Wohnungssuche mit Relocation Service – Tipps & Tricks

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Wohnungssuche mit Relocation Service

Viele Unternehmen buchen für neu angekommene Expats einen Relocation Service. Vorteil für den Arbeitgeber ist, dass der Mitarbeiter möglichst viel Zeit für den neuen Job aufbringen kann statt sich mit Behördengängen und Wohnungssuche zu beschäftigen. Der Arbeitnehmer freut sich darüber, dass er Unterstützung für die ersten wichtigen Schritte erhält. Das erleichtert nicht nur den Start, sondern gibt auch Sicherheit. Schließlich hilft jemand mit Erfahrung, dass man nichts Wichtiges übersieht und keine Fehler macht. Eine der Hauptaufgaben für den Relocation Service ist die Unterstützung bei der Wohnungssuche.

Briefing

Meistens steht der Relocation Service für eine begrenzte Anzahl von Arbeitstagen zur Verfügung. Es ist also wichtig, keine Zeit dafür zu verschwenden. Je präziser man definiert, welche Anforderungen, Vorstellungen und Wünsche man im Bezug auf das neue Zuhause hat, desto schneller kann der Relocation Service eine passende Auswahl an Unterkünften finden. Für einen Suchauftrag sind mindestens folgende Informationen erforderlich:

  • Haus oder Wohnung
  • Möbliert oder unmöbliert
  • Miete oder Kauf
  • Größe in Quadratmeter
  • Anzahl Zimmer
  • Anzahl Badezimmer
  • Lage
  • Budget / verfügbare Housing Allowance
  • Anzahl und Art der Stellplätze für Fahrzeuge
  • Qualität der Ausstattung
  • Sonstige Anforderungen
  • Erwartete Mietdauer

Wenn die Miete nicht vom Arbeitgeber gezahlt wird, finden es viele Expats schwierig zu entscheiden, welchen Betrag sie dafür aufwenden möchten bzw. müssen. Als Daumenregel gilt hier: „nicht mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens“. Sicherheitshalber solle man diesen Punkt allerdings mit dem Relocation Service genauer besprechen, zumal man den Wohnungsmarkt am neuen Wohnort nicht gut kennt. Voller Euphorie über die neue Lebenssituation im Ausland malen sich viele Expats ein Zuhause aus, das nicht realistisch ist. 400 Quadratmeter Villa mit Pool und 3 Marmorbädern mitten im Stadtzentrum – und das ganze für unter 1000 Euro Monatsmiete – gibt es eben in den wenigsten Großstädten.

Deshalb hilft es zu priorisieren und zu erklären, warum man diese Parameter gewählt hat. Dadurch kann der Relocation Service nach sinnvollen Alternativen suchen, wenn es nicht möglich ist, alle diese Wünsche gleichzeitig zu erfüllen, Darüber hinaus schadet es nicht, wenn man dem Mitarbeiter des Relocation Services etwas über die eigenen Lebensgewohnheiten erzählt. Wie alt sind die Kinder? Kocht man gerne? Hat man oft Gäste? Erwartet man viele Gäste aus der Heimat? Braucht man Platz für Sportgeräte? Entspannt man gerne in der Badewanne?

Besichtigungstag

Auf Basis des Briefings stellt der Relocation Service eine Auswahl von Wohnungen bzw. Häusern zusammen, die aktuell auf dem Markt sind bzw. zur Verfügung stehen. Im Idealfall kommen 10 bis 15 Objekte zusammen, wovon nach einer Vorauswahl durch den Expat maximal sieben übrig bleiben. Dafür organisiert der Relocation Service dann eine Besichtigungstour. Idealerweise finden alle Termine am gleichen Tag statt. Mehr als sieben Besichtigungen sind an einem Tag kaum machbar. Und danach kann man sich sowieso nur an maximal sieben Wohnungen erinnern, ohne sie durcheinander zu bringen. Um die Fülle an Informationen und Eindrücke an diesem Tag für die spätere Entscheidung optimal aufzubereiten, haben sich zwei Maßnahmen als sinnvoll erwiesen:

Notizen

Man stellt vor der Besichtigungstour eine Checkliste oder einen Bewertungsbogen auf und druckt für jede Immobilie ein Exemplar aus. Anforderungen aus dem Briefing sollten ebenso darin zu finden sein wie andere Punkte, die eventuell ausschlaggebend für die Entscheidung sein können: wie ist der Blick aus dem Fenster, wie gemütlich ist das Wohnzimmer, wie laut ist die Umgebung? Dazu kommt noch etwas Platz für Bemerkungen und andere Dinge, die einem während der Besichtigung aufgefallen sind. Jeder Bewertungsbogen erhält eine laufende Nummer:. erste Wochnung, zweite Wohnung, etc. Falls man ein Exposee erhält, schreibt man die gleiche Nummer darauf. So hat man alle wichtigen Informationen zusammengefasst, ohne dass man sie vergessen oder verwechseln kann.

Fotos

Man fotografiert jedes Objekt – idealerweise mit einer Kamera mit Weitwinkelobjektiv (siehe auch: 9 Gadgets, die man als Expat braucht). Dabei geht man nach einem festen Muster vor. Das erste Foto bei jeder Besichtigung ist ein Bild der eigenen Hand, die eine Zahl anzeigt. Ein Finger für die erste Wohnung, zwei Finger für die Zweite und so weiter. Dieses Foto dient als eine Art Registerkarte, trennt die Bilder von verschiedenen Wohnungen und hilft, die Fotos den Bewertungsbögen zuzuordnen. Danach folgt mindestens ein Foto von der Außenansicht der Immobilie und eines der Straße in der sie steht. In der Wohnung fotografiert man dann jeden Raum einmal aus jeder Ecke. Man macht also mindestens vier Bilder pro Zimmer. Dabei achtet man darauf, dass Details wie Steckdosen und Türgriffe gut sichtbar sind. Diese Vorgehensweise hilft, dass man während der Entscheidungsfindung, die Wohnung gedanklich mit seinen Möbeln einrichten kann.

Entscheidung

In der Regel hat man nach der Besichtigungstour nicht sehr viel Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Die Immobilien werden meistens für den Expat reserviert, allerdings verfällt diese Reservierung  nach 24 bis 48 Stunden. Deshalb geht man am Abend nach den Besichtigungen alle Bewertungsbögen und Fotos durch – auch wenn man nach bis zu sieben Besichtigungen ziemlich geschafft ist und keine Lust mehr darauf hat. Ziel ist es, mehr als die Hälfte der angebotenen Objekte auszusortieren oder bereits eine Vorentscheidung zu treffen. Die finale Entscheidung fällt dann, wenn man eine Nacht darüber geschlafen hat und die Wohnung mit Hilfe der Fotos einmal gedanklich mit den eigenen Möbeln eingerichtet hat.

Sollte man sich gegen alle Wohnungen bzw. Häuser entscheiden, wird es schwierig. Denn meistens ist nur ein solcher Besichtigungstag inklusive der Recherche dafür vorgesehen und vom Unternehmen finanziert. Dann muss man entweder auf andere Dienstleistungen, die bezahlt wurden, verzichten, oder das Unternehmen (oder man selbst) zahlt für eine weitere Runde. Wichtig ist dann, exaktes Feedback zu geben. Warum war keine der Optionen die richtige? Was hat gefehlt? Was hat gestört? Wenn das Feedback zu unspezifisch ausfällt – zum Beispiel: „hat mir einfach alles nicht gefallen“ – hat der Relocation Service keine Chance, die Suche in die richtige Richtung umzustellen. Die Vorauswahl würde wieder auf Basis des ursprünglichen Briefings stattfinden, das ja zu keinem Erfolg geführt hat.

Vertragsabwicklung

Hat man sich für ein neues Zuhause entschieden, unterstützt der Relocation Service noch bei der Vertragsgestaltung. Als Expat hat man in dem Land, in das man gerade gezogen ist, ja keine Erfahrung mit Mietverträgen und seinen Fallen. Deshalb sorgt der Relocation Service dafür, dass man nicht übers Ohr gehauen wird. In manchen Ländern ist es zusätzlich notwendig, den Zustand der Wohnung – insbesondere kleine Schäden – vor dem EInzug exakt zu dokumentieren. Die eigenen Fotos reichen dafür nicht aus. Nach dem Auszug kann der Relocation Service dann sicherstellen, dass man die Kaution, die man möglicherweise gezahlt hat, auch wieder zurückbekommt.

Johannes

Expat in Los Angeles, Dubai und Kopenhagen.

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