, schon einmal Gegenstände mitzunehmen, die in der Startphase helfen, ein Gefühl von zuhause zu entwickeln. Vor allem für Kinder ist es wichtig, etwas vertrautes zu haben. Deshalb ist es eine gute Idee schon einmal etwas vom Lieblingsspielzeug oder Bilderbücher zu deponieren. Vielleicht passen auch noch ein paar Packungen vom Lieblingsmüsli oder den Lieblingskeksen rein. Aber nur, wenn sichergestellt ist, dass sich kein Ungeziefer dran macht.

Auch das Handgepäck sollte man voll ausnutzen. Am besten geht das mit einem (oder mehreren) Cabin Max Rucksäcken oder Koffern. (siehe auch: 9 Gadgets, die man als Expat braucht)

Zweifelt man während des Look & See Trips, ob man den Job antritt, kann man die Koffer ja wieder mit nach Hause nehmen.

Kollegen, Geschäftspartner treffen

Wenn man schon einmal da ist, bietet es sich an, einige Meetings mit zukünftigen Kollegen und Geschäftspartnern durchzuführen. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass das nicht der Hauptgrund für den Look & See Trip ist. Dashalb ist es zu empfehlen, den Zeitaufwand auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Wenn man den neuen Job angetreten hat, sitzt man ohnehin noch genug in Meetings.

Relocation Service treffen

Sofern der Arbeitgeber einen Relocation Service gebucht hat, ist es empfehlenswert, sich schon einmal mit diesem zu treffen. Dieses erste Treffen schafft nicht nur Vertrauen, sondern ermöglicht es auch, schon einmal Prioritäten für den Relocation Service festzulegen und erste Informationen für die Wohnungssuche zu vermitteln.

Realistischen Blick wahren

Wichtig ist, dass man eine realistische Vorstellung des Alltagslebens am Zielort gewinnt. Der Arbeitgeber wird versuchen, die Umgebung möglichst positiv darzustellen und bucht schon mal ein Luxushotel. Weder das, noch eine gewisse Euphorie, die in dieser Situation vollkommen normal ist ,sollte den Blick trüben.

Nach dem Look & See Trip

Nach der Rückkehr sollte man die Eindrücke ein paar Tage sacken lassen und dann im Gespräch mit der ganzen Familie die finale Entscheidung treffen, ob man sich ins Abenteuer stürzen will. Falls ja, beginnt man schnellstmöglich mit der Umzugsvorbereitung.

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Jobwechsel ins Ausland – Karriere-Turbo oder Karriere-Killer?

Job im Ausland - Karriere-Turbo oder Karriere-Killer

Viele Expats entscheiden sich für den Weg in ein anderes Land, weil sich hoffen, im Ausland Karriere zu machen bzw. ihre Karriere zu beschleunigen. Auslandserfahrung im Lebenslauf macht sich schließlich immer gut. In kleineren Ländern kann man leichter an Führungspositionen kommen oder Teil des Top Managements des Landes werden. Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht.

Zuhause wartet keiner auf dich

„Viel Erfolg in Dubai. Eins sag ich dir aber: hier wartet keiner auf dich.“  Wie ein Schlag in die Magengrube fühlt sich die Reaktion meines Kollegen in der Personalabteilung an. Gerade habe ich ihn informiert, dass ich innerhalb des Konzerns in eine andere Niederlassung wechseln werde . Inzwischen muss ich allerdings sagen: ein sehr guter Ratschlag. Es ist wichtig, nicht vergessen zu werden. Man muss sein Netzwerk zuhause aktiv pflegen.

Es ist nicht einfach, zuhause wieder einen guten Job zu finden, schon gar nicht bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die eigene Stelle wird neu besetzt. Eine adäquate Führungsposition ist gerade nicht frei, wenn man zurück will. Die Rückkehr muss von langer Hand geplant werden. Doch auch das hilft manchmal nicht. Eine befreundete Personalleiterin hat mir folgendes anvertraut: „Wir wissen bei Entsendungen oft schon von Anfang an, dass wir den Kollegen kündigen, wenn er zurückkommen will.“ Oft hilft dann nur: Unternehmenswechsel oder weiterziehen zur nächsten Expat-Station. Nicht zuletzt deshalb kursiert unter Expats die Einsicht: Im Ausland ein Fürstchen, zuhause ein Würstchen.

Soweit, so pessimistisch. Fakt ist aber, dass die Erfahrung, die man als Expat sammelt, außerordentlich wertvoll sein kann. Das gilt sowohl für die Karriere als auch für andere Bereiche. Man sollte allerdings offen sein für Brüche und nicht-lineare Veränderungen wie:

  • Wechsel in ein anderes Unternehmen
  • Weitere Stationen im Ausland
  • Kompletter Verzicht auf eine Rückkehr ins Heimatland
  • Side Steps oder Rückkehr in eine niedrigere Position und Vertrauen auf eine schnelle Weiterentwicklung durch die gesammelte Erfahrung

Auslandserfahrung wird bei der Besetzung von Führungspositionen in vielen Branchen quasi vorausgesetzt. Sie ist allerdings keine Garantie für einen schnellen Aufstieg in Führungspositionen bzw. die Vorstandsebene.