Smørrebrød – das Sushi des Nordens

Nein, ein banales Butterbrot ist Smørrebrød wirklich nicht. Zu Unrecht verwendet man den Begriff in Deutschland eher belustigt – römm, pömm. pömm, pömm, In Dänemark ist Smørrebrød nicht nur Nationalgericht, sondern eine regelrechte Kunstform. Und der Tat braucht Smørrebrød den Vergleich mit dem japanischen Sushi weder im Bezug auf die Vielfalt, noch auf die kunstvolle Präsentation zu scheuen. Basierend auf einer langen Tradition gibt es für die Kunst des dänischen Sandwich ein festes Regelwerk, das sich dem Expat oft erst nach Jahren erschließt.

Die Vielfalt der Eintönigkeit

In den vergangenen Jahren hat Dänemark kulinarisches Weltniveau erreicht. Die Ny Nordisk Küche ist nicht nur im noma, das seit Jahren als bestes Restaurant der Welt gilt, ein echtes Erlebnis. Traditionell hat die dänische Küche aber nicht viel zu bieten. Das läßt sich auch daran ablesen, dass Frikadellen – abhängig vom Schweine-/Rindfleisch-Mischverhältnis und von möglichen Panaden allerlei verschiedene Namen haben.

Der Smørrebrød Baukasten

Auch für die verschiedene belegte Brotkreationen gibt es Namen. Teilweise sind diese ähnlich phantasievoll wie die Gestaltung der Brote. Dabei sind die Grundzutaten immer die gleichen.

  • Roggenbrot
  • Butter
  • Wurst, Käse, Fleisch oder Fisch
  • frisches, eingewecktes oder geröstetes Gemüse
  • Eier
  • Pilze
  • Kräuter

Soweit so einfach. Um zweifelsfrei zu wissen, welche Kombination davon als Hofdame, Feuerwehrmann oder tierärztliches Abendmahl bezeichnet wird, muss man als Expat sicherlich einige Jahre in Dänemark leben.

Die wichtigsten Regeln

Ähnlich sieht es mit den zahlreichen, ungeschriebenen Regeln aus. Die wichtigsten kann (und muss) man sich allerdings schnell merken. Smørrebrød ist ein Mittagessen! Keinesfalls kommt eine zweite Brotscheibe als Deckel oben drauf! Smørrebrød wird immer mit Messer und Gabel gegessen – wer die Finger nimmt hat keine Kultur! Noch schlimmer ist es, Salami mit Majo statt mit Remoulade zu kombinieren! Warum? Ist halt so. Ein Bayer würde ja auch Weisswurst weder mit Dijonsenf noch nach 12 Uhr essen. Und ein Japaner würde niemals den Reis, sondern nur den Fisch in die Sojasoße tauchen.

Smørrebrød ist ein fester Bestandteil der dänischen Kultur. Und dementsprechend auch ein fester Bestandteil des Kulturschocks von Expats.

Johannes

Expat in Los Angeles, Dubai und Kopenhagen.

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