Yalla Wiesn – Oktoberfest in Dubai

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Yalla Wiesn - Oktoberfest in Dubai

16 Tage der Folter. 16 Tage voller Facebook-Posts voller Maßkrüge, Lederhosen und Wiesnhendln. Zum ersten Mal seit seinem Umzug nach Dubai bekommt der ehemalige Münchner so etwas wie Heimweh. Doch kurz nachdem  “Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk” und “Guter Mond” auf der Theresienwiese verklungen sind, sieht die Welt schon wieder besser aus. Die Deutsche Außenhandelskammer lädt zum Oktoberfest in Dubai.

„Ein Volksfest im  Garten des Grand Hyatt kann ja nix Gescheites sein“, denkt sich der Expat, der für einige Jahre zum Arbeiten in Dubai ist. Aber weil es eine Gelegenheit ist, mal wieder die Lederhose rauszuholen, geht er trotzdem hin. Und ist überrascht, dass er schon in der Hotellobby auf zahlreiche andere Gäste in Lederhosn oder Dirndl trifft. Naja – sowas ähnliches zumindest. Im Trend liegen Dirndl aus indischem Sari Stoff, die man sich in Satwa für kleines Geld maßschneidern lassen kann. Geschmackssache. Das klimatisierte Zelt ist jedenfalls besser gefüllt als jede Wiesnmaß. Und die philippinischen Keller kommen ordentlich ins Schwitzen, wenn sie bis zu 4 (!) Masskrüge gleichzeitig an die Tische tragen.

Ozapft is – mit Rückruf

Auf der Bühne ergreift ein Mitfünfziger „Typ: verwirrter Professor“ das Mikrofon und eröffnet das Oktoberfest in Dubai feierlich – mehr oder weniger feierlich. Der Englischlehrer des Vorsitzenden der Außenhandelskammer muss der gleiche sein wie der von Günther Oettinger. Seine englische Erklärung, dass er jetzt einige Worte auf arabisch sagen werde, obwohl wegen des Charakters der Veranstaltung kaum Araber anwesend sind, lässt sich an Skurrilität kaum überbieten. Es ist offensichtlich, dass er sich auf Arabisch wesentlich wohler fühlt.

Dann kündigt er verheißungsvoll an, dass gleich noch ein „Ao zuopfft iß“ folge. Er will damit vermutlich ausdrücken, dass in näherer Zukunft jemand verkünden werde, dass das Bier angezapft sei. Unter Trommelwirbel wird ein Holzfass auf die Bühne gebracht. Der Niederlassungsleiter des Hauptsponsors VW will gerade zum ersten Schlag ansetzen, als man bemerkt, dass eine Gummidichtung am Zapfhahn fehlt. Nach kurzer Zeit wird verlautbart, dass das feierliche Anzapfen „aus technischen Gründen“ abgesagt werden muss. Der VW-Mensch ruft trotzdem „Ozapft is“ und eröffnet das Büffet.

Ein Prosit der Wahnwitzigkeit

Ja, das Büffet. Mit Spanferkel, Semmel(n)knödeln, Schupfnudeln, Käsespätzle, Sauerkraut, Leberkäs, Weisswürsten, frischen Brezen – um nur einige der Schmankerln zu nennen. Obwohl, die Desserts sollte man doch erwähnen: Apfelstrudel mit Vanillesoße, Kaiserschmaren, Schwarzwälder Kirschtorte, und so weiter und so fort. Der Eintrittspreis von 270 Dirham ist also gar nicht so übertrieben. Man wirft die Marketingmaterialien der Voith Gruppe unter den Tisch, um Platz für vollgepackte Teller zu machen.

Inzwischen spielen die Kirchdorfer, also die Kapelle aus dem Hacker-Pschorr Zelt, gediegene Volksmusik. Regine Weisshäuptl wäre begeistert. Doch kurz nachdem die Kellner die leeren Teller abgeräumt haben, zeigt die Band, dass sie nicht ohne Grund eingeflogen wurde. Yakety Sax verwandelt das träge Publikum binnen weniger Takte komplett in einen dampfende Partymeute. Auch das anfängliche Fremdschämen über die rasch einsetzenden Polonaisen verfliegt schnell.  Eine halbe Maß später macht man selbst mit.

Die tönerne Zierflasche mit Doppelaroma-Schnupftabak wird aus der Lederhosn geholt und zirkuliert. Das siebte Prosit der Gemütlichkeit veranlasst die Bestellung einer dritten Maß für 100 Dirham – schlappe 25 Euro. Aber scheiß drauf, Wiesn is nur einmal im Jahr. Und das Leben in Dubai soll ja einigermaßen angenehm sein. Als die Bierbank am Nachbartisch kollabiert gibt es allerdings Ärger. Aber nicht für die Gäste – sondern für die Security. Denn die braucht zu lange, um eine neue zu bringen. Viel zu schnell geht der Abend zu Ende. Die (nüchterne) Ehefrau lässt sich vom Vallet das Auto bringen und ab geht es nach Hause.

Auch wenn es an Blasphemie grenzt: der ehemalige Münchner hat auf dem Oktoberfest in Dubai mehr Spaß als auf der Wiesn daheim. Nur zwei Dinge fehlen ihm: das Teufelsrad und ein Zaubertheater bei dem es alle halbe Stunde heißt: „Yalla beim Schichtl„.

Expat in Los Angeles, Dubai und Kopenhagen.

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