Ramadan in Dubai – ein Erfahrungsbericht

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Ramadan in Dubai - geschäftiges Bling-Bling weicht Ruhe und Besinnung.

Der Ramadan ist ein heiliger Monat für Muslime in aller Welt. Er ist eine Zeit des Fastens und der Besinnung und beeinflusst das Leben in Dubai auch für Expats deutlich. Stark vereinfacht lässt sich der Ramadan mit der Vorweihnachtszeit vergleichen, die ursprünglich auch eine Fastenzeit war. Sobald der Ramadan in Dubai beginnt, verändert sich der Charakter der Stadt.

Entscheidend ist der Mond

Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. Sein Beginn verschiebt sich „in unserem Kalender“ jedes Jahr um etwa 11 Tage nach vorne. Zwar lässt dich der Termin einigermaßen vorausberechnen, sodass man die Ramadan-Termine der nächsten Jahre mit einer Genauigkeit von +/- 1 Tag vorhersagen kann. So ergeben sich folgende Termine:

  • 2020 beginnt der Ramadan um den 24. April
  • 2021 beginnt der Ramadan um den 13. April

Das genaue Datum kann sich von Ort zu Ort unterscheiden und hängt davon ab, wann sich nach dem Neumond erste Anzeichen einer neuen Mondsichel beobachten lassen. Konkret bedeutet das, dass die entsprechenden Feiertag erst wenige Tage vorher – manchmal sogar erst am Vortag – festgesetzt werden. Für Expats macht das die Urlaubsplanung nicht unbedingt einfacher.

Der Ramadan beginnt in der Regel mit einem Feiertag und endet mit dem dreitätigen Zuckerfest „Eid al-Fitr“.

Kein Essen, Trinken, Rauchen, Fluchen

Während des Ramadans fasten Muslime. Fasten bedeutet in diesem Fall der Verzicht auf Essen und Trinken von Sonnenaufgang (also sobald der erste Sonnenstrahl am Horizont erkennbar ist) bis Sonnenuntergang (also bis kein Sonnenstrahl mehr zu sehen ist). Kaffee, Rauchen, aber auch Fluchen ist rund um die Uhr verboten. Und Alkohol ist ohnehin ganzjährig tabu. Zusätzlich zum Fasten sind im Ramadan Gebete, milde Gaben und großzügige Spenden üblich. Die überwiegende Mehrheit der Muslime hält sich auch streng an diese Vorgaben.

Touristen und nicht-muslimische Expats müssen sich – ebenso wie Reisende, Schwangere und Kinder – zwar nicht an diese Fastenregeln halten. Dennoch ist es verboten, in der Öffentlichkeit zu essen, trinken oder rauchen. Denn sonst könnte man ja einen Muslim in Versuchung führen. Für einen kleinen Snack muss man sich also versteckten Ecken oder private Räume verdrücken. Der Ramadan in Dubai hat also auch auf Touristen und Expats spürbaren Einfluss.

Dubai verändert sich

Während des Ramadans ist Dubai eine ganz andere Stadt als im restlichen Jahr. Viele Gebäude und öffentliche Gebäude werden festlich geschmückt. Grelles Bling-Bling weicht dem warmen Schein von arabischen Laternen. Restaurants und zahlreiche Geschäfte sind während des Tages geschlossen. Teilweise nutzen sie den Monat auch für Renovierungsarbeiten und öffnen erst nach Eid al-Fitr wieder.

Viele Expats verlassen die Stadt – sei es für Geschäftsreisen, sei es für Besuche in der Heimat, sei es für Urlaubsreisen. Dubai leert sich während des Ramadans geradezu. Über die eigentlich hektische Metropole am Golf legt sich eine fast schon besinnliche Ruhe. Insbesondere tagsüber wirkt die Stadt beinahe wie ausgestorben.

Iftar – das Fastenbrechen am Abend

Kurz vor Sonnenuntergang ist es allerdings aus mit der Besinnlichkeit. Wenn sich die Sonne dem Horizont nähert, steigen die Unfallzahlen sprunghaft an. Denn dann eilen tausende hungrige unterzuckerte, schlecht gelaunte Autofahrer zum abendlichen Fastenbrechen „Iftar“. Die Einwohner Dubais feiern Iftar gemeinsam mit ihren Familien, Freunden oder Geschäftspartnern und man möchte keine Sekunde länger als nötig auf das Abendessen warten.

Der Zeitpunkt des Sonnenuntergangs wird in den Medien veröffentlicht und ist sekundengenau bekannt. Natürlich gibt es auch Apps, die dabei helfen, keinen Moment zu lange auf das Fastenbrechen zu warten. Allerdings muss man berücksichtigen, dass man in den oberen Stockwerken der vielen Hochhaustürme Dubais, weiter über den Horizont sehen kann als am Boden. Deshalb kann man die Sonne länger sehen und muss pro 10 Stockwerke eine Minute länger warten.

Viele Hotels und Restaurants bieten üppige Iftar Büffets mit Datteln, Linsensuppe, gegrilltem Lamm und natürlich einer Vielzahl von süßen Nachspeisen wie Umm Ali an. Diese Buffets sind auch bei Expats und Touristen sehr beliebt. Gerüchten zufolge steigt der Nahrungsmittelverbrauch während des Ramadan in Dubai – also einer Fastenzeit – um 50% an.

Ramadan in Dubai = Shopping in Dubai

Ramadan ist Schnäppchenzeit. Nahezu alle Unternehmen bieten in diesem Monat umfangreiche Discounts an. Coca-Cola-Familienpackungen, Flachbildfernseher, Weber-Grills, Reisen und Mode – werden im Ramadan zu deutlich günstigeren Preisen als im restlichen Jahr angeboten. Auch bei Autos und Möbeln gibt es satte Preisnachlässe. Expats, die den Ramadan in Dubai verbringen und entsprechende Anschaffungen in diesen Zeitraum verschieben, können so eine Menge Geld sparen.

Ramadan am Arbeitsplatz

Auch das Arbeitsleben in Dubai verändert sich während des Ramadans deutlich. Kantinen, Kaffeeküchen und Snackautomaten werden geschlossen oder zumindest so mit Tüchern verhängt, dass man sie von außen nicht einsehen kann. Viele Büros haben reduzierte Öffnungszeiten – meistens von 9:30 bis 13:30. In den meisten Branchen bedeutet das allerdings für nicht-Muslime nicht unbedingt, dass sich das Volumen der Arbeit reduziert. Denn die Arbeit muss ja nach wie vor gemacht werden und viele muslimische Kollegen sind im Ramadan nicht so leistungsfähig wie sonst. Mit leerem Magen und ohne ausreichend Schlaf – denn große Teile der Nacht werden für Mahlzeiten genutzt – arbeitet es sich eben nicht wirklich gut. Natürlich schlägt sich das auch auf die Laune von Kollegen aus. Kontroverse Themen und schwierige Entscheidungen sollte man im Ramadan – soweit möglich – vermeiden.

Ramadan in Dubai – Mein Selbstversuch

Aus Neugier und Respekt vor meinen Kollegen habe ich während meiner Zeit in Dubai versucht, mich zwei Tage an das Fastengebot des Ramadan zu halten. Seither habe ich für die schlechtgelaunten Kollegen ein sehr großes Verständnis. Der Hunger wäre noch verschmerzbar gewesen. Bei Temperaturen nahe der 50 Grad-Marke für 15 bis 18 Stunden ohne Getränke auszukommen, war für mich schon Folter genug. Dazu kamen beinahe unerträgliche Kopfschmerzen aufgrund des plötzlichen Koffeinentzugs. Einfach eine Aspirin nehmen? Ging auch nicht, weil es quasi Essen gewesen wäre. Viel länger als die zwei Tage hätte ich wahrscheinlich nicht geschafft. Und das Fluchverbot habe ich sowieso schon nach wenigen Stunden gebrochen.

Expat in Los Angeles, Dubai und Kopenhagen.

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